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Samstag, 11.02.2012
Riesendinos kauten nicht, sie schlangen
Schädelfunde einer bisher unbekannten Sauropodenart geben wertvolle Einblicke in Nahrungsgewohnheiten
Gleich vier Schädel einer zuvor unbekannten Dinosaurierart haben amerikanische Paläontologen jetzt in Utah entdeckt. Sie zeigen unter anderem, dass die Sauropoden, die großen, langhälsigen Pflanzenfresser der Kreidezeit ihre Nahrung vermutlich nicht kauten, sondern meist im Ganzen herunterschlangen. Da von den Sauropoden bisher fast nur schädellose Skelette bekannt sind, geben die Funde wertvolle Einblicke in die Nahrungsgewohnheiten und Evolution dieser Dinogruppe.

Abydosaurus mcintoshi
Abydosaurus mcintoshi
© Michael Skrepnick / Brigham Young University Abydosaurus mcintoshi
„Wir haben Schädel“ – mit diesem Ausruf sorgte Daniel Chure, Paläontologe am Dinosaur National Monument nahe Vernal in Utah für eine Sensation. Denn was er und seine Kollegen in dem 105 Millionen Jahre alten Sandstein des Nationalparks entdeckten, war eine Seltenheit: gleich vier gut erhaltene und intakte Schädel einer bisher unbekannten Sauropodenart, den großen, langhälsigen Pflanzenfressern der Kreidezeit. Bisher kennt man die meisten Sauropoden nur vom Hals an abwärts, denn von den 120 bekannten Arten sind gerade einmal acht mitsamt Schädeln gefunden worden.

Schädelfund mit Seltenheitswert
„Ihre Köpfe sind leichter als die von Säugetieren, weil sie weit außen am Ende von sehr langen Hälsen sitzen“, erklärt Brooks Britt, Paläontologe der Brigham Young Universität die Anatomie der Sauropoden. „Anstatt von dicken, verschmolzenen Knochen, bestehen Sauropodenschädel nur aus dünnen Knochen, die nur durch Bindegewebe miteinander verbunden sind. Normalerweise zerfällt dieses kurz nach dem Tod und desintegriert.“ Dadurch verliert auch der Schädel insgesamt seinen Zusammenhalt und ist entsprechend selten vollständig konserviert.

Anders jedoch beim Abydosaurus mcintoshi, benannt nach Abydos - dem Ort, an dem der ägyptischen Sage nach Kopf und Hals des Gottes Osiris begraben sein sollen - und dem amerikanischen Paläontologen Jack McIntosh. Der steinharte Sandstein hatte gleich vier Schädel von Jungtieren dieser Art mitsamt allen Knochen und Zähnen konserviert. Die Analyse der Knochen zeigte, dass die vor 105 Millionen Jahren lebenden Tiere nahe Verwandte des 45 Millionen Jahre älteren Brachiosaurus sind.

Geologie-Professor Brooks Britt
Geologie-Professor Brooks Britt
© Brigham Young University Geologie-Professor Brooks Britt
Schlingen statt kauen
Die Abydosaurus-Schädel geben aber auch wichtige Hinweise darauf, wie die größten Landtiere ihrer Zeit ihre Nahrung zu sich nahmen: „Sie kauten ihre Nahrung nicht, sie schnappten einfach danach und verschluckten sie“, erklärt Britt. „Die Schädel nehmen nur ein Zweihunderstel des gesamten Körpervolumens ein und ihnen fehlt ein komplexes Kausystem.“

Zähne bilden Zwischenform
Einen ganz neuen Einblick in die Fressgewohnheiten, aber auch die Sauropodenevolution, geben die Zähne der Abydosaurier: Noch im Jurazeitalter, das vor rund 200 Millionen Jahren begann und vor rund 145 Millionen Jahren von der Kreidezeit abgelöst wurde, gab es unter den Sauropoden eine große Vielfalt an Zahnformen. Gemeinsam war ihnen allen nur, dass ihre Zähne während ihrer Lebenszeit kontinuierlich nachwuchsen.

Gegen Ende der Kreidezeit jedoch hatte sich diese Vielfalt bis auf nur noch einen Typ reduziert: Alle Sauropoden besaßen dünne, stiftförmige Zähne, der Trend ging darüber hinaus zu immer kürzeren Zahnreihen. Abydosaurus jedoch, das zeigen die neu entdeckten Schädel, besaß Zähne, die zwar schon den Trend hin zu weniger und dünneren Formen widerspiegeln, bildet aber einen Zwischenzustand. Er ist damit ein wichtiges Bindeglied in der Evolution der Sauropoden.

Die Details der Funde sind jetzt in der Fachzeitschrift „Naturwissenschaften” erschienen.
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