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Dienstag, 30.05.2017
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"Natürliches Teleskop" enthüllt Uralt-Galaxie

Blick in die Kindheit des Universums gelungen

Ein Astronomen-Team hat eine zwölf Milliarden Lichtjahre entfernte Staubgalaxie entdeckt. Sie existierte zu einer Zeit, als das Universum erst 1,5 Milliarden Jahre jung war, und ist damit die älteste ihrer Art, die bislang gefunden wurde. Wie am Fließband entstanden in ihr damals jede Menge neue Sterne, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift „Astrophysical Journal“.
Galaxien-Cluster Abell 2218

Galaxien-Cluster Abell 2218

Die Wissenschaftler um Kirsten Kraiberg Knudsen vom Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn nutzten für ihre Entdeckung eine Art „natürliches Teleskop“: Zufällig befand sich die neu entdeckte Staubgalaxie nämlich hinter einer Formation von massereichen Vordergrund-Galaxien. Große Massen können das Licht wie eine Linse ablenken - Astronomen sprechen auch vom Gravitationslinsen-Effekt. Dadurch wurde das Bild der Staubgalaxie gewissermaßen wie durch ein Fernrohr vergrößert.

Sterne „heizen“ interstellaren Staub auf


Die neu entdeckte Galaxie gehört nach Angaben der Forscher zu den schwach leuchtenden Staubgalaxien. Sie ist zwölf Milliarden Lichtjahre entfernt. Anders ausgedrückt: Das Licht, das die Astronomen empfingen, hatte bereits eine zwölf Milliarden Jahre lange Reise hinter sich. Als diese Reise startete, war der Kosmos erst 1,5 Milliarden Jahre alt. Mit Hilfe ihres kosmischen Teleskops konnten die Wissenschaftler demnach in die Kindheit des Universums blicken.

Die Galaxie ist nur ein Zehntel so groß wie unsere eigene Galaxie, die Milchstraße. Allerdings ist sie bei weitem produktiver: Wie am Fließband entstehen in ihr neue Sterne - 100mal schneller als in unserer Heimatgalaxie. Sie zählt zu den so genannten Submillimeter-Galaxien. Diese sind nur sichtbar, weil der interstellare Staub in ihnen durch große Mengen junger massereicher Sterne erhitzt wird. Man hat bereits Submillimeter-Galaxien im frühen Universum gefunden, aber keine, die so schwach leuchtet, berichten die Forscher.


Gängige Theorien in Frage gestellt


„Es ist aufregend zu sehen, dass es derart schwach leuchtende Galaxien damals überhaupt schon gab“, sagt Knudsen. „Unsere Beobachtung stellt gängige Theorien in Frage, wonach die meisten Sterne in größeren und helleren Galaxien gebildet wurden.“

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Staubgalaxie eine Ausnahmeerscheinung bleibt. Die Forscher hoffen dabei auf neue Teleskope wie das Atacama Large Millimeter Array in Chile, das in Kürze seine Arbeit aufnehmen wird. Die aktuellen Beobachtungen wurden mit vier Teleskopen auf Hawaii sowie dem Hubble Space Teleskop durchgeführt.
(idw - Universität Bonn, 26.01.2010 - DLO)
 
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