• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 21.07.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Laser vertreibt Nackenschmerzen

Studie: Bessere Resultate als bei bisherigen Therapien

Der Einsatz von so genannten Softlasern könnte chronische Nackenschmerzen wirksam behandeln: Dies das Ergebnis einer Studie, über die jetzt die Fachzeitschrift „The Lancet“ berichtet. Die Methode arbeitet mit gebündelten Lichtstrahlen, die zu schwach sind, um im Gewebe eine spürbare Erwärmung auszulösen, und hat nach Angaben der Wissenschaftler bessere Resultate erzielt als gebräuchliche Therapien.
Laserlicht

Laserlicht

„Das ist eine überraschende und vielleicht auch eine gute Nachricht“, kommentiert die Würzburger Neurologin und Schmerzforscherin Professor Claudia Sommer von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie die Untersuchung. In der Übersichtsarbeit, in der 16 Studien mit insgesamt 820 Patienten analysiert worden waren, schnitten niederenergetische Laserstrahlen besonders im Vergleich mit schmerzstillenden Medikamenten günstig ab.

Nackenschmerzen weit verbreitet


„Nackenschmerzen sind in der Bevölkerung weit verbreitet und verursachen zudem enorme wirtschaftliche Schäden, jedoch fehlte es bislang an wissenschaftlich gesicherten, wirksamen Therapien“, so Sommer weiter. „Bevor die Softlaser in der neurologischen Praxis Einzug halten, sollten die neuen Erkenntnisse allerdings in einer hochwertigen größeren Einzelstudie überprüft werden.“ Zwischen zehn und 24 Prozent der Bevölkerung sind von chronischen Nackenschmerzen betroffen. Als chronisch bezeichnet man diese Schmerzen, wenn sie länger als drei Monate andauern.

Neurologen und Nervenärzte versorgen jährlich hunderttausende Schmerzpatienten, bei denen häufig Begleiterkrankungen wie Depression oder Angsterkrankungen auftreten. Diese Ärzte ziehen dabei traditionell konservative Therapiemethoden - also Behandlungen ohne chirurgische Eingriffe - vor, und versuchen dabei, Injektionstherapien zu vermeiden.


Widersprüchliche Daten hatten zu Skepsis geführt


Vertreter der Schulmedizin standen dem Einsatz niederenergetischer Laserstrahlen - im englischen Low-Level-Laser-Therapy, LLLT - bisher eher skeptisch gegenüber. Die auch als „Softlaser“ oder „Kalte Laser“ bekannten Geräte sind wegen ihrer angeblich durchblutungsfördernden und entzündungshemmenden Wirkung unter Alternativmedizinern sehr beliebt.

In Studien der angesehenen Cochrane-Collaboration fand sich aber bislang kein Beleg für den Nutzen der Methode gegen Rückenschmerzen oder gegen Rheuma. Zur LLLT gegen Nackenschmerzen waren die Ergebnisse widersprüchlich, was Roberta T. Chow vom Brain and Mind Research Institute der Universität Sydney, Australien, für eine systematische Neubewertung zum Anlass nahm.

Zahlreiche Erfolgsnachweise


Zusammen mit australischen und norwegischen Kollegen hat Chow zunächst aus 490 Literaturhinweisen 16 Studien mit 820 Teilnehmern ausgesiebt, bei denen die LLLT gegen unspezifische Nackenschmerzen erprobt worden war, und die strengen wissenschaftlichen Kriterien genügten. Dabei fanden die Forscher lediglich zwei Studien bei denen auch der akute Nackenschmerz behandelt worden war. Bei diesen beiden Untersuchungen besserten sich die Nackenschmerzen unter der Lasertherapie zu 69 Prozent häufiger als mit einer Scheinbehandlung. Zum chronischen Nackenschmerz fanden Chow und Kollegen fünf Studien, bei denen der Erfolg der Behandlung kategorisch erfasst wurde (Ja / Nein). Hier war die Lasertherapie vier Mal häufiger wirksam als die Scheinbehandlung.

Weitere elf Studien zu chronischen Nackenschmerzen hatten die Schmerzlinderung anhand 100-teiliger visueller Analogskalen bewertet. In jeder einzelnen dieser Untersuchungen zeigte sich die Laserbehandlung nach Angaben der Wissenschaftler tendenziell überlegen. In der Zusammenfassung errechneten Chow und Kollegen eine durchschnittliche Verbesserung um 19,86 Punkte.

Anhand der sieben Studien mit Folgeuntersuchungen bis zu 22 Wochen nach der Behandlung ergab sich, dass der Erfolg auch mittelfristig anhielt mit einer Schmerzreduktion von 22,07 Punkten. Die Nebenwirkungen der LLLT waren dabei ebenso mild wie die unter einer Scheinbehandlung, schreiben Chow und Kollegen in The Lancet.

Weitere Studien nötig


„Die Ergebnisse der niederenergetischen Lasertherapie sind im Vergleich zu anderen gebräuchlichen Therapien besser - insbesondere gegenüber medikamentösen Interventionen, für die es nur spärliche Beweise gibt, aber viele Nebenwirkungen“, schreiben die Wissenschaftler.

„Der Direktvergleich zu medikamentösen und anderen Therapieformen, z.B. den häufig verwendeten Injektionstherapien oder Physiotherapie, wäre allerdings noch zu erbringen“, meint Sommer.

In einem Kommentar, den Jaime Guzman von der Universität Vancouver in der gleichen Ausgabe von The Lancet veröffentlichte, bescheinigt der Assistenzprofessor für Physiotherapie und Rehabilitation seinen Kollegen, dass deren Meta-Analyse sauber und anhand der geltenden Standards durchgeführt wurde. Die Wirkweise der Lasertherapie sei zwar noch immer unklar und müsse weiter untersucht werden. „Dennoch ist die Beweislage für die LLLT gegen Nackenschmerzen solider als für viele andere Interventionen“, so Guzman.
(idw - Deutsche Gesellschaft für Neurologie, 01.02.2010 - DLO)
 
Printer IconShare Icon