Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 11.02.2012
Urzeitliches Beuteltier-Massengrab entdeckt
Kalksteinhöhle in Australien erweist sich als Glücksfund für Paläontologen
Im australischen Queensland haben Forscher eine Kalksteinhöhle entdeckt, auf deren Boden sich unter anderem hunderte Schädel und Knochen des ausgestorbenen Beuteltiers Nimbadon fanden. Die 15 Millionen Jahre alten Knochen ermöglichten erstmals eine Rekonstruktion der gesamten Entwicklung vom Baby bis zum Adulten und zeigen, dass diese damals schon so ablief wie bei den heutigen Beuteltieren.

Schädel des Nimbadon lavarackorum in unterschiedlichen Stadien
Schädel des Nimbadon lavarackorum in unterschiedlichen Stadien
© Karen Black, UNSW Schädel des Nimbadon lavarackorum in unterschiedlichen Stadien
Das Riversleigh-Gebiet im Nordwesten von Queensland gilt als eine der wichtigsten Fossilfundstätten Australiens und ist von der UNESCO als Welterbestätte eingestuft. Der von Höhlen durchzogene Kalkstein ist besonders reich an Relikten aus der Zeit vor rund 15 Millionen Jahren, als sich der einstige Regenwald allmählich in Grasland umwandelte. Jetzt haben Forscher der Universität von New South Wales hier erneut einen sensationellen Fund gemacht. In einer Höhle stießen sie auf außergewöhnlich gut erhaltene Knochen verschiedenster Beuteltiere, darunter Kängurus, Beuteldachse, Fledermäuse und Beutelwölfen.

Schädel aller Altersstufen auf einem Haufen
Am sensationellsten jedoch waren Knochen des pflanzenfressenden Beuteltieres Nimbadon lavarackorum. Von diesem rund schafsgroßen Vertreter der Marsupialia entdeckten die Forscher gleich hunderte Knochen und Schädel von Individuen verschiedenster Altersklassen. Aus Vergleichen von 26 bisher freigelegten Individuen unterschiedlichen Alters konnten die Wissenschaftler erstmals rekonstruieren, wie sich die Nimbadons entwickelten.

Jugendentwicklung rekonstruiert
„Dies ist ein fantastischer und unglaublich seltener Fund“, erklärt Karen Black, Leiterin des Ausgrabungsteams. „Der ungewöhnlich gute Erhaltungszustand der Fossilien hat es uns erlaubt, Wachstum und Entwicklung von Nimbadon vom Baby bis zu erwachsenen nachzuvollziehen. Bisher sind 26 Schädel – im Alter vom im Beutel saugenden Jungen über Jungtiere bis zu älteren Adulten – geborgen worden.“

Wertvolle Hinweise zur Schädelentwicklung
Wertvolle Hinweise zur Schädelentwicklung
© Karen Black, UNSW Wertvolle Hinweise zur Schädelentwicklung
Die vergleichenden Studien zeigen, dass auch die urzeitlichen Beuteltierbabies schon so entwickelten wie ihre Nachfahren heute: Sie wurden nur einen Monat nach der Befruchtung unreif geboren und vollendeten ihre Entwicklung im Beutel der Mutter. Außerdem zeigen die Schädel, dass die Vorderfront des Kopfes bei den Säuglingen als erstes wuchs und erhärtete – vermutlich um beim Saugen genügend Stabilität zu bieten. Später, in dem Alter, in dem die Jungtiere schon erste Blätter fraßen, verknöcherte und wuchs auch der Rest des Kopfes. Es bildeten sich vor allem große Hohlräume und Bögen aus, die den kräftigen Kaumuskeln gute Ansatzstellen boten.

Höhleneingang als Todesfalle
Offenbar war vor gut 15 Millionen Jahren eine ganze Herde Nimbadons in die Höhle geraten und zu Tode gestürzt. „Sie sind vermutlich durch einen vertikalen Höhleneingang, der von Vegetation verdeckt war und wie eine natürliche Falle wirkte, abgestürzt“, so Black. „Diese Tiere – darunter auch Mütter die ihre Jungen im Beutel mit sich trugen – starben entweder direkt beim Aufprall oder aber überlebten und waren dann in der Höhle gefangen ohne fliehen zu können.“ Aus der Tatsache, dass gleich so viele Tiere auf einmal starben, schließen die Forscher, dass die Nimbadons, ähnlich wie viele heutige Weidegänger, in Familienverbänden oder sogar größeren Gruppen zusammenlebten.

Noch haben die Wissenschaftler erst einen Bruchteil der noch in der Höhle verborgenen Fossilien ausgegraben. „Wir haben wortwörtlich gerade erst die Oberfläche angekratzt, tausende weitere Knochen sind noch in tieferen Schichten der Lagerstätte vergraben“, so Black.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Beuteltiere, Australien, Fossilien, Entwicklungsstadium, Schädel, Marsupialia, Höhle, Kalkstein, Paläontologie, Biologie, Nimbadon, Oligozän, Knochen
Weitere News zum Thema
Genetischer Parasit ermöglichte moderne Säugetier-Schwangerschaft (26.09.2011)
Mobile DNA-Stücke veränderten einst die Genregulation in der Gebärmutter
Beutelwolf war kein "Schafstöter" (02.09.2011)
Kiefer des ausgestorbene Beutel-Raubtiers war zu schwach für die Schafsjagd
Strauße schlummern wie Schnabeltiere (29.08.2011)
Untersuchungen bei Straußen liefern neue Erkenntnisse über die Evolution des Schlafes
"Ur-Oma" aller höheren Säugetiere entdeckt (26.08.2011)
In China entdecktes Fossil belegt Trennung von den Beuteltieren schon vor 160 Millionen Jahren
Rüsselspringer stehen auf klebrige Snacks (17.11.2010)
Tiere laben sich am Nektar von Lilien und bestäuben diese
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Beuteltiere
Fossilien
Dossiers zum Thema
Huckepack „Down under“
Beuteltiere in Australien
Unfälle der Evolution
...oder doch geniale Anpassungsstrategien?
Kalk
Über eine ungewöhnliche Allianz aus Wasser und Stein
Lebende Fossilien
Überlebenskünstler oder Auslaufmodelle der Evolution?
Maskenball im Tierreich
Tarnen und Täuschen als Überlebensstrategie
Von Urpferden und Flugmäusen
Die Ausgrabungen in Messel und Stöffel
Jurassic Garden
Entdeckungsreise in ein Europa lange vor unserer Zeit...
News des Tages
Archäologen finden Königsgrab der Maya
Allergie-schützender Stoff im Stallstaub identifiziert
Aids-Konferenz: Prävention als Schlüsselfaktor
Urzeitliches Beuteltier-Massengrab entdeckt
Durchbruch bei Dünnfilm-Solarzellen
Schmelzende DNA wird zum Barcode
Holz-Pilz-Genom entschlüsselt
Bücher zum Thema
Fossilien
Über 500 Versteinerungen von Helmut Mayr und Franz Höck
Reisen durch die Zeit
Die atemberaubende Entwicklungsgeschichte unseres Planeten
Die Geschichte des Lebens auf der Erde
Vier Milliarden Jahre von Douglas Palmer
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Jeder Vierte stirbt an Krebs
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes