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Donnerstag, 30.06.2016
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„Katzenkrokodil" hatte Säugetierzähne

Kreidezeitliches Reptil belegte Säugetiernische auf Südkontinent Gondwana

In Tansania haben Forscher Fossilien eines Urkrokodils entdeckt, das erstaunlich säugetierähnliche Zähne besaß. Der jetzt in „Nature“ vorgestellte Fund gibt wertvolle Einblicke in die bisher kaum bekannte Lebenswelt auf dem kreidezeitlichen Südkontinent Gondwana. Das kleine und sehr bewegliche „Katzenkrokodil“ Pakasuchus nahm dort vermutlich eine ökologische Nische ein, die auf der Nordhalbkugel längst von Säugetieren besetzt worden waren.
Pakasuchus auf Insektenjagd

Pakasuchus auf Insektenjagd

In der Kreidezeit, vor rund 144 bis 65 Millionen Jahren lebten über die Landmassen des Südkontinents Gondwana verstreut zahlreiche Arten eines entfernten Verwandten der heutigen Krokodile und Alligatoren: die Notosuchia oder „Südkrokodile“. Ihre ökologische und morphologische Vielfältigkeit übertraf damals die ihrer heutigen Vetter bei weitem. Vom Pflanzenfresser über Allesfresser bis hin zu Fleischfressern, vom gürteltierähnlichen Panzer bis zur Schweineschnauze reichten ihre Varianten.

Wendiges „Katzenkrokodil“


Ein Forscherteam der Universität von Ohio, und weiteren amerikanischen Universitäten stieß 2008 im Südwesten von Tanzania auf ein komplett erhaltenes Skelett einer bisher unbekannten, rund 100 Millionen Jahre alten Notosuchia-Art. Inzwischen sind bereits Teile von sieben verschiedenen Individuen geborgen worden. Die Pakasuchus kapilimai getaufte Art - Paka steht auf Ki-Swahili für Katze und Souchos auf griechisch für Krokodil – war mit rund 50 Zentimetern Länge relativ klein. „Sein Kopf würde in meine Handfläche passen“, erklärt Patrick O'Connor, Professor für Anatomie an der Ohio Universität und Leiter der Studie.

Die Tiere besaßen stark gepanzerte Schwänze, aber relativ ungeschützte Körper mit beweglichen Gliedern. Die Wirbelsäule war ungewöhnlich flexibel, was ebenfalls auf große Beweglichkeit hindeutet. Nach Ansicht der Forscher deutet dies darauf hin, dass die Tiere aktiv auf dem Land nach ihrer Beute suchten, statt eher passiv im Wasser zu lauern wie ihre heutigen Verwandten. Vermutlich ernährten sie sich von Insekten und anderen kleineren Landtieren.


Zähne überraschend säugetierähnlich


Überraschend waren aber vor allem die Zähne der Fossilien. Denn während andere ausgestorbene und rezente Krokodilarten meist sehr einfache, konische Zähne besitzen, mit denen sie ihre Beute festhalten und zerreißen, besaß Pakasuchus Molare mit scharfen Kanten, die genau ineinander greifen, ähnlich wie bei vielen fleischfressenden Säugetieren. „Wenn man sich nur die Zähne anschaut, glaubte man nicht, dass es sich hier um ein Krokodil handelt“, erklärt O'Connor. „Man würde sich wundern was für eine seltsame Art von Säugetier oder säugertierähnliches Reptil dies ist.“

Detaillierte Sedimentanalysen am Fundort, dem Rukwa-Flusstal, geben auch Hinweise auf das Lebensumfeld von Pakasuchus. „Die Landschaft wurde dominiert von einem großen, langlebigen Flusssystem mit zahlreichen, sich kreuzenden Armen und flachen, bewachsenen Uferflächen dazwischen, die offenbar eine reichhaltige Wirbeltierfauna“, erklärt Eric Roberts, Professor für Geologie an der James Cook Universität. Pakasuchus teilte seinen Lebensraum vermutlich mit großen, pflanzenfressenden Sauropoden und fleischfressenden Dinosauriern, andere Krokodilarten, Schildkröten und verschiedenen Arten von Fischen.

Nische insektenfressender Säugetiere besetzt


„Diese Umgebung war ziemlich anders als die, die wir typischerweise mit Krokodilen in Verbindung bringen“, so O’Connor. „Wir vermuten, dass Notosuchier auf der Südhalbkugel so erfolgreich waren, weil sie eine bestimmte ökologische Nische nutzten, eine, in der sie gut mit anderen kleinen terrestrischen Tieren konkurrieren konnten.“

Bisher sind in den Gebieten des damaligen Südkontinents kaum Säugertierfossilien aus der Kreidezeit entdeckt worden. Noch ist nicht klar, ob dies einfach daran liegt, dass es hier weniger Ausgrabungen gibt, oder aber daran, dass es dort tatsächlich kaum Säuger gab. Letzteres könnte erklären, warum Arten wie Pakasuchus Nischen besetzen konnten, die anderswo eher Säugetieren vorbehalten waren.
(Ohio University, 05.08.2010 - NPO)