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Freitag, 01.07.2016
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Amerikas Nordwesten droht ein Starkbeben

Geologe ermittelt Wahrscheinlichkeit von 37 Prozent in den nächsten 50 Jahren

Ein verheerendes Starkbeben vergleichbar dem Chilebeben oder dem Beben von Haiti Anfang dieses Jahres könnte schon in den nächsten 50 Jahren den pazifischen Nordwesten Amerikas treffen. Geologen haben die seismische Vergangenheit der dort verlaufenden Cascadia-Verwerfung neu untersucht und dabei eine 37-prozentige Wahrscheinlichkeit für ein Starkbeben der Magnitude 9 in den nächsten 50 Jahren ermittelt.
Cascadia-Zone im Nordwesten der USA

Cascadia-Zone im Nordwesten der USA

Die Cascadia Subduktionszone im Nordwesten des amerikanischen Kontinents gilt als Erdbebenerzeuger der Megaklasse. Denn wenn es hier kracht, dann richtig: 41 Beben der Magnitude 8,2 und höher ereigneten sich allein in den letzten 10.000 Jahren an dieser Plattengrenze, in der gleich mehrere ozeanische Platten an die Nordamerikanische Krustenplatte stoßen. Das letzte große Beben fand im Januar 1700 statt und schickte einen Tsunami quer über den Pazifik, der noch in Japan neun Meter hohe Wellen verursachte. Eigentlich dachten Seismologen bisher, dass ein solches Starkbeben in der von Vancouver Island bis Nordkalifornien reichenden Cascadia-Zone nur alle 500 Jahre fällig sei, doch wie sich jetzt herausstellt, könnten sie sich geirrt haben.

Meeressediment als Erdbebenanzeiger


Neue Analysen des Meeresgeologen Chris Goldfinger und seiner Kollegen von der Oregon State Universität haben neue Einblicke in die seismische Geschichte des amerikanischen Nordwestens eröffnet, die auf eine sehr viel komplexere Geologie hindeuten. Wichtige Indizien dafür fanden die Forscher hunderte von Metern unter der Meeresoberfläche, in den Tiefseecanyons des nordamerikanischen Kontinentrands. Wenn ein größeres Erdbeben entlang der Küste geschieht, rutschen große Mengen Sand und Geröll diese Untersee-Schluchten hinunter und bilden charakteristische Ablagerungen am Meeresgrund. Durch ihre gröbere Struktur lassen sie sich gut von den feineren Sedimenten der normalen, erdbebenfreien Zeiten unterscheiden.

Segmente unterschiedlicher Bebenaktivität


Durch Datierung der Erdbeben-Ablagerungen in verschiedenen Bereichen entlang der Subduktionszone konnten die Geologen nun mit hoher Genauigkeit bestimmen, wann sich größere Beben ereigneten und wo. Dabei zeigte sich auch, dass bisherige Vorstellungen zum Aufbau der tektonischen Störung ungenau sind. „Wir haben festgestellt, dass Cascadia in Bezug auf Erdbeben nicht eine große Subduktionszone ist, sondern aus mehreren Segmenten – mindestens vier – besteht“, erklärt Goldfinger. „Die Erdbebenaktivität ist unterschiedlich, je nachdem wo ein Beben seinen Ursprung hat.“


„Die stärksten Erdbeben ereignen sich im Norden und lassen normalerweise die gesamte Verwerfung brechen. Dabei handelt es sich um Starkbeben der Magnitude 9, die aber nicht so häufig auftreten“, so der Geologe weiter. „Am südlichen Ende der Störung sind die Erdbeben dagegen etwas schwächer aber dafür häufiger. Es handelt sich aber immer noch um Ereignisse der Magnitude 8 oder sogar höher, was dem Erdbeben von Chile entspricht – das Zerstörungspotenzial ist daher sehr real.“

Erdbeben-Häufungen zu bestimmten Zeiten


Auch die zeitliche Abfolge der Beben entlang der Cascadia-Zone ist weitaus weniger linear als vermutet. Im nördlichen Teil entdeckten die Forscher eine Clusterbildung: Manchmal vergingen rund 1.000 Jahre ohne Beben, dann wieder gab es Phasen, in denen eines alle 250 Jahre auftrat. „Wir beginnen gerade erst, die ganze Idee der Cluster zu verstehen und es gibt noch keinen Konsens darüber, ob wir uns zurzeit in einem solchen Cluster befinden oder nicht“, so Goldfinger. „Aber die Möglichkeit besteht, was darauf hindeutet, dass wir ein größeres Erdbeben eher früher als später erleben werden.“

37-prozentiges Risiko für Starkbeben im Südteil


Basierend auf den neuen Daten schätzten die Geologen das Risiko für ein Starkbeben in näherer Zukunft neu ein. Demnach besteht für das südliche Ende der Subduktionszone – ewa von Newport in Oregon bis nach Nordkalifornien hinunter - sogar eine 37 Prozent-Chance für ein Starkbeben in den nächsten 50 Jahren. Für den Nordteil der Cascadia-Störung ist die Gefahr dagegen deutlich geringer: Nur auf zehn bis 15 Prozent schätzen die Forscher die Wahrscheinlichkeit eines Megabebens innerhalb dieser Zeitspanne.

„Vielleicht noch eindrucksvoller als die Wahrscheinlichkeiten ist, dass wir nun sagen können, dass wir heute bereits länger ohne Beben geblieben sind als es in 75 Prozent aller Zwischenbebenzeiten der letzten 10.000 Jahre der Fall war“, so Goldfinger. „Und in 50 Jahren wird sich diese Zahl auf 85 Prozent erhöht haben.“

Zerstörungskraft vergleichbar mit Haiti


Sollte sich ein Starkbeben der Magnitude 9 an der Cascadia-Subduktionszone ereignen, wäre der gesamte pazifische Nordwesten gefährdet. Die Zerstörungskraft der Erdstöße würde die des Bebens von Haiti im Januar 2010 oder von Chile im Februar 2010 erreichen oder sogar übertreffen. Nach Angaben von Goldfinger könnten die Erdstöße mehrere Minuten anhalten und Gebäude zum Einsturz bringen, Highways und Brücken zerstören. Läge das Epizentrum knapp vor der Küste hätten die Bewohner der Region nur wenige Minuten Zeit, um sich vor dem resultierenden Tsunami in Sicherheit zu bringen.

„Es ist nicht eine Frage, ob es ein starkes Erdbeben geben wird“, so Goldfinger. „Es ist eine Frage des ‚Wann‘. Und dieses ‚Wann‘ sieht so aus, als wenn es nicht allzu weit in der Zukunft liegen könnte.“
(Oregon State University, 26.05.2010 - NPO)