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Mittwoch, 25.01.2017
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Krallenfrosch hilft Pflanzenforschern

Wie sich Pflanzen vor dem Vertrocknen schützen

Wenn Pflanzen sich vor dem Vertrocknen schützen, laufen Prozesse ab, bei denen - ähnlich wie bei der Muskelkontraktion beim Menschen - Kalzium eine wichtige Rolle spielt. Den genauen Ablauf haben jetzt Würzburger Biophysiker in einer neuen Studie aufgedeckt, über die sie in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) berichten.
Poren

Poren

Pflanzen produzieren während der Photosynthese Zucker. Dabei wird Wasser in Form von Wasserdampf an die Umwelt abgeben. Verantwortlich dafür sind winzige Ventile an den Blattoberflächen, die aus paarweise angeordneten Schließzellen bestehen. Je nachdem, ob diese Schließzellen prall gefüllt oder vergleichsweise leer sind, ändern sie ihre Form - ähnlich wie ein Schwimmreifen, der aufgeblasen kreisrund ist, sich aber eng zusammenlegen lässt, wenn man die Luft wieder ablässt.

Schließzellen regeln den Wasseraustausch


Auf die Pflanze bezogen, heißt das: Zwei prall gefüllte Schließzellen bilden einen Kreis und ermöglichen so die Abgabe von Wasserdampf an die Umwelt. Erschlaffen sie, schließt sich das Ventil; die Pflanze behält das Wasser im Inneren und ist so vor dem Austrocknen geschützt. Wie dieser Prozess auf molekularer Ebene abläuft, haben jetzt Dietmar Geiger und Professor Rainer Hedrich vom Lehrstuhl für Molekulare Pflanzenphysiologie und Biophysik der Universität Würzburg näher untersucht.

„Bei Trockenheit bilden Pflanzen ein so genanntes Trockenstresshormon, das die Schließzellpaare über eine Reaktionskette, an der auch Kalzium beteiligt ist, dazu bringt, zu erschlaffen“, erklärt Geiger. Das Ventil schließt sich und verringert so die Wasserabgabe des Blattes. Wie die Biophysiker in früheren Studien herausfanden, sind an diesem Prozess bestimmte Ionenkanäle und Enzyme beteiligt, die den Prozess feinsteuern.


Welche, haben die Wissenschaftler jetzt mit einer trickreichen Technik geklärt, die Hedrich vor gut zehn Jahren etabliert hat, um Ionenkanäle außerhalb von Pflanzenzellen untersuchen zu können. Zentrale Bestandteile dabei sind: Eier des Krallenfroschs und ein gelb fluoreszierendes Protein.

Schwierige Suche nach dem verantwortlichen Enzym


„Aus der vorausgegangenen Arbeit von Dietmar Geiger, die er ebenfalls bei PNAS veröffentlichen konnte, war zu vermuten, dass ein ganz spezieller Anionenkanal an diesem Prozess beteiligt ist“, erklärt Hedrich. Völlig unklar hingegen war, welches Enzym dafür verantwortlich ist, dass sich dieser Kanal für Kalzium-Ionen öffnet. In Frage kamen nach Angaben der Forscher immerhin 34 Enzyme.

Die - im wahrsten Sinne des Wortes - Erleuchtung brachte ein molekularbiologischer Trick: „Wir haben das Gen für den Schließzell-Anionenkanal an eine Hälfte des Gens für das Gelb-Fluoreszierende-Protein gekoppelt. Die andere Hälfte knüpften wir dann nacheinander an jedes der 34 in Frage kommenden Enzymgene“, erklärt Geiger.

Leuchtspuren im Krallenfrosch-Ei


Die Idee dahinter: Das Gelb-Fluoreszierende-Protein wird in diesem Fall nur dann aufleuchten, wenn die mit den beiden Hälften verbundenen Proteine des Enzyms beziehungsweise des Anionenkanals in unmittelbare Nähe zueinander geführt werden. Und die Eier des Krallenfroschs kamen ins Spiel, weil sie zum einen durchsichtig genug sind und sich zum anderen als „Reagenzglas für das Beschicken mit Fremdgenen und Übersetzten in aktive Proteine bestens eignen“, so Hedrich.

Tatsächlich gelang es den beiden Wissenschaftlern mit diesem eleganten experimentellen Ansatz, mit dem Ionenkanal als Köder, das dazugehörige Kalzium-abhängige Enzym, eine so genannte Kinase, zu identifizieren. Über den gleichen Ansatz haben die Würzburger „Kanalarbeiter“ dann auch noch das Enzym ermittelt, das den Kanal wieder abschaltet - eine Proteinphosphatase.

Erfolgreiche Kooperation


Blieben noch die Fragen: Wie nehmen diese beiden Schaltelemente das Trockenstresshormon wahr und welcher Sensor reguliert die Aktivität des Kinase/Phosphatase-Pärchens? Um das herauszufinden, haben sich die Würzburger Forscher mit dem Team von Professor Erwin Grill von der Technischen Universität München zusammen getan. Die Münchner hatten ein Protein identifiziert, das die Phosphatase inaktiviert, wenn es das Wasserstress-Hormon gebunden hat.

Mit diesem Wissen ließ sich die Signalkette schließen: „In Gegenwart des Stresshormons wird ein Rezeptor stimuliert, der die Phosphatase hemmt. Die Kinase überträgt energiereiches Phosphat auf den Anionenkanal und schaltet ihn somit an. Der Ausstrom von Anionen zieht einen Kalium- und Wasserfluss nach sich, dabei lassen die Schließzellen Druck ab, und die Pflanze überlebt mit fest geschlossenen Stomata die Trockenperiode“, so Geiger.

Wie kommt das Kalzium-Ion in die Zelle?


Alle Fragen sind damit allerdings nicht geklärt. Jetzt fehle aber nur noch „ein kleines, aber nicht unwichtiges Detail“, so Hedrich: „Wie kommt das Kalzium-Ion in die Zelle?" Aber auch dafür haben die Würzburger Pflanzenphysiologen schon so eine Idee…
(idw - Universität Würzburg, 14.04.2010 - DLO)
 
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