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Samstag, 11.02.2012
Roboter für die virtuelle Leichenschau
Neuer Hightech-Helfer ermöglicht Gerichtsmedizinern Autopsien ohne Leichenöffnung
„Virtobot“ heißt ein neuer Hightech-Helfer, der Gerichtsmedizinern seit kurzem virtuelle Autopsien erlaubt. Der Roboter liefert ein hochpräzises, dreidimensionales Bild von Leichen mit dessen Hilfe die Wissenschaftler deren Äußeres aber auch Inneres am Computerbildschirm aus allen Blickrichtungen untersuchen können – ohne die Leichen aufzuschneiden. Die digitale Konservierung erlaubt es zudem, auch Jahre später noch die Todesursachen zu ergründen.

Virtobot bei der Arbeit
Virtobot bei der Arbeit
© Zentrum Forensische Bildgebung und Virtopsy, Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern/SNF Virtobot bei der Arbeit
Dass Gerichtsmediziner ihre kriminalistischen Ermittlungen mit Hightech-Geräten ausüben und den Tat- oder Unfallhergang am Computer rekonstruieren, gehört seit den „CSI“ Fernseh-Serien zum Allgemeinwissen. Weniger bekannt ist dagegen, dass das Rechtsmedizinische Institut der Universität Bern eine treibende Kraft für die Erneuerung der Forensik ist. Hier wird im so genannten „Virtopsy“-Labor die gerichtliche Spurensicherung an Leichen weiterentwickelt.

Das Kunstwort Virtopsy steht für virtuelle Autopsie und umschreibt Leichenschauen, die ohne den Körper von Verstorbenen aufzuschneiden nur mit Hilfe von hochauflösenden Magnetresonanzscannern (MRI) und Computertomographen (CT) durchgeführt werden.

Virtobot liefert hochpräzises, dreidimensionales Bild
Dabei setzt das Team um Michael Thali auch den spezialisierten Roboter Virtobot ein. Im Virtopsy-Labor projiziert er Lichtstreifen auf eine zu untersuchende Leiche. Die sich dabei abzeichnenden Konturen des Körpers werden mit Hilfe einer digitalen Stereo-Kamera in hoher Auflösung erfasst. Gleichzeitig scannt der Hightech-Helfer die Textur der Haut.

„Dann gleichen wir diese Oberflächenbilder mit den dreidimensionalen CT-Daten des ganzen Körpers ab“, erklärt Lars Ebert, der Virtobot im Rahmen des Forschungsschwerpunktes „Co-Me“ programmiert hat. Die Gerichtsmediziner erhalten somit ein hochpräzises, dreidimensionales Bild vom Körper. Darüber hinaus erlaubt es die Kombination von medizinischer Bildgebung, chirurgischer Navigation und Robotik, Leichen erstmals digital zu konservieren, so dass eine Autopsie auch nach Jahren erneut durchgeführt werden kann, wenn in einem ungelösten Fall neue Erkenntnisse vorliegen.

Vor Gericht sind die digitalen Ermittlungsdaten mittlerweile als Beweis zugelassen, allerdings nur wenn sie durch eine herkömmliche Autopsie bestätigt sind. Doch aufgrund der Präzision und Effizienz der virtuellen Autopsie ist Thali überzeugt, dass die Zukunft der Gerichtsmedizin dem Virtobot gehört.

Forschungsschwerpunkt Co-Me
Der Forschungsschwerpunkts „CO-ME – Computergestützte und bildgeführte medizinische Eingriffe“ möchte die Informationstechnologien, um medizinische Eingriffe verbessern, was sowohl dem einzelnen Patienten als auch der Gesundheitsversorgung der ganzen Gesellschaft zugutekommt.

Die Forscher konzentrieren sich dabei auf die Entwicklung, Integration und Validierung von Technologien für computergestützte, bildgeführte Systeme, die die komplette Versorgungskette von Diagnose, Therapieplanung und –simulation über die eigentliche Operation bis zur Nachbehandlung, Kontrolle und Dokumentation unterstützen.
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