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Donnerstag, 01.09.2016
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Aussterben urzeitlicher Pflanzenfresser als Klimafaktor?

Forscher postulieren verminderten Methanausstoß durch fehlende Megafauna als Ursache für Klimaabkühlung

Das Aussterben vieler großer Pflanzenfresser wie Mammut, Mastodon oder Auerochse vor rund 13.000 Jahren hatte möglicherweise dramatische Auswirkungen auf die Atmosphäre und das Klima jener Zeit – das jedenfalls schließen amerikanische Forscher in „Nature Geoscience“. Ähnlich wie die Rinder heute setzten die Großsäuger damals vermutlich viel Methan frei, ihr Wegfall löste einen starken Rückgang im Methangehalt der Luft aus, der zu einer Klimaabkühlung führte.
Mammut als Methanschleuder?

Mammut als Methanschleuder?

Am Ende der letzten Eiszeit, vor mehr als 13.000 Jahren zogen noch Herden von Mammuts, Mastodons, Bisons, Riesenfaultieren und Kamelen durch die Weiten Nord- und Südamerikas. Ihre Tierwelt war vermutlich ähnlich reich wie die Savannen Afrikas heute. Doch dann starben die meisten dieser großen, pflanzenfressenden Säugetiere abrupt aus – warum, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Vor allem die Rolle, die der Mensch dabei spielte, ist umstritten. „Vor rund 11.500 Jahren und innerhalb von 1.000 Jahre nach Ankunft der Menschen in der Neuen Welt, waren 80 Prozent dieser großen Säuger ausgestorben“, erklärt Felisa Smith, Professorin für Biologie an der Universität von New Mexico. „Dies könnte vielleicht den ersten messbaren Einfluss des Menschen auf seine Umwelt darstellen.“

Große Pflanzenfresser als Klimafaktor?


Doch für die Forscherin und ihre Kollegen vom Los Alamos National Laboratory und dem National Museum of Natural History an der Smithsonian Institution liegt das eigentlich Spannende noch woanders. Sie vertreten die Hypothese, dass das Aussterben der Großsäuger auch einen Einbruch in der Methankonzentration der Atmosphäre auslöste – und dieser wiederum hatte einen großen Anteil an einer plötzlichen Klimaabkühlung in dieser Zeit.

Zumindest eine zeitliche Parallele haben die Forscherjetzt in der Tat nachgewiesen. Sie analysierten den in Eisbohrkernen aus dieser Zeit konservierten Methangehalt der Atmosphäre und verglichen dessen Veränderungen mit dem Aussterbezeitpunkt von 114 Großsäugerarten in Nord- und Südamerika. Es zeigte sich eine enge zeitliche Übereinstimmung zwischen Aussterben und Methanabfall.


Starker Abfall der Methankonzentrationen vor 13.000 Jahren


„Wenn man die Eisbohrkerne anschaut, sieht man diesen starken Absturz der Methanwerte, die perfekt mit der Zeit zusammentreffen, zu der die Menschen auf dem Kontinent eintrafen“, erklärt Smith. „Wir haben uns auch alle anderen Methansenkungen in der letzten Millionen Jahre angeschaut und dieser eine ist ganz anders. Er geschah zwei bis 40 Mal schneller als die anderen.“ Die Eisbohrkerne zeigen einen Abfall der Methankonzentrationen von 245 auf 185 ppbv (Teile pro einer Milliarde Teilchen im Volumen) im jüngeren Dryas. Da Methan ein starkes Treibhausgas ist, entspricht diese Abnahme einem Absinken der globalen Oberflächentemperaturen um neun bis zwölf Grad Celsius.

Wie viel Methan stießen die urzeitlichen Großsäuger aus?


Aber gab es auch einen Zusammenhang zum Aussterben der Großsäuger? Um dies herauszufinden, führten die Wissenschaftler Berechnungen durch, mit denen sie den durchschnittlichen Methanausstoß dieser großen Pflanzenfresser ermittelten. Von heutigen Pflanzenfressern wie Giraffe, Elefant oder Nashorn ist die tägliche Methanabgabe – ermittelt durch experimentelle Messungen – relativ gut bekannt. Auch gibt es Schätzungen zur damaligen Häufigkeit und Verbreitung der einzelnen Säugerarten. Aus beiden kombiniert ergibt sich ein Wert für die Menge Methans, die vor 13.000 Jahren durch die großen Säugetiere an die Atmosphäre abgegeben wurde.

„Wir erhielten einen Schätzwert, der bei rund zehn Teragramm liegt“, so Smith. „Das ist ziemlich enorm. Übertragen bedeutet dies, dass das Aussterben aller dieser Tiere im Minimum rund zwölf Prozent des Methananfalls zu dieser Zeit erklären kann. Im Maximum könnte es sogar für das gesamte Absinken verantwortlich sein.“

Mensch indirekt Schuld an Klimaänderung?


Nach Ansicht der Forscherin könnte dies zudem ein erstes Beispiel für eine indirekte Klimabeeinflussung durch den Menschen darstellen. Zwar ist die Ursache des damaligen Aussterbens noch sehr umstritten, doch Smith geht davon aus, dass der Mensch ursächlich daran beteiligt war – und damit letztlich auch an der Veränderungen des Klimas. „Dies deutet daraufhin, dass das Auslöschen der Megafauna durch den Menschen einen erheblichen Einfluss auf das Klima erzeugte, lange vor der Entwicklung der Landwirtschaft und dem industriellen Zeitalter.“
(University of New Mexico, 25.05.2010 - NPO)
 
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