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Donnerstag, 17.08.2017
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„Insulin“ aus dem Gemüsebeet

Bittergurke senkt den Blutzuckerspiegel und wirkt gewichtsreduzierend

Die in den Tropen als Gemüse genutzte Bittergurke gilt auch als altes Heilmittel. Dass ihre Inhaltsstoffe tatsächlich wirken, haben jetzt Versuche an Mäusen bestätigt. Demnach wirken die in der Bittergurke enthaltenen Lipide blutzuckersenkend, die Saponine gewichtssenkend. Wissenschaftler wollen nun verschiedene Bittergurkensorten auf ihre Diabeteswirksamkeit testen und das medizinische Potenzial des Gemüses durch Anbaumethoden steigern.
Bittergurke Momordica charantia

Bittergurke Momordica charantia

Diabetes ist nicht nur bei uns, sondern auch in vielen Entwicklungsländern weit verbreitet. Wirksame Medikamente können sich dort allerdings nur die Wohlhabenden leisten. Ein altes Heilmittel, das in der ayurvedischen Medizin zur Linderung von Diabetes eingesetzt wird, könnte in Zukunft eine große Rolle spielen. Professor Michael Krawinkel von der Universität Gießen hat daher die Bittergurke, Momordica charantia, genauer unter die Lupe genommen. Die auch als Bittermelone bekannte Frucht aus der Familie der Kürbisgewächse ist in vielen tropischen Ländern als Gemüse beliebt, kann aber bei Überdosierung Bauchschmerzen auslösen.

Inhaltsstoffe einzeln getestet


Um die antidiabetische Wirkung verschiedener Fraktionen beurteilen zu können, verfütterte der Forscher die Bittergurke nicht als ganzes an Mäuse, sondern nur ihre wichtigsten Bestandteile. Dabei handelt es sich um die Lipid-, die Saponin- und die hydrophile Fraktion. „Wir untersuchten mit Mäusen, die das Zuckerkrankheitsgen in sich tragen, ob und wie sich das Verfüttern von Bittergurke auswirkt. Bereits nach fünf Wochen zeigten sich deutliche Ergebnisse. Die Mäuse, denen wir Bittergurke fütterten, haben weniger zugenommen als die Kontrollgruppe und hatten auch einen niedrigeren Blutzuckerspiegel.“

Blutzuckerspiegel um 15 Prozent gesenkt


Die Saponine wirkten vor allem gewichtssenkend, die Lipide senkten den Blutzuckerspiegel. Und zwar im Schnitt um 15 Prozent. „Das ist vor allem wichtig, um Spätschäden durch Diabetes zu vermeiden“, so Krawinkel. „Außerdem eignet sich die Bittergurke hervorragend zur vorbeugenden Behandlung.“


Krawinkel arbeitete bei seinen Versuchen mit der Bittergurke eng mit dem Internationalen Gemüseforschungszentrum AVRDC in Taiwan zusammen.Von dort erhielt er auch die getesteten Sorten. Insgesamt hat das AVRDC in seiner Genbank etwa hundert verschiedene Bittergurkensorten, die jetzt in einem zweiten Schritt auf ihre „Diabeteswirksamkeit“ untersucht werden sollen.

Weitere Versuche nötig


Gleichzeitig wollen die Forscher auch herausfinden, mit welchen Anbautechniken die Wirkung am besten unterstützt werden kann, um so das natürliche Potenzial der infrage kommenden Sorten zu steigern und ein echtes diätetisches Lebensmittel auf den Feldern der Bauern wachsen zu lassen. Außerdem braucht es fundierte Ernährungskonzepte, denn wie bei jedem anderen Medikament ist auch hier die Dosis wichtig. „Bisher gibt es eine Menge Informationen, die aber nicht genau sind. So wird in der Literatur beispielsweise auch von Fällen berichtet, in denen Kinder zu Schaden gekommen sind, weil die Bittergurken-Dosis überhöht war.“

Noch sind viele Fragen offen, so zum Beispiel, ob der Bitterstoff weggezüchtet werden kann, ohne die Wirksamkeit zunichte zu machen. Oder ob die Bittergurke besser als Salat oder als gekochtes Gemüse gegessen werden muss, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Die Bittergurke wächst nicht nur in tropischen und subtropischen Breitengraden, sondern auch bei uns in Mitteleuropa.
(Netzwerke und Wissensmanagement für die ländliche Entwicklung / Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), 29.06.2010 - NPO)
 
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