Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 11.02.2012
Fruchtfliegen haben 2.000 Muskelgene
Flugmuskeln der Insekten gehören zu den stärksten überhaupt im Tierreich
Wissenschaftler haben alle Gene der Fruchtfliege Drosophila identifiziert, die eine Rolle bei der Entwicklung und Funktion von Muskeln spielen – insgesamt 2.000 Stück. Sie sorgen im Endeffekt dafür, dass die Flugmuskeln der Insekten zu den stärksten Muskeln im Tierreich überhaupt gehören.

Seitenansicht von Drosophila melanogaster
Seitenansicht von Drosophila melanogaster
© Frank Schnorrer Seitenansicht von Drosophila melanogaster
Der menschliche Körper besteht aus zehn bis hundert Billionen Zellen. Dabei ist nicht jede Zelle gleich: 200 verschiedene Zell- und Gewebetypen machen den menschlichen Körper aus. Während seiner Entwicklung durchläuft jeder dieser Zelltypen ein bestimmtes genetisches Programm, an dessen Ende rote Blutkörperchen Sauerstoff transportieren, Neuronen elektrische Signale weitergeben und Muskeln mechanische Kräfte erzeugen können.

„Es ist faszinierend, wie das genetische Programm eines Organismus so unterschiedliche Zelltypen aus identischen Vorläuferzellen erzeugen kann“, sagt Frank Schnorrer vom Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München im Wissenschaftsmagazin „Nature“.

Auf der Suche nach den Muskelgenen
Die Forscher um Schnorrer haben zusammen mit dem Team von Barry Dickson vom Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien jetzt erstmalig alle 12.000 Gene der Fruchtfliege Drosophila melanogaster systematisch auf ihre Rolle bei der Muskelentwicklung und Muskelfunktion untersucht. Ähnlich wie der Mensch besitzt die Fruchtfliege verschiedene Typen von Muskeln. Muskeln, die zum Beispiel Fliegenlarven langsam kriechen oder die Flügel der erwachsenen Fliege blitzschnell schlagen lassen.

25.000 Flugtests
Durch über 25.000 Flugtests haben die Forscher rund 2.000 Gene identifiziert, die eine Funktion in den Muskeln der Fliegen haben. „Ein Teil dieser Gene wird in allen Muskeln gebraucht“, erklärt Schnorrer, „ein anderer Teil nur in den sehr schnellen, sehr kraftvollen Flugmuskeln.“

Dabei gehören die Flugmuskeln der Insekten zu den stärksten Muskeln im Tierreich überhaupt. „Sie können bis zu 100 Watt pro Kilogramm Muskelmasse erzeugen und das über einen langen Zeitraum“, so der Biochemiker, „davon können Bodybuilder oder Tour-de- France-Fahrer nur träumen.“ Diese schaffen dauerhaft etwa 30 Watt pro Kilogramm Muskelmasse.

Viele Gene auch beim Menschen vorhanden
Viele der gefundenen Gene sind auch im Menschen vorhanden und werden dort wahrscheinlich ebenfalls für eine normale Muskelfunktion benötigt. Eine Veränderung dieser Gene führt nach Angaben der Forscher häufig zu Muskelerkrankungen. So ist beispielsweise bekannt, dass Mutationen in den Laminin-Genen für eine bestimmte Form von degenerativen Muskelerkrankungen, die Muskeldystrophie, verantwortlich sind.

„Das Wissen über solche Zusammenhänge könnte in Zukunft helfen, Muskelerkrankungen früher zu erkennen und individuell zu behandeln“, hofft Schnorrer.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Gene, Muskeln, Proteine, Fruchtfliege, Drosophila, Insekten, Erbgut, Zellen, Neuronen
Weitere News zum Thema
Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt (10.02.2012)
Einzigartige Lebensformen im Wostoksee waren seit 15 Millionen Jahren isoliert
Junge Fliegen duften besser (10.02.2012)
Jugendlicher Geruch wirkt auf Artgenossen attraktiver
Gletscher verlieren jährlich 230 Milliarden Tonnen Eis (09.02.2012)
Satelliten vermessen Ausmaß der globalen Eisschmelze
Fasten lässt Krebstumore schrumpfen (09.02.2012)
Zwei Tage nichts essen macht Chemotherapie effektiver
Ozeanerwärmung lässt Seeelefanten tiefer tauchen (09.02.2012)
Wärmeres Waser zwingt Robben zu verändertem Verhalten
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Genetik
Zellen - Bausteine des Lebens
Proteine
DNS-Scanner
Dossiers zum Thema
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
DNS-Scanner
Gencheck mit Terahertz-Strahlung
Neuland in drei Dimensionen
Ein Blick ins Innere der Zelle
Molekulare Motoren
Protein-„Maschinen“ als Triebfeder des Lebens
Das Geheimnis des Fliegens
Tierischen Flugkünstlern auf der Spur
News des Tages
Galaxien-Explosion stoppte junges Universum
Schlafende Sonne kein Klimaretter
Atome auf Quantenirrfahrt
Fruchtfliegen haben 2.000 Muskelgene
Eifel: Artensterben gestoppt
Einsteins Relativitätstheorie auf kosmologischen Distanzen bestätigt
Atomare Struktur von Alzheimer-Protein enthüllt
Bücher zum Thema
Drosophila
Die Erfolgsgeschichte der Fruchtfliege von Martin Brookes
Verborgene Welten
Das geheime Leben der Insekten von David Attenborough
Die Macht der Gene
Schön wie Monroe, schlau wie Einstein von Markus Hengstschläger
Ingenieure des Lebens
DNA-Moleküle und Gentechniker von Huub Schellekens und Marian C Horzinek (Übersetzer)
Die Genomfalle
Versprechungen der Gentechnik, ihre Nebenwirkungen und Folgen von Ursel Fuchs
Dolly
Der Aufbruch ins biotechnische Zeitalter von Colin Tudge, Ian Wilmut & Keith Campbell
Fantastisches Tierreich
Zwischen Legende und Wirklichkeit von John Downer
Das geheime Leben der Tiere
Ihre unglaublichen Fahigkeiten, Leistungen, Intelligenz und magischen Kräfte von Ernst Meckelburg
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Jeder Vierte stirbt an Krebs
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes