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Dienstag, 17.01.2017
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Altersdiabetes trifft immer mehr Jugendliche

Aufklärung und Diagnosewerkzeuge für diese Altersgruppe fehlen

Das Risiko für Alterdiabetes trifft heute längst auch Jugendliche – sie sind sich dieser Gefahr jedoch nicht bewusst. Das ist die Erkenntnis eines aktuellen Projektes, in dem gleichzeitig ein einfaches wie kostengünstiges Tool zur Diabetes-Früherkennung bei Jugendlichen entwickelt wurde. Übergewicht und die bei rund einem Drittel ausgeprägte genetische Veranlagung fördern die Entwicklung der Zuckerkrankheit. Bisher fehlt es jeodch sowohl an Aufklärung als auch an Diagnosewerkzeugen für diese Altergruppen.
Übergewichtiger Jugendlicher

Übergewichtiger Jugendlicher

Altersdiabetes ist eine der beiden Hauptformen von Diabetes und tritt normalerweise, wie der Name schon sagt, erst im Alter auf. Umso kurioser ist es, dass es heutzutage immer mehr "jugendliche Altersdiabetiker" gibt und die Medizin folgende Prognose abgibt: Klassische AltersdiabetikerInnen werden in der Zukunft nicht mehr um die 50, sondern um die 15 Jahre alt sein. Damit steht eine dramatische Entwicklung bevor, die insbesondere auf Übergewicht und Fettleibigkeit bei Jugendlichen zurückzuführen ist. Die Lösung, um das Problem in den Griff zu bekommen, wäre eine frühzeitige Diabetesvorsorge - doch diese ist für Jugendliche bislang kaum vorhanden.

Aus diesem Grund hat sich ein Projekt des Instituts für Gesundheitswissenschaften der Fachhochschule St. Pölten gemeinsam mit Partnerschulen dem Thema Diabetes bei Jugendlichen angenommen. Grundlage für die wissenschaftlichen Untersuchungen bildet unter anderem eine Befragung, in deren erster Phase über 300 Schüler und Schülerinnen untersucht und befragt wurden, Daten von 178 Teilnehmern waren verwertbar. In der Studie wird nicht nur das Diabetesrisiko der Teenager erstmals umfassend untersucht, sondern auch ein neues Screening-Tool für Jugendliche entwickelt. Am Programm stehen zusätzlich akute Maßnahmen, bei denen Jugendliche Gleichaltrige über die Gefahr der Zuckerkrankheit aufklären.

Alarmstufe „Rot“. Fett und Übergewicht


Bei der Diabetes-Risikobewertung von Jugendlichen spielen verschiedene Parameter eine wichtige Rolle, wie Projektleiterin Daniela Wewerka-Kreimel, MBA, ausführt: "Vor allem übergewichtige Jugendliche laufen Gefahr an Diabetes mellitus Typ 2, also dem so genannten Altersdiabetes, der ja keiner mehr ist - zu erkranken. Besonders laut klingeln die Alarmglocken bei einer übermäßigen Fettansammlung am Bauch. Unsere Pilotstudie hat ausgehend vom Taillenumfang gezeigt, dass rund acht Prozent der Schüler und Schülerinnen fettleibig sind. Gleichzeitig empfinden sich jedoch nur etwas mehr als ein Prozent der Mädchen und Burschen selbst als dick."


Genetische Veranlagung bei knapp einem Drittel


Neben Übergewicht spielen auch genetische Faktoren eine wichtige Rolle - also ob in der näheren Verwandtschaft jemand an Diabetes erkrankt ist. Aus der Gruppe der übergewichtigen Teenies trifft dies auf 34 Prozent der männlichen und 27 Prozent der weiblichen Jugendlichen zu. "Ist beispielsweise
der Vater oder die Mutter an Diabetes erkrankt, so besteht für das jugendliche Kind ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko selbst zu erkranken", so Wewerka-Kreimel. Damit zählen insbesondere diese Jugendlichen für die ForscherInnen klar zur Diabetes-Hochrisikogruppe - die Teenies selbst sind sich der Gefahr jedoch kaum bewusst.

Umso größer ist die Herausforderung für den Gesundheitsbereich, gefährdete Jugendliche zu identifizieren, wie Wewerka-Kreimel ausführt: "Mit FINDRISK - dem Risiko-Fragebogen der Deutschen Diabetes-Stiftung - besteht zwar bereits ein einfaches und kostengünstiges Screening-Instrument - dieses ist jedoch nur auf Erwachsene, nicht aber auf Jugendliche zugeschnitten. Denn hier
wird z. B. neben dem Taillenumfang auch mit dem Body-Mass-Index gerechnet, der jedoch das Längenwachstum in der Pubertät nicht berücksichtigt und absolut verzerrte Ergebnisse liefert. Daher ist es das Ziel unseres aktuellen Projektes nun auch ein wissenschaftlich fundiertes Screening-Instrument für Jugendliche zu entwickeln. Mit diesem wird ganz ohne laborchemische Tests auf der Basis von Fragen das individuelle Diabetesrisiko von Jugendlichen ermittelt."

Dem Projekt-Team der FH St. Pölten ist ein Anliegen, nicht nur wissenschaftliche Daten zu generieren, sondern auch unmittelbar Aufklärung zu leisten. So findet an Schulen im Raum St. Pölten einmal im Jahr ein Diabetes-Projekttag statt. Dabei geben im Rahmen eines Peer-to-Peer Verfahrens Studierende der FH St. Pölten ihr Wissen rund um Diabetes, gesunde Ernährung und Bewegung an SchülerInnen und Lehrlinge weiter. So werden die Jugendlichen bereits jetzt - und in Folge auch durch das Teenie-
Screening-Tool - für die Volkskrankheit Diabetes sensibilisiert, damit diese aufgrund von Diabetes nicht ganz früh alt enden.
(Fachhochschule St. Pölten, 21.07.2010 - NPO)
 
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