Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Hunderassen: Vielfalt durch überraschend wenige Gene
Genvergleich enthüllt erstaunlich simple Genarchitektur der Haushundvarianten
Kein Säugetier besitzt innerhalb einer Art ein so großes Spektrum an Körpergrößen, Formen und Verhaltensweisen wie der Haushund. Eine genetische Vergleichsstudie von mehr als 80 Hunderassen hat jetzt allerdings enthüllt, dass dieser Vielfalt eine überraschend einfache, fast schon verarmte Genarchitektur zugrunde liegt. Sie spiegelt in besonderem Maße die Züchtungsgeschichte des Hundes wieder.
Hundewelpe
Hundewelpe
© SXC Hundewelpe
Vor mehr als 15.000 Jahren begann der Mensch aus wilden Wölfen den Hund zu züchten. Heute, nach Jahrtausenden der selektiven Züchtung, zeigt kein anderes Säugetier eine so große Vielfalt in Körpergrößen, Aussehen und Verhalten wie der Haushund. In den hunderten von Hunderassen reicht die Spannbreite von den riesigen Doggen und Bernhardinern bis zu kleinen „Handtaschenhunden“ wie Pinschern oder Chiwawas.

Jetzt hat ein Forscherteam unter Leitung von Wissenschaftlern des National Human Genome Research Institute (NHGRI) erstmals in einer umfangreichen Studie untersucht, welche genetische Bandbreite diesen Rasseunterschieden bei den Hunden zugrunde liegt. Dafür analysierten sie die Gene von 915 Hunden aus 80 Haushundrassen sowie von 93 Wildhunden und verglichen dabei mehr als 700.000 Genorte. Zusätzlich wurden zahlreiche physische Eigenschaften der Tiere wie Größe, Gewicht, Form von Schädel, Langknochen und Zähnen oder Ohren erfasst.

Überraschend einfache genetische Architektur
Die vergleichende Analyse der Hundegenome ergab gleich mehrere Überraschungen. So zeigte sich, dass die große Variationsbreite zwischen den Hunderassen auf einer erstaunlich einfachen genetischen Architektur beruht. Diese Architektur visualisierten die Wissenschaftler in einer Art Karte der genetischen Variation der Hunde. Demnach bestimmt eine relativ kleine Anzahl genetischer Veränderungen den Großteil der sichtbaren Unterschiede in den Körpermerkmalen der Hunderassen.

Häufig ist sogar nur eine einzige Genregion für ganze Merkmalskomplexe zuständig, wie beispielsweise bei der Ohrform. So besitzen Wildhunde in der Regel aufgerichtete „Stehohren“, bei vielen Haushunderassen finden sich dagegen Knick- oder Hängeohren. Ob das eine oder andere auftritt, bestimmen Veränderungen in nur einem eng begrenzten Bereich des Genoms.

Deutlicher Unterschied zum Menschen
Darin unterscheiden sich die Hunde deutlich von innerartlichen Variationen beim Menschen, Labortieren oder Zuchtpflanzen. Denn bei diesen kommen phänotypische Unterschiede wie Körpergröße, Gewicht oder Körperfettanteil fast immer erst durch das Zusammenwirken vieler kleiner Genvarianten zustande. So benötigten genomweite Assoziationsstudien beim Menschen hunderttausende von Proben und die Analyse von mehr als 500.000 Einzelmutationen in der DNA, um die Verteilung solcher Varianten ermitteln zu können.

Beim Hund sind es dagegen meist nur Veränderungen in zwei bis sechs Genorten, die bereits 70 Prozent der Merkmalsvarianten hervorrufen. Ein ähnliches Verteilungsmuster ist bisher nur in wenigen anderen Tierarten bekannt, darunter beispielsweise bei den Stichlingen. Nach Ansicht der Forscher könnte dieser Typ der genetischen Architektur daher als Indiz für eine erst vor relativ kurzer Zeit erfolgte Anpassung und eine extrem starke Selektion sein.

