Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 12.03.2010
Jupitermonde: Bombardement schuf „ungleiche Zwillinge“
Frühzeit des Sonnensystems erklärt rätselhafte Unterschiede zwischen Ganymed und Callisto
Heftiges Bombardement in der Frühzeit des Sonnensystems sorgte dafür, dass sich die beiden Jupitermonde Ganymed und Callisto völlig unterschiedlich entwickelten. Diese jetzt in „Nature Geoscience“ veröffentliche Erkenntnis klärt die seit langem offene Frage, warum die Monde trotz gleicher Ausgangsbedingungen heute völlig verschiedene Oberflächen und innere Strukturen besitzen.

Innere Struktur von Ganymed und Callisto
Innere Struktur von Ganymed und Callisto
© NASA Innere Struktur von Ganymed und Callisto
Ganymed ist der dritte Mond des Jupiter und der größte Mond des Sonnensystems. Callisto umkreist den Jupiter gleich außerhalb des Ganymed und ist etwa so groß wie der Planet Merkur. Beide entstanden zur gleichen Zeit, aus der gleichen Region der Urwolke. Doch damit enden heute die Gemeinsamkeiten. Denn während Ganymeds Inneres in einen metallischen Kern und mehrere Schichten differenziert ist, blieb Callisto unvollkommen differenziert und besteht aus einer Mischung aus Silikatgestein und Eis. Und auch die Oberflächenstrukturen der beiden Jupitermonde unterscheiden sich: Einer einheitlichen, ungewöhnlich dunklen Eisoberfläche bei Callisto steht bei Ganymed eine Zweiteilung in eine alte, dunkle Hälfte und eine hellere, durch viele Verwerfungen gekennzeichnete gegenüber.

Schweres Bombardement im jungen Sonnensystem
Seitdem die Voyagersonden vor mittlerweile 30 Jahren die ersten Daten über die beiden Monde sendeten, ist die Frage unbeantwortet, warum Ganymed und Callisto solche Unterschiede aufweisen. Jetzt haben Amy C. Barr und Robin M. Canup vom Southwest Research Institute (SwRI) eine Erklärung gefunden, die die Wurzeln der ungleichen Entwicklung in die Frühzeit des Sonnensystems verlegt.

In dieser Zeit des so genannten „Späten Schweren Bombardements“ vor rund 3,8 Milliarden Jahren wurden die jungen Planeten immer wieder durch Einschläge von kleineren und größeren Gesteinsbrocken – Resten der Planetenbildung - getroffen. Die Forscher modellierten die Ereignisse zu dieser Zeit und analysierten, wie stark wiederholte Treffer einen Himmelskörper von der Größe der beiden Monde aufheizen und aufschmelzen lassen.

Ganymed in der Schusslinie
Es zeigte sich, dass beide Himmelskörper damals ganz unterschiedlich stark vom Bombardement betroffen waren. „Die Einschläge in dieser Periode schmolzen Ganymed so gründlich und tief, dass die gesamte Hitze nicht so schnell entweichen konnte“, erklärt Barr. „Das gesamte Gestein des Mondes sank in sein Zentrum – ähnlich wie Schokoladenstückchen in geschmolzenem Eis auf den Boden sinken. Callisto dagegen erhielt deutlich weniger Treffer und mit weniger Geschwindigkeit und entging damit dem vollständigen Schmelzen.“

Jupiter als Schlüsselfaktor
Aber warum? Eine Schlüsselrolle dafür spielt der Jupiter. Seine starke Anziehungskraft zog die Gesteinsbrocken aus dem All geradezu an. Weil aber Ganymed dem Gasriesen näher ist als Callisto, bekam er auch die größte Dichte der Asteroiden und Kometen ab. Mehr als doppelt so häufig, so die Berechnungen der Wissenschaftler, wurde der große Mond getroffen. Zudem, auch das zeigte die Simulation, waren die Objekte beim Einschlag schneller und damit auch energiereicher. Dadurch heizte sich Ganymed stärker auf und die Energie reichte aus, um den Differenzierungsprozess in Gang zu setzen. Callisto dagegen strahlte die Energie größtenteils wieder ins All ab und blieb daher fest.

