Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Insekt setzt Kaffee-Schädling matt
Natürlicher Feind des Kaffeekirschenkäfers entdeckt
Gute Nachrichten für die Kaffee-Liebhaber und -Erzeuger: Wissenschaftler haben in Afrika einen natürlichen Feind des gefürchteten Kaffee-Schädlings, des Kaffeekirschenkäfers, entdeckt. Bei Untersuchungen in Westkenia identifizierten sie ein bisher unbekanntes räuberisches Insekt, das sich von dessen Eiern und Larven ernährt.

Kaffekirschen
Kaffekirschen
© Marcelo Corrêa / GFDL Kaffekirschen
Diese Entdeckung könnte weitreichende Folgen für die weltweite Bekämpfung des Kaffeekirschenkäfers haben. Die im Springer-Fachjournal „Naturwissenschaften - The Science of Nature“ erschienene Studie belegt jetzt erstmals quantitativ, dass der Schädling gefressen wird. Frühere Untersuchungen basierten ausschließlich auf Beobachtungen.

Wichtigster Kaffee-Schädling
Der Kaffeekirschenkäfer - ein Bohrkäfer mit dem Namen Hypothenemus hampei - ist der am weitesten verbreitete Kaffee-Schädling in den Kaffee produzierenden Ländern. Die jährlichen Verluste im Kaffeeanbau werden auf 500 Millionen US-Dollar geschätzt. Dies hat Auswirkungen auf die Einkommenssituation von mehr als 20 Millionen ländlichen Haushalten in den Tropen.

Der weibliche Kaffeekirschenkäfer bohrt kleine Gänge in die Kaffeekirsche und legt dort seine Eier ab. Die Larven ernähren sich dann von der Frucht. Da der überwiegende Teil des Lebenszyklus des Schädlings innerhalb der Kirschen stattfindet, ist er schwer zu bekämpfen - insbesondere in Ländern, die stolz auf ihre organische Kaffeeproduktion sind.

Eier und Larven als Nahrung
Während Routineuntersuchungen von Kaffeekirschen in Westkenia beobachteten die Wissenschaftler um Juliana Jaramillo vom International Centre of Insect Physiology and Ecology (ICIPE) und Eric Chapman von der University of Kentucky nun zum ersten Mal Karnyothrips flavipes, ein kleines Insekt der Gattung Thysanoptera, das sich von den Eiern des Kaffeekirschenkäfers ernährt. Weitere Untersuchungen im Labor zeigten, dass die ausgewachsenen Tiere auch Larven des H. hampei fressen.

Jaramillo fand zudem heraus, dass der natürliche Feind über das kleine Loch, das der H. hampei bohrt, ins Innere der Kaffeekirsche gelangt und ebenfalls seine Eier in der Kirsche abgelegt. Die frisch geschlüpften Jungtiere entwickeln sich dann in der Kirsche weiter.

Darminhalt der Räuber analysiert
Die Forscher verwendeten in ihrer Studie molekulare Techniken, um kleine DNA-Mengen des Beutetiers in den Verdauungsapparaten der Räuber nachzuweisen, wobei sie den Darminhalt der Räuber analysierten. Im Zeitraum Januar bis September 2008 wurden fast 18.000 durch den H. hampei befallene Kaffeekirschen von 100 bis 150 Bäumen im Kisii-Gebiet in Westkenia gesammelt. Insgesamt schlüpften aus den befallenen Kaffeekirschen mehr als 3.000 K. flavipes und die Schädlings-DNA wurde bei DNA-Analysen in 8,3 Prozent der Räuber nachgewiesen.

Molekulare Untersuchungen des Inhalts des Verdauungsapparats bestätigen anschließend diese Ergebnisse. Somit konnten die Forscher zum ersten Mal nachweisen, dass der Kaffeekirschenkäfer in Afrika einen natürlichen Feind hat. Die Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass der K. flavipes das Potenzial besitzt, die H. hampei-Populationen in anderen Kaffeeanbaugebieten wesentlich zu beeinflussen. Die Bekämpfung dieses Schädlings könnte dabei helfen, die Kaffeeernte und den Marktpreis zu stabilisieren.

Ganzheitliche Schädlingsbekämpfung
Das Fazit der Forscher: „Unsere Ergebnisse liefern Kaffeezüchtern und Wissenschaftlern neue Erkenntnisse über eine biologische Form der Schädlingsbekämpfung, die in betroffenen Kaffeeanbaugebieten eingesetzt und ausgeweitet werden könnte. Dieser Feind des Schädlings H. hampei könnte einen wesentlichen Beitrag zur ganzheitlichen Schädlingsbekämpfung leisten.“
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Insekten, Käfer, Räuber, Natur, biologische Schädlingsbekämpfung, Kaffeekirsche, Feind, Larven, Eier, DNA
Weitere News zum Thema
Frösche erkennen sich am Geruch (25.01.2012)
Makrolide als flüchtige Pheromone der Tiere
Neandertaler nutzten rote Farbe schon vor 250.000 Jahren (24.01.2012)
Gemahlene Mineralreste belegen gezielten Import von Farbstoff
Rätsel um Bienen- Fortpflanzung gelöst (24.01.2012)
Forscher finden ersten Beweis für genetische Steuerung
Insekten führen Liste der neuentdeckten Arten an (20.01.2012)
2009 spürten Forscher weltweit fast 20.000 unbekannte Spezies auf
Tanzen hilft Mistkäfern bei der Orientierung (19.01.2012)
Insekten nutzen Dungkugel als Ausguck beim Navigieren
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Darwins Vermächtnis
Käfer
Ernährung
Dossiers zum Thema
Gefährliche Giftmischer
Tiere und ihre Toxine
Ameisen
Eine für alle, alle für eine
Mit Bienen im Gespräch
Chemische und akustische Kommunikation sozial lebender Insekten
Termiten
Lichtscheue Teamworker mit großem Hunger
Alles öko, oder was?
Landwirtschaft im Wandel
Personalisierte Ernährung
Maßgeschneiderte Ernährung oder Allerweltskost?
Eine Erde voller Arten
Darwins Vermächtnis in der heutigen Evolutionsbiologie
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
News des Tages
Seltenster Vogel der Erde wiederentdeckt
"Natürliches Teleskop" enthüllt Uralt-Galaxie
Spermien erkennen Ihresgleichen
Insekt setzt Kaffee-Schädling matt
Nanosäulen liefern weißes Licht
Fliegen vergessen wie Menschen
Taunus: Steinzeit-Wall ist 6.000 Jahre alt
Bücher zum Thema
Einführung in die Ökologie
von Wolfgang Tischler
Fantastisches Tierreich
Zwischen Legende und Wirklichkeit von John Downer
Verborgene Welten
Das geheime Leben der Insekten von David Attenborough
Sechs Pflanzen verändern die Welt
Chinarinde, Zuckerrohr, Tee, Baumwolle, Kartoffel, Kokastrauch von Henry Hobhouse
Ingenieure des Lebens
DNA-Moleküle und Gentechniker von Huub Schellekens und Marian C Horzinek (Übersetzer)
Die Genomfalle
Versprechungen der Gentechnik, ihre Nebenwirkungen und Folgen von Ursel Fuchs
Die Macht der Gene
Schön wie Monroe, schlau wie Einstein von Markus Hengstschläger
Top-Clicks der Woche
1. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
2. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes