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Mittwoch, 29.06.2016
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Fossilfunde lösen Rätsel um „Urzeit-Gürteltiere“

Erstmals vollständige Skelette des Aetosauriers Typothorax gefunden

Sie glichen gepanzerten Riesengürteltieren, doch viel mehr war von den vor mehr als 200 Millionen Jahren lebenden Aetosauriern bisher nicht bekannt. Jetzt haben Wissenschaftler in New Mexico erstmals zwei nahezu vollständige Skelette des Aetosaurus Typothorax entdeckt und damit ganz neue Einblicke in die Welt dieser Urzeit-Reptilien gewonnen. So entpuppten sich diese unter anderem als die Urheber von weltweit bekannten, aber bisher nicht zugeordneten Fußspuren.
Typothorax

Typothorax

Die Reptilien aus der Gruppe der Aetosaurier waren die dominierenden großen Pflanzenfresser im Späten Trias, der Ära vor 230 bis 200 Millionen Jahren, als sich die ersten Dinosaurier gerade erst entwickelten. Ähnlich übergroßen Gürteltieren waren die Aetosaurier durch einen Panzer aus sich überlappenden Knochenplatten geschützt, einige Arten trugen zudem noch massive Hörner und Knochenspitzen am Nackenpanzer als Schutz vor Prädatoren. Fragmente dieser charakteristischen Panzerung sind unter anderem in Deutschland, den USA oder Schottland gefunden worden. Komplette Fossilien waren bisher jedoch eine absolute Rarität. Von der Art Typothorax gab es bisher kein einziges vollständiges Skelett. Entsprechend lückenhaft ist das Wissen über diese Tiere.

Neue Funde widerlegen alte Vorstellungen


Jetzt haben Wissenschaftler in den „Badlands“ von New Mexico erstmals zwei gut erhaltene und nahezu vollständige Exemplare von Typothorax entdeckt und in jahrelanger Arbeit aufbereitet und analysiert. Sie geben erstmals einen tieferen Einblick in Anatomie und Lebensweise der bisher so rätselhaften Tiere, die beim Massenaussterben am Ende des Trias von der Erde verschwanden.

„Wir wissen nun, dass einige zuvor bestehende Vorstellungen über diese Tiere falsch waren”, erklärt Andy Heckert, Professor für Geologie an der Appalachian State Universität. „Zum ersten Mal erhalten wir eine realistische Schätzung der Größe dieser Tiere, mit nur 2,5 Metern Länge und rund 100 Kilogramm Gewicht sind sie bei weitem nicht so viel wie wir bisher dachten. Wir wissen jetzt auch, dass einige der Knochenspitzen, von denen wir annahmen, dass sie sich entlang der Panzerränder nach hinten ziehen, tatsächlich nur die Kloake umgaben.“


„Kombination von Gürteltier und Krokodil“


Die neuen Funde zeigen, dass der Körper von Typothorax nicht nur am Rücken, sondern komplett gepanzert war, selbst die Beine und Füße waren von winzigen Knochenschuppen bedeckt. Die Vorderbeine scheinen ähnlich der der heutigen Krokodile seitlich am Körper anzusetzen, die Hinterbeine waren dagegen deutlich länger und aufrecht. „Ein sehr interessantes Merkmal ist, dass die Vorderhälfte des Skeletts so zierlich ist, dass wir es vermutlich einem Jungtier zugeordnet hätten, wenn es nicht mit dem Rest verbunden gewesen wäre“, so Heckert.

Der Paläontologe beschreibt den ersten Eindruck als den „eines Tieres, das von einem Komitee aus einem Krokodil und einem Gürteltier zusammengebaut wurde.“ Aus den kurzen, dicken Hälsen, kurzschnäuzigen Schädeln und kleinen, blattförmigen Zähnen der Aetosaurier schließen die Paläontologen, dass sich die Tiere möglicherweise von sukkulenten Wurzeln ernährten, die sie durch Wühlen im Boden ausgruben.

Forscher bei der Entdeckung Typothorax-Skeletts

Forscher bei der Entdeckung Typothorax-Skeletts

Weltweit gefundene Spuren entpuppen sich als Aetosaurus-Abdrücke


Auch neue Einblicke in die Bewegungsweise der Tiere erhielten die Paläontologen aus den Fossilien. Denn normalerweise sind gerade Füße nur selten vollständig erhalten, so dass ein Abgleich mit konservierten Fußspuren selten möglich ist. Doch die außerordentlich gut erhaltenen Füße der jetzt entdeckten Skelette enthüllten Überraschendes: Die bisher als Brachychirotherium bekannten Fußspuren, von denen verschiedenste Formen rund um die Welt entdeckt worden sind, stammen fast sicher von einem Aetosaurier. „Brachychirotherium Spuren zeigen eine fast perfekte Übereinstimmung mit den Knochen im Aetosaurierfuß“, erklärt Spencer Lucas, Kurator am New Mexico Museum of Natural History. Die Ergebnisse der neuen Fossilauswertungen sind jetzt in der Fachzeitschrift „Journal of Vertebrate Paleontology“ erschienen.
(Society of Vertebrate Paleontology, 02.06.2010 - NPO)