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Samstag, 20.03.2010
Kleines Gehirn der „Hobbit”-Menschen doch normal?
Entwicklung kleinerer statt größerer Gehirne mehrfach innerhalb der Primaten nachgewiesen
Warum hatten die „Hobbit”-Menschen der indonesischen Insel Flores so kleine Gehirne? Waren sie krank? Eine jetzt in der Fachzeitschrift „BMC Biology“ erschienene Studie belegt, dass es innerhalb der Primatenevolution durchaus Ausnahmen vom Trend zu immer größeren Gehirnen gab. Homo floresiensis muss demnach keine krankhafte Missbildung gehabt haben, sondern könnte eine natürliche Anpassung an seine Insel-Umwelt darstellen.

Homo floresiensis und Homo sapiens
Homo floresiensis und Homo sapiens
© BMC Biology Homo floresiensis und Homo sapiens
Vor fünf Jahren entdeckten Forscher auf Flores Fossilien eines extrem kleinen Menschentyps, der spannenderweise noch bis vor rund 12.000 Jahren neben dem normalen Homo sapiens existiert haben muss. Aber ist Homo floresiensis, mit Spitznamen auch „Hobbit“ genannt, wirklich eine eigene Menschenart, oder handelt es sich hier nur um missgebildete oder kranke Exemplare des modernen Menschen? Über diese Frage wird seit Jahren gestritten.

Evolutive Trends in den Primaten analysiert
Jetzt haben Forscher der Universitäten von Cambridge und Durham untersucht, wie das extrem kleine Gehirnvolumen des „Hobbits“ zu erklären sein könnte – und ob es vielleicht evolutionäre Trends für eine Verkleinerung des Gehirns und der Körpergröße in bestimmten Entwicklungslinien innerhalb der Primaten gibt. Für ihre Studie werteten sie erneut die bisher in der Literatur veröffentlichten Daten zu lebenden und ausgestorbenen Primatenarten aus und rekonstruierten daraus Muster der Gehirn- und Körpergrößenentwicklung der Primaten.

Gehirnvolumen und Körpergröße nicht zwangsweise gekoppelt
Ihre Auswertung ergab zwei wichtige Erkenntnisse: Zum einen scheint die Entwicklung von Körpergröße und Gehirnvolumen nicht zwangsweise miteinander verkoppelt zu sein: „Unsere Ergebnisse liefern robuste Bestätigung dafür, dass starke evolutionäre Trends die Vergrößerung des Primatengehirns gesteuert haben”, erklärt Nick Mundy, Zoologe der Cambridge Universität. Die Volumenzunahme des Gehirns begann schon bei den frühen Primaten und lässt sich in allen größeren Gruppen verfolgen. Das deutet auf einen starken Selektionsdruck in diese Richtung hin.

„Im Gegensatz dazu zeigt die Entwicklung der Körpergröße keinen solchen durchgehenden Trend zum Zuwachs. Das deutet darauf hin, dass Gehirn und Körpermasse verschiedenen Selektionsdrucken ausgesetzt waren.“ Das bestätigt auch die Ergebnisse vorheriger Studien in anderen Gruppen des Tierreichs, die ebenfalls feststellten, dass diese oft stark korrelierten Merkmale durchaus Unterschiede in ihrem Entwicklungsmuster zeigen können.

Ausnahmen von der „immer größer“-Regel
Zum anderen zeigte sich, dass es bezüglich der Gehirnentwicklung durchaus Ausnahmen von der Regel des „immer größer“ gibt. Mundy und seine Kollegen identifizierten in jeder der großen Gruppen der Primaten mehrere Entwicklungslinien, in denen Gehirnvolumen und Körpergröße im Laufe der Evolution sogar abnahmen. Beispiele sind Pinselaffe und Mausmaki.

„Wir stellen fest, dass die Reduktion des Gehirnvolumens während der Evolution des Homo floresiensis verglichen mit diesen Primaten nicht ungewöhnlich ist“, so Mundy. „Ähnlich wie auch Studien über die Effekte des Inselzwergwuchses an anderen Säugetieren unterstützen diese Ergebnisse die Hypothese, dass das kleine Gehirn von Homo floresiensis an lokale ökologische Gegebenheiten auf der Insel Flores angepasst war.“
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