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Montag, 25.09.2017
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Schärfer als Hubble

Large Binocular Telescope liefert bessere Bilder als das Weltraumteleskop

Eine neue Technik am Large Binocular Telescope (LBT) auf dem Mount Graham in Arizona hat Astronomen eine bisher unerreichte Bildqualität im Nah-Infrarot beschert. Die ersten Aufnahmen mit dem neuen System übertreffen nach Angaben des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg sogar die Qualität des Hubble-Weltraumteleskops.
Beweglicher Sekundärspiegel

Beweglicher Sekundärspiegel

Bis vor Kurzem war die Bildschärfe erdgebundener Teleskope durch die Turbulenzen in der Atmosphäre massiv eingeschränkt. Denn solche Störungen „verschmieren“ die Bilder von Sternen und Galaxien erheblich und liefern unscharfe Abbildungen. Daher ist das im Weltraum operierende Hubble-Teleskop sogar einem Riesenfernrohr am Erdboden deutlich überlegen. Dank der Fortschritte in der Adaptiven Optik (AO) - einer Technik zur Korrektur der atmosphärischen Störungen - hat sich die Bildschärfe irdischer Großteleskope in den vergangenen Jahren aber stetig verbessert.

Das größte optische Einzelteleskop der Welt


Auch das LBT - mit seinen beiden Spiegeln von je 8,4 Metern Durchmesser das größte optische Einzelteleskop der Welt - wurde mit einem solchen System ausgestattet. Schon bei den ersten Tests erreichte diese First Light Adaptive Optics (FLAO) eine Bildschärfe, die jene des Hubble-Weltraumteleskops um einen Faktor 3 übertrifft. Dabei wurde nur einer der beiden 8,4-Meter-Spiegel eingesetzt. Wenn die Optik eines Tages an beiden großen Spiegeln läuft und perfekt kombiniert wird, erwarten Astronomen eine Schärfe, die um den Faktor 10 besser ist als bei Hubble.

„Mit dem AO-System sind wir auf dem besten Weg, unser Fernrohr zum leistungsstärksten optischen Teleskop der Welt zu machen“, sagt Richard Green, der Direktor des LBT. „Die erfolgreichen Ergebnisse zeigen, welches Potenzial im Large Binocular Telescope steckt.“


Und Jesper Storm vom Astrophysikalischen Institut Potsdam (AIP) ergänzt: „Es ist wunderbar zu sehen, dass die Vorbereitungsarbeit erfolgreich war und das Teleskop nun Bilder liefert, die drei Mal schärfer sind als die des Hubble Space Teleskops."

Doppelsternsystem

Doppelsternsystem

Nah an der theoretisch möglichen Perfektion


Ein Maß zur Beurteilung der Bildqualität eines optischen Systems ist das so genannte Strehl-Verhältnis: Ein Wert von 100 Prozent steht für eine perfekte Abbildung, die nur noch durch das theoretische Auflösungsvermögen des Fernrohres beschränkt wird. Werte unter 100 Prozent bedeuten, dass das Licht eines punktförmigen Sterns in einem Bild auf eine größere Fläche verteilt wird und die Abbildung deshalb unschärfer ist.

Ohne Adaptive Optik liegen die Werte lediglich bei einem Prozent, bisherige AO-Systeme konnten im nah-infraroten Spektralbereich immerhin 30 bis 50 Prozent erzielen. Bei Testbeobachtungen haben die Astronomen am LBT einen Strehl-Wert von 84 Prozent erreicht - extrem nah an der theoretisch möglichen Perfektion und bisher unerreichbar.
(MPG/Astrophysikalisches Institut Potsdam (AIP), 17.06.2010 - DLO)
 
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