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Sonntag, 14.03.2010
Pestizid-Cocktail im Salat?
Greenpeace entdeckt nicht zugelassene Substanzen
Kopfsalat und Rucola sind häufig noch immer mit Rückständen von Pestiziden belastet. Dies hat eine neue Greenpeace-Untersuchung von Ware aus Supermärkten und von Discountern gezeigt. Die Salat-Tester fanden dabei in 29 von 36 Proben Reste von Spritzmitteln. Elf der 21 Kopfsalate und vier der zwölf Rucola-Proben aus konventionellem Anbau hält Greenpeace sogar für „nicht empfehlenswert“.

Rucola
Rucola
© USDA
„Unser Test zeigt, dass nur ein Kopfsalat und drei Rucola-Proben aus konventionellem Anbau unbelastet sind. Das sind zu wenige“, sagt Manfred Santen, Chemie-Experte von Greenpeace. „Im Winter sind Blattsalate Risikoprodukte: Sie werden in Treibhäusern zumeist überdüngt und stark gespritzt.“

Das beauftragte Labor fand in drei Proben sogar Pestizide, die gesetzlich zugelassene Höchstmengen überschreiten. Diese Ware darf nicht verkauft werden. Besonders stark belastet sind laut Greenpeace Proben aus Italien und Belgien, deutsche und spanische Produkte schneiden besser ab. Außerdem wurde die Umweltschutzorganisation bei Wirkstoffen fündig, die von der staatlichen Lebensmittelüberwachung nicht kontrolliert werden, wie das Fungizid Thiram in einem Salat aus den Niederlanden.

Strafanzeige gegen Tengelmann
Greenpeace hat darüber hinaus Strafanzeige gegen Tengelmann erstattet, da dort in Kopfsalat die Akute Referenzdosis (ARfD) eines Pestizids überschritten wurde. Sein Verzehr kann zur gesundheitlichen Gefährdung insbesondere von Kindern führen. Die Chemiker entdeckten zudem Wirkstoffe, die in der EU nicht zugelassen sind, wie das als Nervengift wirkende Tolclofos-Methyl. Neben italienischer Ware ist auch ein Kopfsalat aus Deutschland betroffen. Greenpeace forderte daraufhin eine lückenlose staatliche Kontrolle für die Pestizid-Rückstände in Salaten.

Laut Greenpeace werden heutzutage zunehmend mehrere Pestizide eingesetzt, um die Überschreitung der Höchstmenge bei einem einzigen Stoff zu vermeiden. Diese „Cocktails“ enthalten dann mehrere gesundheitsgefährdende Wirkstoffe. „Auf einigen Salatblättern werden bis zu 15 verschiedene Pestizide gefunden, bei Rucola sind es bis zu sechs“, erklärt Santen. Zudem enthalten viele Proben stark erhöhte Nitratwerte. Nitrate können sich im Körper in krebserzeugende Nitrosamine umwandeln.

Bio-Rucola kaum belastet
Bio-Rucola ist dagegen laut Greenpeace kaum belastet. Untersucht wurden drei Proben aus Italien, zwei sind mit einem Pestizid verunreinigt. Die Messwerte sind nach Angaben der Umweltschutzorganisation deutlich niedriger als in konventioneller Ware und liegen unter den für Bioprodukte empfohlenen Höchstmengen. Bio-Kopfsalate boten die Supermärkte im Untersuchungszeitraum nicht an.

Greenpeace-Mitarbeiter kauften im Januar in Supermärkten in Hamburg, Köln/Bonn, Dresden, München und im Frankfurter Raum Kopfsalate und Rucola. Die Proben überprüfte ein für die Untersuchung von Pestizidrückständen in Lebensmitteln zertifiziertes Speziallabor auf über 350 verschiedene Pestizidrückstände. Auffällige Befunde analysierte dann ein zweites, ebenfalls für diese Untersuchungen zertifiziertes Labor.

Verbraucher sollten nicht vor Salat zurückschrecken
Der Industrieverband Agrar (IVA) hat in einer ersten Stellungnahme die Greenpeace-Aussage Salate seien im Winter „Risikoprodukte“ als überzogen zurückgewiesen. Grundlage der Greenpeace-Einschätzung sind laut IVA lediglich „36 Zufallskäufe“.

„Es ist keine Frage, dass drei Höchstmengen-Überschreitungen genau drei Höchstmengen-Überschreitungen zu viel sind. Deshalb jedoch den Verbrauchern von einem gesunden Lebensmittel wie Salat abzuraten, ist überzogen. Denn die gesetzlichen Grenzwerte sind keine toxikologischen Höchstwerte, sondern Handelsnormen, die mit sehr hohen Sicherheitsfaktoren berechnet sind. Eine Überschreitung der Akuten Referenzdosis darf allerdings nicht vorkommen“, erklärte Volker Koch-Achelpöhler von der IVA.

Regelmäßige Kontrollen
Wenn Greenpeace eine „lückenlose staatliche Kontrolle für die Pestizid-Rückstände“ fordere, werfe die Umweltschutzorganisation den Behörden damit indirekt Untätigkeit vor. Der am 4. Januar 2010 veröffentlichte Jahresbericht zu Pflanzenschutzmittel-Rückständen des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zeige aber ein anderes Bild: 2008 wurden bei den regelmäßigen Kontrollen 17.000 Proben untersucht, und im Ergebnis finden sich immer weniger Rückstände.
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