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Samstag, 27.05.2017
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Dicke Vögel starten durch

Schwere Zugvögel legen kürzere Zwischenstopps ein

Fettpölsterchen im Frühling sind des einen Leid, des anderen Freud: Zugvögel mit mehr Speck auf den Rippen kommen mit weniger Zwischenstopps aus als ihre dünneren Artgenossen. Das zeigt eine jetzt in der Zeitschrift „Biology Letters“ veröffentlichte Studie an mit Sendern bestückten Gartengrasmücken. Dicke Vögel ziehen meist nach einer Nacht schon weiter, dünne Vögel aber müssen im Schnitt knapp zwei Tage verweilen.
Gartengrasmücke mit Sender

Gartengrasmücke mit Sender

Kleine Zugvögel wie die Gartengrasmücke sind bei ihrem Weg von den Überwinterungs- zu den Brutgebieten auf Zwischenstopps angewiesen. Nach größeren ökologischen Barrieren wie zum Beispiel einer Wüste oder einem Meer müssen sie landen, um ihre Fettreserven aufzutanken. Wie lange sie dabei jeweils verweilen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Jetzt haben Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und ein Team italienischer Kollegen unteruscht, welche Rolle das Körpegewicht und damit der Ernährungszustand der Vögel spielt.

Die Forscher statteten dafür zehn dicke und zehn dünne Gartengrasmücken, die morgens auf ihrem Weg in den Norden auf der italienischen Insel Ventotene landeten, mit temporär haftenden Radiosendern aus. Dann kontrollierten sie in regelmäßigen Abständen, ob das Signal, das von den Sendern ausging, noch auf der Insel zu hören war. Neun der zehn dicken Vögel flogen in der folgenden Nacht weiter, die dünnen Vögel jedoch blieben im Schnitt über 40 Stunden auf der Insel, bevor sie sich wieder auf den Weg machten. Dicke Gartengrasmücken müssen demnach auf ihrer Reise zu den Brutgebieten weniger lange Zwischenstopps einlegen, um ihre Energiereserven aufzutanken.

„Wir gehen davon aus, dass die meisten Vögel am gleichen Morgen auf der Insel ankamen, an dem wir sie gefangen haben", berichtet Wolfgang Goymann vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen. „Aber auch wenn dem nicht so sein sollte, zeigen unsere Daten deutlich, dass dicke Gartengrasmücken nur auf den Einbruch der nächsten Nacht warten, bevor sie weiterziehen. Die Dünnen müssen hingegen warten, bis sie sich wieder ausreichende Reserven angefressen haben."


Die Dauer eines Zwischenstopps ist demnach nicht nur von Umweltfaktoren wie Wind- und Wetterverhältnissen oder einem genetisch programmierten inneren Drang beeinflusst. Die Unterhaut-Fettreserven sind die Hauptursache für die individuell unterschiedliche Dauer der Zwischenstopp-Aufenthalte während des Vogelzuges.

Die Daten belegen aber auch die Wichtigkeit ökologisch intakter Rastgebiete. Nur Gebiete mit einem ausreichenden Angebot an Insekten, Nektar und Blütenstaub erlauben den Zugvögeln, ihre Energiereserven schnell wieder aufzutanken, um schnell und zuverlässig ins Brutgebiet weiter zu ziehen. Denn wer früh im Brutgebiet ankommt, kann sich die besten Nistplätze sichern.
(Max-Planck-Gesellschaft, 17.02.2010 - NPO)
 
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