• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 20.10.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Gefühle wahrnehmen beruhigt

Neue Erkenntnis von großer Bedeutung für den alltäglichen Umgang mit Angst, Hass oder Euphorie

Die eigenen Gefühle unter Kontrolle zu haben, ist gelegentlich schwer. Nun haben Züricher Forscher erstmals auf neurobiologischer Ebene nachgewiesen, dass schon das einfache achtsame Wahrnehmen der eigenen Gefühle beruhigend sein kann. Sie stellen ihre neuen Ergebnisse, die von grundlegender Bedeutung für den Umgang mit unseren Gefühlen sind, in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „NeuroImage“ vor.
Forschungslandschaft Gehirn

Forschungslandschaft Gehirn

In ihrer Studie erfassten die Wissenschaftler die Hirnaktivität von 30 gesunden Versuchspersonen mittels funktioneller Magnetresonanz-Tomographie, während sich diese in zweierlei Hinsicht mit sich selbst auseinandersetzten: Einerseits vergegenwärtigten sie sich mit der Frage „Wie fühle ich mich?“ bewusst ihre aktuellen Gefühle und körperlichen Empfindungen. Andererseits dachten sie aktiv über sich selbst nach, indem sie sich fragten: „Wer bin ich?“.

Selbst-bezogene Aufgaben


Dabei zeigte sich, dass beide selbst-bezogenen Aufgaben mit neuronalen Aktivierungen in Mittellinien-Regionen des Stirnhirns einhergingen, bei der kognitiv-selbstreflexiven Aufgabe - Wer bin ich? - lag diese weiter vorne, bei der emotional-introspektiven - Wie fühle ich mich? - weiter hinten.

Besonders interessant dabei war nach Ansicht der Wissenschaftler, dass das Achten auf die Gefühle die Aktivität in den emotionsverarbeitenden Mandelkernen reduzierte. Denn die Mandelkerne aktivieren sich grundsätzlich bei emotionaler Erregung und zwar umso stärker, je intensiver die aktuellen Emotionen, zum Beispiel die Ängste, sind.


Vergegenwärtigen der eigenen Empfindungen nötig


Uwe Herwig von der Klinik für Soziale Psychiatrie und Allgemeinpsychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik und Leiter der Studie bringt das entscheidende Ergebnis auf den Punkt: „Die Versuche zeigen, dass wir schon durch momentanes achtsames Vergegenwärtigen und Beobachten der eigenen Empfindungen unsere emotionsbezogene Hirnaktivität regulieren und uns so gewissermaßen beruhigen können.“

Diese Erkenntnis ist von grundlegender Bedeutung für den alltäglichen Umgang mit unseren Gefühlen, insbesondere mit den unangenehmen. Denn wenn wir uns über etwas aufregen oder uns ängstigen, kann so schon das Gewahrwerden der Empfindungen während der Aufregung helfen, sich von ihr zu distanzieren und sich zu beruhigen. Mit anderen Worten: Wenn ich mich aufrege und darauf achte, wie sich diese Aufregung anfühlt, dann rege ich mich auch schon wieder ab.

Wie der Wecker, der mit dem Klingeln aufhören kann, sobald ich ihn wahrgenommen habe und ihn abstelle, so können auch die Mandelkerne aufhören, so stark zu „feuern“, sobald wir das emotionale Signal registriert haben. Wichtig dabei ist, dass dieses Mittel jedem und jederzeit zur Verfügung steht, so die Forscher. Die Befunde stützen zudem bestehende psychotherapeutische Anwendungen zum Beispiel beim Umgang mit Stress und zur Vorbeugung von Depressionen.

Geeignete Therapien vorhersagen


Herwig hofft, dass es in Zukunft möglich sein wird, auch den biologischen Hintergrund von persönlichen Schwierigkeiten mit der Emotionsregulation gezielter zu erfassen sowie – unter anderem – antidepressive Therapieerfolge neurobiologisch überprüfen und geeignete Therapien vorhersagen zu können.

„Außerdem“, fasst er den weiteren Nutzen dieser Erkenntnisse wie auch deren Bedeutung zusammen, „könnte wissenschaftlich untersucht werden, ob die Echtzeit-Rückmeldung der Hirnaktivität genutzt werden kann, um die psychische Emotionskontrolle besser zu üben. Dies würde eine neue Qualität der Verknüpfung von Psychotherapie und Biologie bedeuten.“
(Universität Zürich, 25.03.2010 - DLO)
 
Printer IconShare Icon