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Samstag, 25.03.2017
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Ölpest gefährdet Kaltwasserkorallen

Schwebende Öltröpfchen verseuchen Korallennahrung

Das Öl im Golf von Mexiko verseucht nicht nur Meeresoberfläche und Küsten, auch vielen wertvollen Tiefsee-Ökosystemen droht die Vernichtung. Denn die feinen im Wasser verteilten Öltröpfchen kontaminieren die Nahrung der Kaltwasserkorallen und könnten so ganze Riffe ausrotten. Meeresforscher warnen vor schweren Schäden für Meeresökosysteme und auch viele kommerzielle Fischarten.
Kaltwasserkorallen

Kaltwasserkorallen

Noch immer treten im Golf von Mexiko jeden Tag mehrere hundertausende Liter Öl aus der gekappten Steigleitung des „Deepwater Horizon“-Bohrlochs aus. Das seit rund sechs Wochen aus rund 1.500 Metern Tiefe aufsteigende Öl richtet jedoch nicht nur an der Meeresoberfläche und den umliegenden Küsten schwere Umweltschäden an. Auch in der Tiefe könnten die Folgen schwerer sein als angenommen. Denn das stark geschichtete Wasser des Golfs verlangsamt und hemmt den Aufstieg des Öls, die anfangs zugesetzten chemischen Lösungsmittel verstärken diesen Effekt zusätzlich. Sie verteilen das Öl in winzige Tröpfchen, die lange Zeit in der Wassersäule schweben bleiben.

Wissenschaftler der Universität von Miami haben nun eindringlich vor den Folgen dieser schwebenden Öllachen für die marinen Ökosysteme gewarnt. Ihre Untersuchungen zeigen, dass nicht nur planktische Organismen gefährdet sind, sondern auch die Lebensgemeinschaften der Kaltwasserkorallen, Korallenformen, die im kalten Tiefenwasser des Golfs von Mexiko gedeihen.

Kontamination der Nahrung durch schwebende Öllachen


„Die Tiefseegemeinschaften im Golf von Mexiko und in den Meerengen von Florida umfassen viele Arten von Kaltwasserkorallen, die in Wassertiefen von 600 bis 1.500 Metern bei Temperaturen von nur 3°C leben“, erklärt Gregor Eberli. „Im Gegensatz zu ihren bekannteren Gegenstücken im flacheren Wasser leben diese Korallen nicht in Symbiose mit einzelligen Algen, sondern ernähren sich von organischer Materie, die in der Wassersäule schwebt. Wir wissen, dass der größte Teil dieser Nahrung aus Oberflächengewässern stammt, von wo er bis zu den Kaltwasserkorallen hinunter sinkt.“


Doch genau das ist das Problem: Denn die großen Öllachen, einige von ihnen mehrere Kilometer lang, liegen genau zwischen dieser Nahrungsquelle und den Tiefseekorallen. Während das organische Material in die Tiefe sinkt, durchquert es die von Öltröpfchen verseuchten Bereiche und wird kontaminiert.

Im Wasser schwebende Öllachen verseuchen Nahrungsketten

Im Wasser schwebende Öllachen verseuchen Nahrungsketten

Strömungen transportieren Öl zu Korallengebieten


„Es ist sehr wahrscheinlich, dass die sensiblen Kaltwasserkorallen diese ölbeladenen Nahrungspartikel nicht verdauen können und deshalb in großer Anzahl zugrunde gehen werden“, so Eberli. „Wir sind besonders besorgt, weil Strömungen diese Öllachen dorthin tragen, wo sie Gemeinschaften der Tiefseekorallen zerstören oder stark schädigen können. Diese Korallen sind wichtig, da sie das Fundament eines reichen Ökosystems bilden, das mindestens 1.300 marine Arten umfasst.“

Kaltwasserkorallen-Ökosysteme finden sich in vielen Stellen im östlichen Golf von Mexiko, in den Meerengen von Florida und nordwärts Richtung North Carolina. Diese Gebiete liegen genau in Strömungsrichtung der Strömungsschleife, die warmes Wasser aus dem Golf von Mexiko entlang der Ostküste Floridas in den Golfstrom transportiert.

Kinderstuben vieler Fischarten gefährdet


Besonders gefährdet wären auch viele Arten von Tiefseefischen, die in den Korallenriffen vor der Küste Floridas ihre Kinderstube haben. Wegen ihrer späten Reife, langsamen Wachstums und geringen Vermehrungsrate könnten ihre Bestände langfristigen Schaden nehmen. Auch die für die Fischerei wichtigen Fischarten Red Snapper, Zackenbarsch und Stachelmakrele leben in den gefährdeten Gebieten.

Bisher gibt es keine bekannte Methode, mit der die schwebenden Öltröpfchen wieder aus dem Wasser entfernt werden können. Zwar sinken sie im Laufe der Zeit allmählich Richtung Meeresboden, doch während dieser gesamten Periode, die Monate dauern kann, bilden sie eine tödliche Gefahr für die Lebenswelt der Kaltwasserkorallen-Gebiete.

Special zur Ölkatastrophe der "Deepwater Horizon".
(University of Miami, 08.06.2010 - NPO)
 
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