Die Ergebnisse erklären damit nicht nur die heutigen Unterschiede der beiden einstigen „Zwillinge“, sie werfen auch neues Licht auf ähnliche Phänomene bei anderen Planeten und Monden, die zwar eigentlich ähnlich sein müssten, es aber nicht sind. „Ähnlich wie Erde und Venus sind Ganymed und Callisto Zwillinge“, so Barr. „Und zu verstehen, wie sie gleich geboren wurden sich aber trotzdem so unterschiedlich entwickelten ist für Planetenforscher von extrem großem Interesse. Unsere Studie zeigt, dass Ganymed und Callisto uns einen Schnappschuss der frühen Evolution unseres Sonnensystems liefern – etwas sehr Spannendes und absolut Unerwartetes.“
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Planeten, Monde, Jupiter, Sonnensystem, Kosmos, All, Universum, Ganymed, Callisto
Weitere News zum Thema
Kosmische Strahlung lässt Wolken kalt (10.03.2010)
Wolkenbedeckung unbeeinflusst von Schwankungen der Sonnenaktivität
Pandas sind genetisch Fleischfresser (09.03.2010)
Genom der Bambus fressenden Großen Pandas entschlüsselt
Forscher nehmen Fingerabdrücke im Orion-Nebel (08.03.2010)
Herschel-Satellit weist Spektrallinien organischer Moleküle nach
Dinosaurier: Der Tod kam doch aus dem All (05.03.2010)
Neue Daten bestätigen Chicxulub-Einschlag vor 65 Millionen Jahren als Ursache für Massenaussterben
Eis-Seen am Mond-Nordpol (03.03.2010)
ESA-Sonde entdeckt meterdicke Eisschichten in lunaren Kratern
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Planeten
Mond
Saturnmond Titan
Der Rote Planet
Rätselhafter Merkur
Außenseiter Pluto
Dossiers zum Thema
Rätsel Titan
Saturntrabant unter orangefarbenem Schleier
Besuch beim Herrn der Ringe
Sonde Cassini auf Tour im Saturnsystem
Mars - das Update
Neue Ergebnisse der aktuellen Mars-Missionen
Meteoriten
Gefahr aus dem All
Kometen
Rätselhafte Vagabunden im Weltraum
Außenseiter im Sonnensystem
Pluto – ein Kleinplanet mit Geheimnissen
Rätsel Merkur
Den Geheimnissen des innersten Planeten auf der Spur
Rückkehr zum Mond
Neuer Run auf den Erdtrabanten
News des Tages
Frühmenschen entgingen nur knapp dem Aussterben
Jupitermonde: Bombardement schuf „ungleiche Zwillinge“
"Kühlende" Wälder können auch heizen
Neue Hoffnung für MS-Kranke
Wie krank ist der deutsche Wald?
Raupenfraß macht Tabakpflanzen zu „Frühaufstehern“
Patagonien: Wie schnell ist der Glaciar Nef?
Bücher zum Thema
Space Odyssey
Mission zu den Planeten
Die Planeten
von David McNab und James Younger
Das Sonnensystem
Planeten und ihre Entstehung von Bernd Lang
Der Mars
Bilder vom roten Planeten von Guillaume Cannat und Didier Jamet
Chaos im Universum
Astereoiden und Kometen - Fremde Welten - Theorien über das Chaos von Joachim Bublath
Der Weltraum
Planeten, Sterne, Galaxien von Heather Couper & Nigel Henbest
Was zu entdecken bleibt
Über die Geheimnisse des Universums, den Ursprung des Lebens und die Zukunft der Menschheit von John R. Maddox
Das Universum
"Die Schöpfung" und "Die Sterne"
Top-Clicks der Woche
1. Oktopus tarnt sich als Flunder
2. Dinosaurier: Der Tod kam doch aus dem All
3. Neue Belege für “Schneeball Erde”
4. Riesenschlange fraß Baby-Dino
5. Erdrotation beeinflusst Unterwasserwellen