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Freitag, 10.02.2012
Fliegen vergessen wie Menschen
Forscher finden überraschende Parallelen im Gehirn von Insekten und Menschen
Ein deutsch-australisches Wissenschaftlerteam hat eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie die Aufmerksamkeit von Fliegen messen konnten. Ergebnis: Aufmerksamkeitsstörungen und Gedächtnisverlust bei Fliegen und Menschen ähneln sich verblüffend.

Fruchtfliege Drosophila
Fruchtfliege Drosophila
© USDA
Das neue Verfahren könnte dazu beitragen, nähere Erkenntnisse über Krankheiten wie Autismus oder Aufmerksamkeitsdefizit- bzw. Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) beim Menschen zu gewinnen.

Genetisches Taufliegen-Modellsystem
Professor Bruno van Swinderen am Queensland Brain Institute in Brisbane und Björn Brembs von der Freien Universität Berlin kombinierten in ihrer neuen Studie genetische Methoden mit Gehirnmessungen und Verhaltenstests. Die Biologen fanden dabei verschiedene Mutationen, die die Aufmerksamkeit der Fliegen entweder erhöhten oder verringerten.

Van Swinderen entdeckte mit dem genetischen Taufliegen-Modellsystem Drosophila melanogaster, dass der Grad der Ablenkbarkeit der Tiere fein darauf abgestimmt ist, das richtige Verhalten in der richtigen Situation zu zeigen.

„Wir haben eine Fliegenmutante mit Gedächtnisverlust, die kaum von einer Aufgabe abzulenken ist und eine, die sich zu leicht ablenken lässt. Für beide hat das die gleichen Folgen: Lernprobleme - aber aufgrund von völlig unterschiedlichen Ursachen, ganz ähnlich wie Menschen mit Autismus oder ADHS“, so van Swinderen.

„Ritalin“ hilft auch Fliegen
Die Forscher fütterten die Fliegen mit Methylphenidat, ein Mittel, das unter dem Markennamen „Ritalin“ für Patienten mit ADHS verschrieben wird. Dabei beobachteten sie, dass die Behandlung bei Fliegen ähnliche Effekte hatte wie beim Menschen: Es half den weniger aufmerksamen Fliegen, sich auf visuelle Reize zu konzentrieren.

„Dieses Ergebnis legt nahe, dass es biochemische Mechanismen im Fliegengehirn und im menschlichen Gehirn geben muss, die einander ähneln. Wir verfügen nun endlich ein reduktionistisches Modellsystem, mit dem wir untersuchen können, was genau sich bei diesen Prozessen abspielt“, erklärt van Swinderen.

Überraschende Parallelen zwischen Insekten und Menschen
Und Brembs ergänzt: „Diese überraschenden Parallelen zwischen Insekten und Menschen könnten ein Hinweis darauf sein, dass es ganz fundamentale Grundprinzipen gibt, nach denen alle Gehirne funktionieren.“
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