• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Donnerstag, 23.03.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Thrombosen als Barriere gegen Erreger

Immunabwehr erzeugt gezielt Blutgerinnsel zu Erregerabwehr

Thrombosen müssen nicht immer schlecht sein: Mediziner haben jetzt entdeckt, dass die angeborene Immunabwehr sogar gezielt harmlose Blutgerinnsel in kleinen Gefäßen auslöst, um pathogene Erreger aufzuhalten. Wichtiges Bindeglied zwischen Abwehr und Blutgerinnung sind die Neutrophilen – spezielle Immunzellen. Diese jetzt in „Nature Medicine“ veröffentlichte Erkenntnis könnte auch therapeutische Ansatzpunkte zur Unterdrückung pathologischer Thrombosen bieten.
Blut

Blut

Die erworbene Immunabwehr des Menschen reagiert spezifisch auf einzelne Erreger. Aber noch davor liefert die sogenannte angeborene Immunität eine erste Antwort auf eingedrungene Pathogene, indem sie beispielsweise unspezifische Abwehrmaßnahmen wie etwa Entzündungsreaktionen auslöst und verschiedene Abwehrzellen in Aktion setzt. „Ein Beispiel sind die Neutrophilen, die Abwehrstoffe gegen Pathogene produzieren“, erklärt der Professor Bernd Engelmann von der Universität München. Schon seit längerem wird vermutet, dass es einen Zusammenhang zwischen der Abwehr von Keimen und der Blutgerinnung geben könnte, da beispielsweise Neutrophile an beiden Prozessen beteiligt sind. Belegt werden konnte es jedoch bisher nicht.

Blutgerinnsel als Abwehrhilfe?


Um dies zu erreichen, konzentrierte sich ein Forscherteam um Engelmann gemeinsam mit Professor Steffen Massberg von der TU München auf die Neutrophilen. Diese Immunzellen gehören zur angeborenen Körperabwehr und akkumulieren zusammen mit den Blutplättchen sehr schnell, wenn eine Wunde vorliegt. „Die Neutrophile produzieren antimikrobielle Faktoren“, sagt Engelmann. „Sie spielen aber auch bei der Blutgerinnung eine Rolle. Wir haben vermutet, dass diese duale Funktion ein in der Entwicklungsgeschichte konservierter Prozess ist, der die Blutgerinnung und die Abwehr von Mikroben verbindet.“ Von Arthropoden ist bekannt, dass deren Abwehr gezielt Hämolymph-Gerinnsel erzeugt, um ein Vordringen von Erregern zu verhindern.

Ministöpsel auch beim Menschen


Die Untersuchung zeigte, dass antimikrobielle Faktoren – vor allem sogenannte Serin-Proteasen - auch beim Menschen die Blutgerinnung und damit die Bildung von Thrombosen in Gefäßen fördern. Während einer systemischen Infektion, die den gesamten Organismus erfasst, werden die Bakterien durch winzige Blutgerinnseln in kleinen Lebergefäßen eingeschlossen, wo die Thromben vermutlich keinen Schaden anrichten können. Wie sich zeigte, erfüllen die Ministöpsel ihren Zweck: Das Eindringen der Erreger in das Gewebe konnte weitgehend verhindert werden. „Insgesamt lassen die Ergebnisse vermuten, dass Thrombosen ein physiologisches Mittel in der Abwehr von Mikroben sein können“, so Engelmann. „Die Aktivierung der Blutgerinnung ist wahrscheinlich sogar ein wichtiger und weit verbreiteter Abwehrmechanismus.“


Thrombosen als gefährlicher Nebeneffekt


Problematisch wird der Prozess nur, wenn er in großen Blutgefäßen zur Bildung von Thrombosen beiträgt. „Denn Thrombosen sind der wichtigste Auslöser von Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenembolien, aber auch von den lebensgefährlichen Spätfolgen einer Sepsis und mancher Infektionen“, so Engelmann. „Die arterielle Thrombose ist – als Folge verschiedener Erkrankungen – sogar eine der wichtigsten Todesursache weltweit. Unsere Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass die Unterdrückung pathologischer Thromben ein herausragendes Behandlungsziel bei vielen Erkrankungen sein muss.“

Die Resultate könnten aber auch bei der Suche nach Behandlungsansätzen helfen. Schließlich haben sie erwiesen, dass dieselben molekularen Mechanismen zur Bildung physiologisch wichtiger und pathologischer Blutgerinnsel führen, was neue therapeutische Angriffspunkte liefern könnte.
(Ludwig-Maximilians-Universität München, 03.08.2010 - NPO)
 
Printer IconShare Icon