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Montag, 23.01.2017
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Wie Fichte und Co. die Eiszeit überlebten

Genetik liefert neue Sicht der Baumartenrückwanderung nach der Eiszeit

Die Wiederbesiedelung des Alpenraums nach der letzten Eiszeit durch Bäume lief anders ab als bisher angenommen. Statt aus den wärmeren Refugien am Mittelmeer einzuwandern, hatten einige Baumarten, darunter die Fichte, die Kälteperiode nötrdlich der Lapen überdauert. Das zeigen neuen molekulargenetische Vergleichsstudien. Die Rekonstrukion gibt auch Hinweise darauf, ob und wie sich die Bäume an den aktuellen Klimawandel anpassen können.
Die Fichte besiedelte die Alpen nach der Eiszeit vor allem von Osten her.

Die Fichte besiedelte die Alpen nach der Eiszeit vor allem von Osten her.

Vor gut 18.000 Jahren war der Alpenraum noch fast komplett von Gletschern bedeckt. Das umgebende Tiefland entsprach weitgehend einer Kältesteppe mit zumeist krautiger Vegetation. Nur an klimatisch begünstigten Stellen überdauerten Reste von Wäldern und kleine Baumgruppen. Als es wärmer wurde, breiteten sich die Baumarten wieder in die Alpen aus. Doch woher kamen sie? Bis vor wenigen Jahren vermutete man, dass die heute in der Alpenregion vorkommenden Baumarten hauptsächlich durch Populationen wiederbesiedelt wurden, die in Spanien, Italien und auf dem Balkan sowie in den Karpaten die Eiszeit überlebt hatten.

Alte Wanderungesmodelle nicht mehr korrekt


Man nahm an, dass die Alpen als Barriere wirkten und die meisten Baumarten auf Umwegen in nördlichere Regionen vorgedrungen waren. Allerdings wurde die Vegetationsgeschichte lange Zeit
vor allem aufgrund fossiler Pollenfunde rekonstruiert. Heute erm öglichen molekulargenetische Methoden eine genauere Sicht der Rückwanderung von Baumarten im Alpenraum. Dies haben sich Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) zu Nutze gemacht und nun das Wissen zur Rückwanderungsgeschichte zusammengetragen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die bisherige Vorstellung teilweise korrigiert werden muss. Entgegen den alten Modellen waren die weit im Süden liegenden Refugien für die Wiederbesiedlung der Alpen nach der letzten Eiszeit offenbar von geringer Bedeutung. Stattdessen gilt es als gesichert, dass mehrere Baumarten auch in weit nördlicheren Gebieten die Eiszeit überlebten, zum Beispiel am östlichen und westlichen Rand des Alpenbogens. Es gibt auch Hinweise darauf, dass sich Populationen nördlich der Alpen aufrechterhalten konnten, beispielsweise im Böhmischen Massiv.


Fichte überdauerte in den Ostalpen


Aus den genetischen Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Beständen einzelner Baumarten schließen die Forscher, dass die heute in der Schweiz heimischen Buchen und Fichten hauptsächlich aus Rückzugsgebieten am Ostalpenrand stammen. Mit der Erwärmung des Klimas besiedelten sie von dort aus die zentralen Alpenregionen. Die Untersuchungen ergaben, dass bei der sehr genau untersuchten Fichte während der Wanderung genetische Vielfalt verloren ging: Bäume in den Westalpen waren genetisch deutlich weniger vielfältig als ihre Verwandten in den Ostalpen.

Eiche überquerte den Simplonpass


Die Eiche hat die Schweiz auf verschiedenen Wegen besiedelt: vom Osten her aus den an der Adriaküste liegenden Dinarischen Alpen, vom Westen her aus den französischen Seealpen und aus Italien. Neu wird angenommen, dass italienische Eichen die Alpen überquerten, vermutlich im Gebiet des Simplonpasses. Die Samen von Eichen müssen dabei durch Vögel ins Wallis gelangt sein. Die
Weisstanne gibt der Forschung weiterhin Rätsel auf. Die heutigen in der Schweiz vorkommenden Populationen sind offensichtlich mit solchen aus den Westalpen und dem nördlichen Apennin verwandt.

Klimawandel - zu schnell für Baumwanderung?


Aufgrund der aus den genetischen Studien gewonnenen Erkenntnisse ist davon auszugehen, dass die einzelnen Baumarten deutlich langsamer in neue Gebiete vorstießen als bisher angenommen. Diese Erkenntnis ist im Hinblick auf den derzeitigen Klimawandel von Bedeutung. Die Wanderungsgeschwindigkeiten der Bäume dürften wahrscheinlich nicht ausreichen, um schnell genug in Gebiete vorzustoßen, die für sie klimatisch geeignet sind. Es ist auch denkbar, dass sich Baumpopulationen an neue klimatische Verhältnisse anpassen. Hierzu braucht es jedoch noch vertiefte genetische Studien, um verlässliche Voraussagen machen zu können.
(Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, 21.07.2010 - NPO)
 
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