Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 15.03.2010
Goldschwämme machen Chemie „grüner“
Neuartige Goldkatalysatoren machen Oxidation von Methanol effektiver und umweltfreundlicher
Mit winzigen Goldschwämmen anstatt wie bisher mit Nanopartikeln aus Gold, gelang es einem amerikanisch-deutschen Forscherteam, die Methanoloxidation bedeutend effektiver und umweltfreundlicher ablaufen zu lassen als bisher. Der neue Katalysator bedeute auch einen Schritt in Richtung auf eine „grünere Chemie“, so die Forscher in „Science“.

Rasterelektonenmikroskopische (REM) Aufnahme und Schema von nanoporösem Gold.
Rasterelektonenmikroskopische (REM) Aufnahme und Schema von nanoporösem Gold.
© Universität Bremen Rasterelektonenmikroskopische (REM) Aufnahme und Schema von nanoporösem Gold.
Die zunehmende weltweite Verknappung von Rohstoffen und Energie stellt große Herausforderungen dar. "Grüne Chemie" wird deshalb seit Jahren in Industrie und Forschung immer wichtiger. Neue umweltverträgliche und ressourcenschonende, „grüne" Verfahren müssen entwickelt werden. Eine besondere Aufgabe kommt hierbei der Katalyse zu. Das Ziel der Katalyse ist die gezielte Steuerung einer chemischen Umsetzung bei geringem Einsatz von Ressourcen und Energie.

Schwamm statt massiven Partikeln
Wissenschaftlern der Universität Bremen gelang in Zusammenarbeit mit amerikanischen Forscher der Harvard University und dem Lawrence Livermore Laboratory ein entscheidender Durchbruch bei der katalytischen Oxidation von Methanol. Anstatt der für die Katalyse mit Gold bislang als unerlässlich angesehenen Nanopartikel aus Gold nutzten die Forscher Gold-Schwämme. Durch sein Herstellungsverfahren ist dieses zu über 99 Prozent aus reinem Gold bestehende Material stark porös und besitzt eine selbsttragende schwammartige Struktur mit Poren im zweistelligen Nanometerbereich.

Keine unerwünschten Nebenprodukte
In diesem Forschungsprojekt gelang es nun, Methanol, das in der Industrie als ein zentraler Ausgangsstoff für eine große Vielzahl von Chemikalien dient, mit Hilfe des neuartigen Goldkatalysators bei geringem Energieeinsatz und ohne die Umwelt belastende Nebenprodukte zum Methylformiat zu oxidieren. Dies gelang bereits bei Temperaturen von 20 °C mit nahezu 100 prozentiger Selektivität - also ohne unerwünschte Nebenprodukte.

Dieses Produkt dient hauptsächlich als Vorstufe zur Produktion von Methansäure, darüber hinaus ergeben sich jedoch eine Reihe weiterer Anwendungen. Beispielsweise wird Methylformiat zunehmend als gut umweltverträgliches Treibmittel oder Lösungsmittel in Lacken eingesetzt. Als Oxidationsmittel diente einfacher Luftsauerstoff. Auf den Einsatz von umweltschädlichen Co-Katalysatoren wie Basen konnte komplett verzichtet werden. Der Einsatz von Gold wird somit zu einem wichtigen Schritt in Richtung auf eine "grünere" Chemie.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Methan, Gold, Katalysator, Chemie, Oxidation, Goldschwamm, Umwelt, Produktion, Oxidationsmittel, Industrie
Weitere News zum Thema
Sibirische Küstenmeere als Methanschleudern enthüllt (08.03.2010)
Freisetzungsrate des auftauenden Meeresbodens um bis zu 80 Prozent erhöht
Forscher nehmen Fingerabdrücke im Orion-Nebel (08.03.2010)
Herschel-Satellit weist Spektrallinien organischer Moleküle nach
Treibhausgasemissionen auf dem Sinkflug (08.03.2010)
Wirtschaftskrise führt zum stärksten Rückgang seit Gründung der Bundesrepublik
Molekülchamäleon im All (02.03.2010)
Verhalten wandelbarer Moleküle in interstellaren Wolken entschlüsselt
Magnetfelder „mästen“ Sternen-Embryonen mit Materie (19.02.2010)
Materiescheibe um junge Sterne wird durch Magnetfeld in Form gehalten
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Energieeffizienz
Ökostrom
Methanhydrat
Dossiers zum Thema
Brennstoffzellen
Alleskönner auf Wasserstoffbasis?
Mini-Kraftwerke für Zuhause und unterwegs
Brennstoffzellen – wie weit ist die Entwicklung?
Stahl ganz neu
Rezepte für das Autoblech von morgen
Smarte Etiketten
Auf dem Weg zum “Internet der Dinge”
Rätsel Wasser
Ein Lösungsmittel mit Geheimnissen
Glas
Ein schwer durchschaubarer Stoff
News des Tages
Influenza: Ausschalten menschlicher Gene als Therapie?
Paradox: Arktis-Bakterien lieben es heiß
Rechnen mit dem Stirnhirn
Extremwetter schadet Artenvielfalt mehr als Erwärmung
Goldschwämme machen Chemie „grüner“
Neuer Mitspieler in der Bildung atmosphärischer Schwebteilchen
Erste DNA mit Silber-„Draht“
Haiti: Sicherheitslage „erstaunlich ruhig"
Bücher zum Thema
Wasserstoff und Brennstoffzellen
Die Technik von morgen von Sven Geitmann
Welt der Elemente
von Hans-Jürgen Quadbeck- Seeger
Nanotechnologie für Dummies
Spannende Entdeckungen aus dem Reich der Zwerge von Richard D. Booker und Earl Boysen
Chemische Delikatessen
Alltäglich, spannend, kurios von Klaus Roth
Öko
Al Gore, der neue Kühlschrank und ich von Peter Unfried
Top-Clicks der Woche
1. Neue Belege für “Schneeball Erde”
2. Erdrotation beeinflusst Unterwasserwellen
3. Galaxien-Explosion stoppte junges Universum
4. Einsteins Relativitätstheorie auf kosmologischen Distanzen bestätigt
5. Oktopus tarnt sich als Flunder