Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Haupthürde für Einsatz von Germanium-Halbleitern geknackt
Neues Verfahren verhindert wandernde Atome nach Dotierung
Mit Germanium als Halbleiter könnte man höhere Schaltgeschwindigkeiten und kleinere Bauteile als mit Silizium erreichen - theoretisch. Praktisch jedoch scheiterte der Einsatz bisher, weil die Dotierung Probleme bereitete. Jetzt haben Physiker gleich zwei neue Verfahren entwickelt, um die störende Wanderung von Phosphoratomen im Germanium nach der Dotierung zu unterbinden.

Germanium im Rohzustand
Germanium im Rohzustand
© GFDL Germanium im Rohzustand
Mit Germanium und einigen andere Halbleitern könnte man höhere Schaltgeschwindigkeiten als mit Silizium erreichen. Germanium ist besonders attraktiv, da es sich gut in existierende technologische Abläufe integrieren ließe. Es war das Grundmaterial der ersten Transistor-Generationen, bevor es Ende der 1960er Jahre von Silizium abgelöst wurde. Der Grund dafür waren die exzellenten elektronischen Eigenschaften der Grenzfläche zwischen dem Halbleiter Silizium und seinem passivierenden und isolierenden Oxid. Dieser Vorteil kann jedoch bei weiterer Verkleinerung der Transistoren im integrierten Schaltkreis nicht mehr genutzt werden, da dann das Oxid durch sogenannte high-k Materialien ersetzt werden muss. Damit stellt sich auch die Frage nach dem Grundmaterial neu.

Ausheilung lässt Atome wandern
Die Verwendung von Germanium statt Silizium als Grundmaterial für elektronische Schalter würde die Herstellung von schnelleren Chips mit einem höheren Integrationsgrad ermöglichen. Jedoch gibt es dabei noch eine Reihe von Problemen zu lösen. Prinzipiell müssen für die Produktion von Transistoren Fremdatome in den Halbleiter implantiert werden, um ihn gezielt leitfähig zu machen. Dadurch wird jedoch das Material geschädigt und es muss mit Hilfe einer Wärmebehandlung, Ausheilung genannt, wieder repariert werden. Erst dann erhölt es die gewünschten elektrischen Eigenschaften.

Während mit diesen Methoden so genannte p-Kanal-Transistoren (PMOS) auf Germanium-Basis bereits mit entsprechend geringen Abmessungen hergestellt werden können, ist das für n-Kanal-Transistoren (NMOS) bisher noch nicht gelungen. Man scheiterte daran, dass Phosphor-Atome sich im Germanium bei der Ausheilung zu stark im Material verteilen.

Ultrakurze Lichtblitze gegen Umverteilung
Physiker vom Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD) haben nun eine spezielle Ausheil-Methode entwickelt, mit der nach der Ionen-Implantation von Phosphor in Germanium die Qualität des Germanium-Kristalls wiederhergestellt wird. Dazu wurde die Germanium-Probe mit einem kurzen Lichtblitz von nur wenigen Millisekunden Länge erhitzt. Dieser Zeitraum ist zu kurz für die sonst bei der Ausheilung beobachtete Diffusion der Phosphor-Atome. Die gefürchtete starke Umverteilung der Phosphor-Atome blieb aus.

Verwendung von Germanium in einem CMOS-Schaltkreis.
Verwendung von Germanium in einem CMOS-Schaltkreis.
© FZD Verwendung von Germanium in einem CMOS-Schaltkreis.
Protonen statt Licht geht auch
Eine alternative Methode zur Unterdrückung der Diffusion von Phosphor in Germanium hat zeitgleich weiteres FZD-Team untersucht, dem neben anderen Wissenschaftlern aus Deutschland auf Kollegen aus Dänemark und den USA angehörten. Die Forscher erhitzen die Probe nach der Ionen-Implantation von Phosphor in Germanium und bestrahlten sie dann nicht mit Licht sondern mit Protonen. Es zeigte sich, dass die Protonen-Bestrahlung ebenfalls zu einer Reduktion der Phosphor-Diffusion führte. Die Ergebnisse dieser Experimente werden mit dem Einfluss bestimmter Gitterdefekte erklärt, die jene Leerstellen, welche für die Beweglichkeit der Phosphor-Atome verantwortlich sind, vernichten.

Die Experimente der Rossendorfer Physiker und ihrer Kollegen zeigen, dass es durchaus möglich ist, auf Germanium-Basis n-Kanal-Transistoren (NMOS) herzustellen, deren Abmessungen dem fortgeschrittensten Integrationsgrad entsprechen. Die Ergebnisse wurden in den Fachzeitschriften "Applied Physics Letters" und "Physical Review Letters" veröffentlicht.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Halbleiter, Germanium, Dotierung, Atome, Transistoren, Mikroelektronik, Phosphor, Protonen, Ausheilung, Technik, Elektronik, Materialforschung, Physik
Weitere News zum Thema
Nano-Antenne ermöglicht Terahertz-Scanner im Handyformat (24.01.2012)
Nanotechnologie und Nanofabrikation sorgen für Durchbruch bei der Erzeugung von Terahertzstrahlen
Nanodraht erweist sich als überraschend leitfähig (06.01.2012)
Forscher erzeugen erstmals effektiven Stromleiter im Atommaßstab
Forscher machen CMOS-Bildsensoren schneller (03.01.2012)
Neues Bauteil ermöglicht schnelleres Auslesen der Bildinformationen
„Lebensdauer“ von Elektronen in Graphen bestimmt (02.12.2011)
Forscher legen neue Erkenntnisse zu den grundlegenden physikalischen Eigenschaften des Materials vor
Hoher Druck macht Wasserstoff metallisch (21.11.2011)
Element leitet bei 2,7 Megabar Strom und wird möglicherweise zu einer Quantenflüssigkeit
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Atome
Elektronen
Nanoröhrchen
Smart Plastics
Neurocomputer
Quantencomputer
Dossiers zum Thema
Das Geheimnis des richtigen Spins
Auf der Suche nach ferromagnetischen Halbleitern für elektronische Bauteile
Smarte Kunststoffe und flexible Chips
Polytronik auf dem Vormarsch
Smart Dust
Die unsichtbaren Computernetze der Zukunft
Computer der Zukunft
Rechnen mit Quanten, Licht und DNA
Intelligente Kleidung
Hightech-Textilien auf dem Vormarsch
Nanoröhrchen
Kohlenstoffwinzlinge als Bausteine für Computer der Zukunft
Auf dem Weg zum künstlichen Gehirn?
Wissenschaftler arbeiten an Computern nach dem Vorbild des Gehirns
News des Tages
Gammastrahlen-Jet auf krummer Bahn
Genvergleich: Desmond Tutu versus Buschmann
Neue Hoffnung auf einen HIV-Impfstoff
Erste Ur-Sterne außerhalb der Milchstraße aufgespürt
Das Rätsel der sanften Männchen und "Macho"-Weibchen
Computer repariert sich selbst
Haupthürde für Einsatz von Germanium-Halbleitern geknackt
Bücher zum Thema
Die Welt hinter den Dingen
von Ludwig Schultz und Hermann- Friedrich Wagner
Nanotechnologie für Dummies
Spannende Entdeckungen aus dem Reich der Zwerge von Richard D. Booker und Earl Boysen
Faszination Nanotechnologie
von Uwe Hartmann
Das Affenpuzzle
Und weitere bad news aus der Computerwelt von David Harel
Die Wunder maschine
Die unendliche Geschichte der Daten- verarbeitung von Herbert Matis
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes