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Donnerstag, 29.09.2016
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Negative Vorurteile bremsen Leistungen von Frauen

Studien weisen geschlechtsspezifische Unterschiede in der Reaktion auf soziale Reize nach

Man sagt Frauen oft nach, „per se“ das sozialere Geschlecht zu sein. Wie jetzt zwei Studien zeigen, unterscheiden sich die Geschlechter tatsächlich in der sozialen Wahrnehmung: So wird die Leistung von Frauen dramatisch von negativen Vorurteilen beeinflusst, die der Männer dagegen weniger. Bei Frauen wird dafür eine Gehirn-Region zur Bewertung von sozial relevanten Inhalten deutlich schneller als bei Männern aktiviert.
Forschungslandschaft Gehirn

Forschungslandschaft Gehirn

Dass es in einigen Bereichen des Verhaltens geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt, zeigen viele Beobachtungen. Aber was liegt ihnen zugrunde? Gehirnmechanismen, die solchen Geschlechtsunterschieden zugrunde liegen, sind bisher weitgehend unbekannt. Dabei hat die Kenntnis solcher Vorgänge eine hohe wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Relevanz. Jetzt haben Wissenschaftler am Universitätsklinikum Tübingen Geschlechtsunterschiede in der sozialen Wahrnehmung untersucht. Dafür führten sie zwei Studien durch, in denen zum einen die Reaktion auf negative Aussagen anderer, zum anderen die neuronale Verarbeitung von sozialen Signalen analysiert wurde.

Test durch Vorurteile manipuliert


In der ersten Studie absolvierten insgesamt 83 weibliche und männliche Medizinstudierende im Alter von 20 bis 36 Jahren einzeln den so genannten „Bilder-ordnen“-Test. Bei dieser Aufgabe, einem Teil des Wechsler Intelligenztests für Erwachsene, müssen die Probanden eine Reihe von Bildern, die die Einzelbilder eines sozialen Ereignisses darstellen, in der richtigen Reihenfolge anordnen. Es wird angenommen, dass eine gute Leistung bei einer solchen Aufgabe ein Verständnis der mentalen Zustände der abgebildeten Personen erfordert. Um die Aufgabe erfolgreich lösen zu können, müssen die Versuchspersonen den Kern der Absichten und Einstellungen des Dargestellten erfasst haben.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass bei dieser Aufgabe keine geschlechtsspezifischen Unterschiede auftreten. In der aktuellen Studie wurde dieser Test jedoch abgewandelt: Eine Gruppe bekam vor dem Versuch die manipulierte Information, dass Frauen bei diesem Test generell besser abschneiden, während die andere Gruppe erfuhr, dass Männer bessere Ergebnisse erzielen.


Negative Klischees beeinflussen Frauen stärker als Männer


Die Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz manipulierter stereotyper Aussagen geschlechtsspezifische Effekte auslösen kann. Eine positive Aussage verbesserte das Abschneiden des entsprechenden Geschlechts bei einer Aufgabe zur sozialen Wahrnehmung, während eine negative Information zu einer schlechteren Leistung führte. Dieser Effekt ist bei Frauen stärker ausgeprägt. Dagegen lassen sich Männer durch negative Informationen nur wenig beeinflussen. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass Frauen auch in anderen Bereichen des alltäglichen Lebens durch klischeehafte negative Vorurteile, beispielweise im Hinblick auf Einparken, Durchsetzungsfähigkeit oder mathematisches Denken stärker beeinflusst werden als Männer.

Frauen schalten schneller


In der zweiten Studie wurden gesunde Frauen und Männer im Magnetoenzephalogramm daraufhin untersucht, ob die Gehirnregionen, die für soziale Wahrnehmung zuständig sind - vor allem der rechte temporale Kortex - unterschiedlich reagieren. Die Wissenschaftler benutzten dazu eine Testanordnung, bei der den Versuchspersonen geometrischen Figuren gezeigt werden, deren Interaktion von den Probanden als „sozial“ oder „nicht sozial“ eingeschätzt werden sollten. Die auf soziale Interaktionen ansprechenden Gehirnregionen sind bei Männern und Frauen identisch.

Auffallend war jedoch, dass die entsprechenden, für soziale Interaktion zuständigen Gehirnregionen bei Frauen früher reagierten. Interessanterweise deuten die Ergebnisse auf eine schnellere neuronale Verarbeitung sozialer Signale bei Frauen hin. Frauen benötigen daher weniger Informationen um soziale Interaktionen zu erkennen.
(Universitätsklinikum Tübingen, 19.05.2010 - NPO)
 
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