Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 11.02.2012
Nanoröhrchen teilt Elektronenpaare
Erste Trennung von verschränkten Elektronen durch den Einsatz von Kohlenstoff-Nanoröhren
Physiker haben erstmals nicht Photonen sondern Elektronen so voneinander getrennt, dass diese weiterhin „verschränkt“ geblieben sind. Kohlenstoff-Nanoröhrchen dienten dabei als Teiler im Elektronenstrahl. Mit dieser jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlichten Trennung gelang ein wichtiger Schritt hin zur Entwicklung von Quantencomputern und Quantenkommunikation.

Die Versuchsanordnung im Rahmen der Experimente
Die Versuchsanordnung im Rahmen der Experimente
© Universität Regensburg Die Versuchsanordnung im Rahmen der Experimente
Nach den Grundsätzen der Quantenmechanik können zwei mikroskopisch kleine Objekte miteinander auf komplexe Art und Weise verbunden sein auch wenn sie räumlich voneinander getrennt werden. Stört man dann das eine Objekt, wird dieses beim anderen messbar. Da die beiden Objekte dabei keine Information untereinander austauschen, scheinen die Teilchen den Messprozess des jeweils anderen bereits vor dessen Eintreten zu kennen. Die Werte der Messungen für die beiden Teilchen sind trotz der räumlichen Trennung streng korreliert sind. Dieser nach den Physikern Einstein, Podolski und Rosen benannte EPR-Effekt könnte sich theoretisch für die Übermittlung und Verschlüsselung von Daten nutzen lassen.

Quantencomputer bräuchten verschränkte Elektronen
Für die Entwicklung von Quantencomputern ist jedoch eine stärkere Wechselwirkung erforderlich als sie bisher zwischen Photonen nachgewiesen worden ist. Gut geeignet wäre eine Verschränkung von Elektronen in einem Festkörper, doch diese ist bisher noch nicht ausreichend experimentell nachgewiesen worden. Ein bedeutender Schritt in die richtige Richtung ist nun jedoch einem internationalen Forscherteam gelungen, an dem neben Forschern der Universität Regensburg um Professor Christoph Strunk und Lorenz Herrmann vom Institut für Experimentelle und Angewandte Physik auch Wissenschaftler aus Frankreich und Spanien beteiligt waren. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass sich quantenmechanisch verschränkte Elektronen in Festkörpern räumlich voneinander trennen lassen.

Nanoröhren als „Strahlteiler“
Für ihre Arbeit griffen die Forscher auf Kohlenstoff-Nanoröhren zurück. Im Rahmen ihrer Experimente ließen die Forscher verschränkte Elektronen - so genannte Cooper-Paare - über eine Supraleiter-Brücke fließen, bis diese eine Kohlenstoff-Nanoröhre erreichten, die dann als elektronisches Äquivalent eines Strahlenteilers diente. In verschiedenen Fällen trennten sich daraufhin die Elektronen und wurden zu den unterschiedlichen Messpunkten geleitet.

Elektronen getrennt, Nachweis der Verschränkung als nächstes
Damit isteine erste Hürde zum experimentellen Nachweis des EPR-Effekts erreicht: Die potenziell verschwänkten Elektronen wurden räumlich getrennt. Ob diese Elektronen nun allerdings tatsächlich weiterhin verbunden sind, muss in einem nächsten Schritt noch nachgewiesen werden. Derzeit wird global an diesem experimentellen Nachweis gearbeitet, der einen herausragenden Durchbruch in der Quantenphysik darstellen würde. Die Gruppe der Regensburger Physiker liegt dabei sehr gut im Rennen.

Quantencomputer sind derzeit noch hypothetische Rechner, die aber in der Lage wären, komplexe Rechenoperationen in einem Bruchteil der Zeit eines herkömmlichen Computers zu erledigen. Die jüngsten Ergebnisse des internationalen Forscherteams bieten darüber hinaus vielfältige Perspektiven für die Analyse quantenmechanischer Effekte in Festkörper-Systemen.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Nanoröhrchen, Elektron, Quantenphysik, Verschränkung, Experiment, Teilchen, Quantenmechanik, EPR-Effekt, verschränkt, Quanten, Physik
Weitere News zum Thema
Nano-Endoskop ermöglicht Blick in die lebende Zelle (28.12.2011)
Neues Verfahren kann Wirkstoffe gezielt ins Zellinnere einschleusen
Leichtestes Metall der Welt besteht zu 99,99 Prozent aus Luft (21.11.2011)
Gitter aus hohlen Metallröhrchen macht Material leicht und stabil zugleich
Nanoröhrchen „stehlen“ Grünalgen Licht (07.11.2011)
Forscher untersuchen Auswirkungen von Nanopartikeln auf Ökosysteme in Gewässern
Nanoröhrchen täuschen Zellen (19.09.2011)
Ursache für gesundheitsschädliche Wirkung von Asbest und Nanofasern auf Gewebe aufgeklärt
Nanoröhrchen als Gas-Sensoren (17.08.2011)
Wissenschaftler des TRM Leipzig entdecken neue Eigenschaft von Nanoröhrchen
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Atome
Elektronen
Nanoröhrchen
Quantencomputer
Dossiers zum Thema
Duell in der Quantenwelt
Wie Quanten Information verarbeiten
Quantencomputer
Tops und Flops beim Rechnen mit den kleinsten Teilchen
Computer der Zukunft
Rechnen mit Quanten, Licht und DNA
Nanoröhrchen
Kohlenstoffwinzlinge als Bausteine für Computer der Zukunft
Nanotechnologie
Baukastenspiele im Reich des Allerkleinsten
News des Tages
Forscher rekonstruieren DNA eines ausgestorbenen Menschen
Milchstraße: Heimcomputer errechnen dreidimensionales Modell
Krebs: „Ur-Gen“ entdeckt
Spritzmittel bedrohen Artenvielfalt in Europa
Nanoröhrchen teilt Elektronenpaare
Interaktiver Krebs-Atlas Deutschland online
Skilanglauf: Was macht die Sieger aus?
Bücher zum Thema
Sie irren, Einstein!
Newton, Einstein, Heisenberg und Feynman diskutieren die Quantenphysik von Harald Fritzsch
Einsteins Spuk
Teleportation und weitere Mysterien der Quantenphysik von Anton Zeilinger
Skurrile Quantenwelt
von Silvia Arroyo Camejo
QED
Die seltsame Theorie des Lichts und der Materie von Richard P. Feynman
Das elegante Universum
Superstrings, verborgene Dimensionen und die Suche nach der Weltformel von Brian Greene
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Jeder Vierte stirbt an Krebs
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes