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Donnerstag, 27.07.2017
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Kometen: gefährliche Staubschleudern lokalisiert

Neue Methode ermöglicht Kartierung aktiver Regionen auf der Oberfläche von Kometen

In den aktiven Regionen ihrer Oberfläche schleudern Kometen gefährliche Ströme von Staub und Gas ins All. Jetzt haben Wissenschaftler ein Computermodell entwickelt, das diese Regionen dreidimensional kartieren kann, auch wenn nur bodengebundene Aufnahmen zur Verfügung stehen. Das in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ vorgestellte Verfahren könnte helfen, eine sichere Flugroute für die ESA-Raumsonde Rosetta zu berechnen, die 2014 den Kometen Churyumov-Gerasimenko erreicht.
Komet Hale-Bopp

Komet Hale-Bopp

Der Kern eines Kometen ist weit mehr als ein unveränderlicher Brocken aus Eis und Staub. Unter dem Einfluss der Sonne gasen leicht flüchtige Substanzen wie etwa Wasser, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid von manchen Stellen seiner Oberfläche - den aktiven Regionen - aus und reißen dabei Staubpartikel von bis zu einigen Zentimetern Durchmesser mit. Von der Erde aus sind diese Staubfontänen durch Teleskope als Strahlen oder Spiralen sichtbar, die den Kometen umgeben. Diese Strukturen sind eingebettet in eine Hülle aus Gas und Staub, die Koma, die von der Aktivität der Restoberfläche stammt und den gesamten Kometen umgibt.

Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung im niedersächsischen Katlenburg-Lindau haben jetzt ein Computermodell entwickelt, das aktiven Regionen an Hand von bodengebundenen Aufnahmen lokalisiert. „Aufnahmen, die wir von der Erde aus gewinnen, zeigen den Kometen und seine Strahlen auf eine zweidimensionale Fläche projiziert", sagt Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. Wo genau Staub und Gase ihren Ursprung haben, ließ sich deshalb bisher nicht ohne Weiteres bestimmen.

Modell ermittelt dreidimensionale Verteilung


Um dennoch den aktiven Regionen auf die Schliche zu kommen, wählten die Forscher einen indirekten Zugang, der erstmals auch die dreidimensionale Gestalt des Kometenkerns berücksichtigt. „Bisher wurden Kometen zu diesem Zweck vereinfachend als Kugeln oder Ellipsoide modelliert", erklärt Jean-Baptiste Vincent vom Lindauer Max-Planck-Institut. Der oftmals bizarren Form dieser schmutzigen Schneebälle wird dies bei vielen Anwendungen nicht gerecht. Die Forscher entschieden sich deshalb, an dieser Stelle auf ein Standardverfahren zurückzugreifen: Beobachtet man einen Kometen während seiner gesamten Umdrehungsperiode durchs Teleskop, lässt die Veränderung seiner Leuchtkraft Rückschlüsse auf die Form des Kerns zu.


Computersimulation der aktiven Regionen von Tempel-1

Computersimulation der aktiven Regionen von Tempel-1

In einem nächsten Schritt fütterten die Forscher ihr Programm mit einer Anfangsvermutung darüber, wo sich die aktiven Regionen befinden. Zudem machten sie, basierend auf bisherigen Erkenntnissen, Annahmen über einige physikalische Parameter der Staubteilchen wie Größe und Startgeschwindigkeit beim Verlassen der Kernoberfläche. Als Ergebnis liefert die Computersimulation ein Bild, wie es ein Teleskop von der Erde aus aufnehmen würde. Durch Vergleich mit dem echten Blick durchs Fernrohr lassen sich dann die modellierten Bilder immer weiter verfeinern, bis Simulation und echte Aufnahme übereinstimmen.

Erfolgreicher Test bei Komet Tempel-1


Den ersten Test hat das neue Verfahren bereits bestanden. Denn die Wissenschaftler konnten es erfolgreich auf den Kometen Tempel 1 anwenden, der im Jahr 2005 Ziel der NASA-Mission Deep Impact war. „Obwohl wir seitdem genau wissen, wo die aktiven Regionen auf Tempel 1 liegen, haben wir uns für den Test unseres Programms zunächst ,dumm` gestellt", erklärt Vincent. Die Forscher nutzten nur Beobachtungen, die sie von der Erde aus im Rahmen eigener Messprogramme gewonnen hatten. Allein die dreidimensionale Form des Kometenkerns entnahmen sie den Ergebnissen der Deep Impact Mission.

Zielkomet der Sonde Rosetta im Visier


Als Nächstes wollen die Forscher nun die aktiven Regionen des Kometen Churyumov-Gerasimenko berechnen, dem Zielkometen der Sonde Rosetta, auf dem die Landeeinheit Philae im Jahr 2014 aufsetzen soll. Die Mission, zu der auch das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung viele wissenschaftliche Instrumente beigesteuert hat, ist seit 2004 unterwegs zu ihrem Ziel jenseits der Umlaufbahn des Mars und der Asteroiden. Das neue Verfahren könnte dazu beitragen, in der entscheidenden Phase der Mission eine sichere Flugroute durch die Kometenkoma und möglicherweise sogar die Landestelle zu bestimmen.
(Max-Planck Gesellschaft, 27.04.2010 - NPO)
 
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