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Freitag, 10.02.2012
Moderner Mensch überlebte Toba-Ausbruch
Existenz des modernen Homo sapiens schon vor dem Ausbruch nachgewiesen
Brachte der Ausbruch des Supervulkans Toba vor 74.000 Jahren die Menschheit an den Rand des Aussterbens? Neue Ausgrabungen in Indien deuten jetzt daraufhin, dass mehr Menschen und Tiere die Eruption in verschiedenen ökologischen Nischen überlebten als angenommen. Sie belegen auch erstmals, dass der moderne Mensch, Homo sapiens, schon vor dem Ausbruch in Indien existierte.

Ausgrabungen des Toba-Projekts in Indien
Ausgrabungen des Toba-Projekts in Indien
© Universität Oxford / Toba Project
Als vor rund 74.000 Jahren der Supervulkan Toba auf Sumatra ausbrach, könnte die gewaltige Eruption die damalige Menschheit an den Rand des Aussterbens gebracht haben – so jedenfalls eine gängige Hypothese. Zeugnisse darüber, wie der Vulkanausbruch sich auswirkte, gibt es jedoch nur wenige. Jetzt aber hat ein internationales und interdisziplinäres Ausgrabungsprojekt in Indien spannende Funde unter den Pompeji-ähnlichen Aschenschichten des Ausbruchs gemacht.

Homo sapiens schon vor 74.000 Jahren in Indien
Das sieben Jahre laufende Projekt unter Leitung von Wissenschaftlern der Universität von Oxford führte Ausgrabungen in verschiedenen Regionen Indiens durch und sucht dabei gezielt nach menschlichen Überresten, Steinwerkzeugen und anderen Spuren ihres Daseins. Eines der ersten Ergebnisse des Projekts: Die damals in dieser Region lebende Menschenart könnte bereits zur Art Homo sapiens und damit zum anatomisch modernen Menschen gehört haben.

Während in Europa der Homo sapiens erst vor rund 40.00 Jahren seinen älteren „Vetter“ den Neandertaler ablöste, stammen die in Indien gefundenen Steinwerkzeuge aller Wahrscheinlichkeit nach von modernen Menschen. Sie gleichen in vielen charakteristischen Merkmalen den an Homo sapiens-Lagerstätten in Afrika gefundenen Werkzeugen.

„Obwohl wir noch nach menschlichen Fossilien suchen, um endgültige Belege zu haben, sind wir durch die technologischen Ähnlichkeiten ermutigt“, erklärt Michael Petraglia, Leiter des Projekts an der Universität von Oxford. „Dies deutet darauf hin, dass menschliche Populationen in Indien schon vor 74.000 Jahren präsent waren, das ist rund 15.000 Jahre früher als nach einigen genetischen Datierungen erwartet.“

Mehr Überlebende als gedacht
Und noch ein wichtiges Ergebnis ergaben die Ausgrabungen: Der Ausbruch des Toba scheint möglicherweise weniger dramatische Folgen für die Lebenswelt der damaligen Zeit gehabt zu haben, als vielfach angenommen. So finden sich die gleichen Steinwerkezuge sowohl vor, als auch nach der Eruption abgelagerten Schichten wieder. Nach Ansicht der Forscher spricht dies dafür, dass die Hersteller dieser Werkzeuge die Katastrophe überlebt haben müssen. Dies stimmt mit Funden überein, die ein Überleben auch der Neandertaler in Europa und der „Hobbits“ auf der Insel Flores belegen.

Schnelle Erholung einiger ökologischer Nischen
Die Funde in Indien deuten zudem darauf hin, dass es zum Zeitpunkt der Katastrophe ein Mosaik von ökologischen Nischen gab, von denen einige sich nach dem Ausbruch sehr schnell erholten. Im Höhlenkomplex der Billasurgam Caves in Andhra Pradesh entdeckten die Wissenschaftler Knochen zahlreicher Tiere, darunter von Wildrindern, Raubtieren und Affen, deren Alter von 100.000 Jahren bis in die Gegenwart reicht. Auch Pflanzenmaterial fand sich in den Höhlen.

„Diese aufregende neue Information stellt die Idee in Frage, dass die Toba-Supereruption eine weltweite Umweltkatastrophe ausgelöst hat”, erklärt Petraglia. „Das heißt nicht, dass es keine ökologischen Folgen gab. Wir haben Belege dafür, dass die Asche kurzzeitig Vegetationsgemeinschaften unterbrach. Und auf jeden Fall wurden Süßwasserquellen verschüttet oder verschmutzt, so dass Tiere und vielleicht auch Menschen Schaden nahmen.“

Die jetzt im Rahmen einer Konferenz in Oxford vorgestellten Funde und Schlussfolgerungen geben jedoch auf jeden Fall Anlass zu neuen Debatten über die Folgen der Toba-Eruption und ihre Auswirkungen auf die Menschheitsentwicklung.
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