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Donnerstag, 24.05.2012
Stammzell-Spende: Eiweiße warnen vor Komplikation
Neuer Biomarker-Test ersetzt Gewebeentnahme
Nach einer Stammzell-Transplantation ist die akute Reaktion der verpflanzten Zellen gegen den Wirt eine gefürchtete Komplikation. Wissenschaftler haben nun einen Weg gefunden, diese Reaktion mit einer Urinuntersuchung festzustellen: Ein komplexes Muster von vielen Eiweißmolekülen (Polypeptiden) weist auf die drohende Gefahr hin.

Stammzellen
Stammzellen
© NIH
"Damit ist es in Zukunft möglich, noch frühzeitiger einzugreifen und die Patienten eher vor der GvHD zu bewahren. Zudem benötigen wir keine Gewebeentnahme mehr", sagte Dr. Eva Weissinger, von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), die diesen Test gemeinsam mit Kollegen von dermosaiques diagnostics and therapeutics AG entwickelt hat. Die Ergebnisse der Forschergruppe werden im renommierten Fachjournal "Blood" Veröffentlicht.

Die Stammzell-Transplantation ist aus der Therapie vieler Krebserkrankungen nicht mehr wegzudenken: Eine Hochdosis-Chemotherapie zerstört zunächst alle Zellen, die sich schnell teilen - vor allem die Krebszellen, aber auch Stammzellen im Knochenmark, die den Nachschub für die Zellen in Blut und Immunsystem bilden. Deshalb ist sofort eine Stammzellspende notwendig - meist von einem Fremdspender, der die gleichen Gewebemerkmale hat wie der Empfänger. Trotz des Abgleichs kommt es bei bis zu 70 Prozent der Patienten nach einer Stammzell-Transplantation zu einer Reaktion: Verpflanzte Zellen erkennen ihren neuen Wirt als fremd an, eine Abwehrreaktion ist die Folge.

Bislang war eine Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion lediglich klinisch zu vermuten, die Symptome reichen von Hautrötungen und Durchfall bis zu erhöhten Leberenzymen im Blut. Absolute Sicherheit brachte dann eine Gewebeentnahme (Biopsie), die eine solche Reaktion klar feststellt. Mehrere Forschergruppen wiesen in jüngster Vergangenheit darauf hin, dass möglicherweise "Biomarker" solche risikobehafteten Eingriffe wie eine Biopsie ersetzen könnten. Eine wichtige Rolle spielen dabei Eiweißmoleküle, so genannte Polypeptide.

Den Forschern der mosaiques diagnostics and therapeutics AG war es vor kurzem gelungen, mit Hilfe zweier gekoppelter Analysemethoden - der Kapillar-Elektrophorese und der Massenspektrometrie - und mit einer speziellen Software in kurzer Zeit mehr als 1.000 Polypeptide aus Blut oder Urin bestimmen zu können. Die mehrfach ausgezeichnete Methode wird bereits erfolgreich zur Erkennung von chronischen Nierenerkrankungen eingesetzt und ersetzt durch eine einfache Urinprobe den bisher üblichen operativen Eingriff einer Nierenbiopsie.

"Vor allem ein Muster aus 29 Polypeptiden zeigt eine GvHD besonders deutlich an. Sie sind nicht erhöht bei Gesunden oder bei Patienten mit einer Blutvergiftung (Sepsis), die ähnliche klinische Symptome wie die GvHD aufweist", sagt Dr. Weissinger. "Die Eiweißmoleküle könnten in Zukunft als früher Marker dienen und ermöglichen es damit, eine Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion einzudämmen oder ganz zu verhindern."
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