Gezielte Züchtung auf starke Unterschiede
Im Falle der Hunde spiegeln die Genvariationen vermutlich einige einzigartige Eigenheiten der Züchtungsgeschichte der Haushunde wieder. So entstanden viele der heute bekannten Hunderassen während der viktorianischen Ära, als der Schwerpunkt auf der Erzeugung immer neuer, ungewöhnlicher Merkmalskombinationen lag. Viele Züchter setzten dabei ihr Augenmerk weniger auf kleinere, subtile Abweichungen, sondern förderten gezielt die Vererbung augenfälliger Unterschiede durch dominante Gene.

Dabei griffen sie zudem oft auf eine nur kleine Anzahl von Ausgangstieren zurück, so dass eine Art genetischer Flaschenhals, eine künstlich erzeugte genetische Verarmung, die Folge war. Damit trägt die genetische Vielfalt der heutigen Hunderassen in einzigartiger Weise die Fingerabdrücke der demografischen und selektiven Einflüsse des Menschen in sich.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Hunde, Rassen, Gene, Erbgut, DNA, Züchtungen, Wälfe, Doggen, Bernhardiner, Pinscher, Tiere, Natur
Weitere News zum Thema
Giftiges Mutterkorn breitet sich an der Nordsee aus (22.05.2013)
Befall großer Schlickgras-Flächen könnte auch Kinder und Tiere gefährden
Verursacher der "großen Hungersnot" entschlüsselt (21.05.2013)
Molekularbiologen rekonstruieren die Verbreitung des Kartoffelfäule-Erregers
Gletscher verursachen ein Drittel des Meeresspiegel-Anstiegs (17.05.2013)
Ein Prozent des Eises in den Gletschern bewirkt genauso viel wie die restlichen 99 Prozent
Eingeschleppter Käfer kämpft mit raffinierter Biowaffe (17.05.2013)
Ein einzelliger Parasit hilft dem Asiatischen Marienkäfer bei seinem Siegeszug durch Europa
Verblüffend naturgetreue Nanoblüten aus Kristallen (17.05.2013)
Komplexe Formen durch gezielte Manipulation der Wachstumsbedingungen
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
DNS-Scanner
Genetik
Menschenkenner Hund
Dossiers zum Thema
Der Hund denkt mit
Tiere knacken ein vermeintlich menschliches Privileg
Comeback der Wölfe
Neubeginn zwischen Faszination und Schrecken
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
DNS-Scanner
Gencheck mit Terahertz-Strahlung
Neuland in drei Dimensionen
Ein Blick ins Innere der Zelle
Molekulare Motoren
Protein-„Maschinen“ als Triebfeder des Lebens
Unfälle der Evolution
...oder doch geniale Anpassungsstrategien?
Arche Noah 2.0
Genbanken als letzte Rettung für die Artenvielfalt?
News des Tages
Tsunami 2009 von „heimlichem Tripelschlag” ausgelöst
Klimawandel wurde Mammuts zum Verhängnis
Hunderassen: Vielfalt durch überraschend wenige Gene
Quantenteilchen in Reih und Glied
Gen-Regulator mit schuld an Asthma
Mona Lisas Geheimnis gelüftet
Neue Rätsel um Schwarze Löcher
Bücher zum Thema
Die Macht der Gene
Schön wie Monroe, schlau wie Einstein von Markus Hengstschläger
50 Schlüsselideen Genetik
von Mark Henderson
Fantastisches Tierreich
Zwischen Legende und Wirklichkeit von John Downer
Ingenieure des Lebens
DNA-Moleküle und Gentechniker von Huub Schellekens und Marian C Horzinek (Übersetzer)
Die Genomfalle
Versprechungen der Gentechnik, ihre Nebenwirkungen und Folgen von Ursel Fuchs
Dolly
Der Aufbruch ins biotechnische Zeitalter von Colin Tudge, Ian Wilmut & Keith Campbell
Top-Clicks der Woche
1. Ingenieur plant Stromspeicher am Meeresgrund
2. Ältestes Wasser der Erde entdeckt
3. Verblüffend naturgetreue Nanoblüten aus Kristallen
4. Eingeschleppter Käfer kämpft mit raffinierter Biowaffe
5. Neuer Weltrekord bei der Datenübertragung per Funk