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Dienstag, 17.10.2017
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Gekachelter Maya-Pool im Regenwald entdeckt

Keramikscherben sollten Wasserreservoir vor dem Auslaufen abdichten

Archäologen haben in der Mayastadt Uxul im Regenwald Mexikos einen fußballfeldgroßen Wasserspeicher gefunden, dessen Boden mit Keramikscherben ausgelegt ist. Die rund 1.500 Jahre alte Anlage ist das erste Beispiel für eine derartige Konstruktion bei den Maya. In Kombination mit darüber liegenden Kalksteinen sollten die Scherben offenbar das Reservoir abdichten.
Archäologe im "gekachelten" Pool

Archäologe im "gekachelten" Pool

Die Mayastadt Uxul im Urwald des heutigen mexikanischen Bundesstaats Campeche wurde bereits 1934 von den Archäologen Karl Ruppert und John H. Denison von der Carnegie Institution of Washington entdeckt. Doch wegen seiner Unerreichbarkeit und Abgeschiedenheit blieb die Ruinenanlage bis ins 21. Jahrhundert für die Forschung verschollen. Erst 2005 wurde der Ort von slowenischen und deutschen Forschern wiederentdeckt. Seit 2009 legen Archäologen der Universität Bonn nun gemeinsam mit Kollegen aus Mexiko systematisch die alten Gemäuer der Mayastadt Uxul frei und kartieren sie.

Jetzt haben sie dabei einen überraschenden Fund gemacht: „Dabei sind wir auch auf zwei quadratische Wasserspeicher von rund 100 Metern Kantenlänge gestoßen“, erklärt Iken Paap. Sie leitet zusammen mit Professor Nikolai Grube und dem mexikanischen Archäologen Antonio Benavides Castillo das Projekt. „Aguadas“ werden derartige Riesen-Pools genannt, die man auch aus anderen Maya-Städten kennt. Ähnlich wie heutige Wassertürme dienten sie der Trinkwasserspeicherung.

Keramikscherben als Auslaufschutz?


Die Bewohner von Uxul scheinen jeodch eine besonders trickreiche Methode ersonnen zu haben, um ihre Aguadas dicht zu bekommen. „Wir haben im Zentrum von einem der Wasserspeicher eine Probegrabung durchgeführt“, erklärt der Bonner Nachwuchswissenschaftler Nicolaus Seefeld. „Dabei haben wir festgestellt, dass der Boden in zwei Metern Tiefe fast lückenlos mit Keramikscherben – wahrscheinlich von Tellern – ausgelegt war. Ob das wirklich in der ganzen Aguada so war, wissen wir allerdings noch nicht.“


Falls ja, wäre das eine kleine Sensation – allein schon aufgrund der schieren Keramik-Menge, die dafür nötig gewesen wäre: Die Aguadas in Uxul waren jeweils so groß wie zehn Olympiaschwimmbecken. Vielleicht hat es dort sogar noch weitere künstliche Seen gegeben: Schließlich musste das kostbare Nass während der dreimonatigen Trockenzeit für mindestens 2.000 Bewohner reichen.

Stadtkarte von Uxul mit künstlichen Seen (blau)

Stadtkarte von Uxul mit künstlichen Seen (blau)

Einst blühende Handelsstadt


Obwohl Uxul heute einsam im dichten Urwald liegt, sah dies zu seiner Blütezeit, zwischen 250 und 900 nach Christus ganz anders aus, das wird bei den Grabungen mehr und mehr deutlich: Uxul lag damals in einem dicht besiedelten Gebiet zwischen den großen Maya-Städten El Mirador im Süden und Calakmul im Nordosten. Die Stadt hatte Handelsbeziehungen bis ins heutige südliche Guatemala und zentralmexikanische Hochland.

Aus der Analyse der Grabungsstätte und ihrer Bauschichten schließen die Bonner Forscher, dass Uxul durch mehrere Epochen der Maya-Kultur hindurch besiedelt war. „In diesem Jahr konnten wir eine über drei Meter tiefe Schichtenfolge ergraben, die vermutlich von der späten Prä- bis in die End- oder Postklassik reicht“, erläutert Paap. Inschriften berichten von der Eingliederung Uxuls unter die Herrschaft des 26 Kilometer entfernten Calakmul um etwa 630 nach Christus. Inwieweit wurde das Leben in der Stadt und in ihrem Umland von solchen Machtwechseln berührt und beeinflusst?

Um diese Frage zu klären, erhoffen sich die Forscher weiteren Aufschluss aus den bisherigen, aber auch zukünftigen Funden. „In diesem Frühjahr haben wir erstmals Gräber gefunden, die nicht von Grabräubern auf der Suche nach Keramik und Jadeschmuck zerstört worden waren“, erklärt Grube. „Daraus und aus neuen Untersuchungen zur Wasserversorgung und zur Vegetationsgeschichte erhoffen wir uns neue Erkenntnisse zur Lebenssituation der Einwohner dieser Maya-Stadt.“
(Universität Bonn, 27.08.2010 - NPO)
 
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