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Neuer Flugsaurier mit spitzen Zähnen

Paläontologen entdecken jüngste Art zahnbewehrter Flugsaurier in Nordamerika

In Texas haben Paläontologen eine neue Flugsaurierart entdeckt. Der 95 Millionen Jahre alte „Aetodactylus halli“ besaß eine lange, stromlinienförmige Schnauze mit spitzen Zähnen und segelte auf drei Metern Flügelspannweite über die Flachmeere der Kreidezeit. Er ist in dieser Region der jüngste Vertreter seiner Familie, die die Forscher jetzt im „Journal of Vertebrate Paleontology” berichten.
Aetodactylus halli

Aetodactylus halli

Die fliegenden Pterosaurier regierten die Lüfte vom späten Trias vor mehr als 20 Millionen Jahren bis zum Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren. Sie repräsentieren die frühesten Wirbeltiere, die zum Fliegen fähig waren. Besonders verbreitet waren die Pterodactyloidea, die Kurzschwanzflugsaurier, zu denen so bekannte Riesen der Lüfte wie der Pteranodon oder der Quetzalcoatlus mit zwölf Metern Flügelspannweite gehörten. Jetzt haben Forscher in Texas einen neuen Vertreter dieser Gruppe identifiziert.

Kieferknochen statt Austernschale


Der Kieferknochen des neuen Flugsauriers wurde bereits 2006 vom Hobby-Fossiliensucher Lance Hall am Fuße eines Hügels in Nordtexas, nahe der Stadt Mansfield, entdeckt. Hier tritt eine geologische Formation ans Tageslicht, die auch als Eagle Ford Group bekannt ist. Sie wurde in der Kreidezeit als Sediment eines flachen Meeres abgelagert.

„Ich durchmusterte das Gebiet und bemerkte in einer kleinen Erosionsrinne etwas, das ich zunächst für ein Stück Austernschale hielt”, erinnert sich Hall. „Nur rund zwei oder drei Zentimeter davon waren sichtbar. Fast ging ich daran vorüber, aber dann fiel mir auf, dass es bräunlicher gefärbt war, eher wie Knochen. Ich begann es auszugraben und stellte fest, dass es ein Kiefer von etwas war – aber ich hatte keine Idee von was. Es lag verkehrt herum und als ich es umdrehte bestand die gesamte Schnauze aus einer langen Reihe von Zahnsockeln.“


Drei Meter Flügelspannweite


Die Wirbeltierpaläontologen Louis L. Jacobs und Michael J. Polcyn von der Southern Methodist Universität erkannten den Kiefer sofort als außergewöhnlichen Fund und als Pterosaurier-Fossil. Ihr Kollege Timothy S. Myers führte genauere Analysen durch. Schnell zeigte sich, dass der fossile Knochen 95 Millionen Jahre alt ist und keiner der bisher bekannten Arten der fliegenden Reptilien angehört.

Der nach seinem Entdecker Hall „Aetodactylus halli” getaufte Flugsaurier hatte vermutlich eine Flügelspannweite von rund drei Metern, was ihn zu einem mittelgroßen Pterosaurier machte. Die Forscher identifizierten ihn als eines der jüngsten Mitglieder der Pterosaurierfamilie der Ornithocheiridae, einer Untergruppe großer Kurzschwanzflugsaurier, die in der Kreidezeit weltweit verbreitet waren. In Nordamerika ist er der jüngste gefundene Vertreter dieser Gruppe überhaupt.

95 Millionen Jahre alter Kieferknochen von Aetodactylus halli

95 Millionen Jahre alter Kieferknochen von Aetodactylus halli

Stromlinienförmige Schnauze mit spitzen Zähnen


Ornithocheiridae waren größtenteils Segelflieger, die sich vor allem von Fisch ernährten. Im Gegensatz zu den noch größeren Pteranodonten war ihr sehr schmaler Kiefer mit langen Reihen von Zähnen besetzt. Der neu entdeckte Kieferknochen des Aetodactylus halli misst 38,4 Zentimeter und enthielt ursprünglich 54 schlanke, spitze Zähne, von denen nur noch zwei in erhalten sind. Die Zähne des Ober- und Unterkiefers standen auf Lücke und griffen daher perfekt ineinander, wenn der Flugsaurier sein Maul schloss.

Der Kiefer des Aetodactylus ist mit nur einem Zentimeter Dicke ungewöhnlich zierlich und unterscheidet sich darin von allen bekannten Vertretern der Ornithocheiridae. Auch ein Aufwärtsknick des hinteren Kieferbereichs und das Fehlen einer auffallenden Ausweitung der Kieferspitzen markieren ihn als eigenständige Gattung. In Bezug auf die Anzahl der Zähne im Unterkiefer ähnelt er dagegen stark Boreopterus, einer in China gefundenen Pterosaurierart aus der frühen Kreidezeit.

Jüngster Vertreter der „Zahnträger“


Insgesamt ist Aetodactylus halli erst der zweite Vertreter der Ornithocheiridae, der im südlichen Nordamerika entdeckt worden ist. Die meisten sonst hier entdeckten Pterosaurier gehören den zahnlosen Pteranodontidae an. „Die Entdeckung einer weiteren Ornithocheiriden-Art in Texas deutet darauf hin, dass die Vielfalt der Pterosaurier im kreidezeitlichen Nordamerika größer war als bisher angenommen“, erklärt Myers. „Aetodactylus repräsentiert zudem eine der letzten Vorkommen der Ornithocheiriden vor dem Übergang zu den zahnlosen Formen der späten Kreidezeit.”
(Southern Methodist University, 29.04.2010 - NPO)
 
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