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Montag, 23.01.2017
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Hyänen: Söhne profitieren lebenslang von hochrangiger Mutter

Langfristige Vorteile für Söhne von Hyänen-Weibchen mit hohem Sozialstatus

Der Status der Mutter entscheidet über den Erfolg der Söhne: Nachkommen von hochrangigen Tüpfelhyänen-Weibchen genießen bereits während der Aufzucht Privilegien und erzielen dadurch später einen besonders hohen Fortpflanzungserfolg. Das zeigt eine jetzt in „Nature Communications“ vorgestellte Studie eines deutsch-britischen Forscherteams. Sie belegt auch erstmals, dass der Status der Mütter auch das Sozialverhalten der Jungen langfristig prägt.
Junge Tüpfelhyäne.

Junge Tüpfelhyäne.

Bei vielen sozialen Säugetieren gibt es eine strikte Rangordnung unter den Gruppenmitgliedern. In diesen Gesellschaften haben hochrangige Mütter bevorzugten Zugang zu Ressourcen und können mehr in ihre Nachkommen investieren als tieferrangige. Dadurch überleben ihre Nachkommen meist besser als die Nachkommen tieferrangiger Mütter. Ob hochrangige Mütter auch langfristig den Erfolg ihrer Söhne beeinflussen können, war bislang unbekannt. Um diese Frage zu untersuchen, verglichen Forscher des Leibniz- Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) Wachstum, Verhalten und Fortpflanzungserfolg von Söhnen hoch- und tiefrangiger Mütter bei Tüpfelhyänen in Tansania.

Lebensgeschichte von hunderten Hyänen verfolgt


Für die Studie beobachteten die Wissenschaftler alle Hyänen der acht Clans des Ngorongoro-Kraters in Tansania über einen Zeitraum von 14 Jahren, bestimmten die Hierarchien innerhalb der Clans, sammelten Proben des Erbguts von mehr als 800 Individuen und ermittelten die Väter von 650 Nachkommen mittels molekulargenetischer Methoden. „Nur mit dieser großangelegten und langjährigen Studie konnten wir die Lebensgeschichten einer ausreichenden Anzahl Söhne verfolgen und mit ihrem Reproduktionserfolg in der neuen Gruppe in Zusammenhang bringen“, erklärt Bettina Wachter vom IZW.

Söhne hochrangiger Weibchen erfolgreicher


Die Studie ist die erste, die den Einfluss von mütterlichem Sozialstatus und mütterlicher Investition auf Nachkommen zeigt, die ihre Geburtsgruppe in jungem Alter verlassen. Sie zeigt auch, dass der mütterliche Einfluss auf die Nachkommen wichtiger und weiter verbreitet ist, als bisher bekannt. „Die Söhne hochrangiger Mütter wuchsen schneller, wanderten in Gruppen mit mehr zeugungswilligen Weibchen ein, zeugten früher Junge und hatten einen höheren Fortpflanzungserfolg als die Söhne tieferrangiger Mütter“ erklärt Oliver Höner vom IZW. Hochrangige Mütter investieren also tatsächlich mehr in ihre Söhne als tieferrangige Mütter und dies hat einen weitreichenden Einfluss auf den langfristigen Erfolg der Söhne.


Erwachsene Tüpfelhyäne

Erwachsene Tüpfelhyäne

Erster Beleg für mütterliche Verhaltensbeeinflussung


Bisher ging man zwar davon aus, dass Mütter die Größe und Stärke von Söhnen beeinflussen können. Bei Tüpfelhyänen hängt der Fortpflanzungserfolg der Männchen jedoch nicht von ihrer Größe und Stärke ab. „Die Männchen müssen sich vielmehr den Vorlieben der Weibchen anpassen und gute Beziehungen mit ihnen aufbauen, denn die Weibchen dominieren die Männchen und bestimmen allein den Vater ihrer Jungen“, so Höner. Dass Mütter auch großen Einfluss darauf haben, in welche Gruppe ihre Söhne einwandern und in welchem Alter sie sich zum ersten Mal fortpflanzen, deutet darauf hin, dass sie nicht nur physische Merkmale, sondern auch das Verhalten ihrer Söhne beeinflussen.

„Bisher war nicht bekannt, ob es sich für Mütter langfristig lohnt, viel in ihre Söhne zu investieren. Das liegt an der praktischen Schwierigkeit, sowohl den mütterlichen Einfluss als auch den Fortpflanzungserfolg der Söhne zu bestimmen, denn bei den meisten Säugetieren verlassen die Söhne ihre Geburtsgruppe wenn sie erwachsen werden und entziehen sich so üblicherweise der weiteren Beobachtung durch Forscher“, erklärt Wachter. Ihre Kollegin Marion East ergänzt: „Ungewöhnlich an dieser Studie ist daher auch, dass der Lebensweg so vieler männlicher Hyänen
verfolgt werden konnte. Die Resultate verbessern unser Verständnis zu mütterlichen Effekten bei sozialen Säugetieren“.

Die Studie erfolgte in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Bielefeld und der Universität Sheffield in Großbritannien und wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt.
(Forschungsverbund Berlin, 25.08.2010 - NPO)
 
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