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Samstag, 21.01.2017
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Haiti-Beben: Not, Chaos und Verzweiflung

Überlebende warten weiter auf Hilfe

50.000 Todesopfer könnte das verheerende Erdbeben in Haiti vor drei Tagen gefordert haben – das schätzt zumindest das haitianische Rote Kreuz. Doch es wird wohl noch länger dauern, bis endlich genaue Zahlen vorliegen. Denn noch immer ist die Situation in der Krisenregion unübersichtlich. Vor allem aus den ländlichen Gebieten liegen keine sicheren Informationen vor.
Schäden im Hafen von Port-au-Prince

Schäden im Hafen von Port-au-Prince

Derzeit gehen Hilfsorganisationen wie die Malteser oder die Welthungerhilfe auf jeden Fall von bis zu drei Millionen Betroffenen bei der Naturkatastrophe aus. Aufgrund der ohnehin nur unzureichend vorhandenen Infrastruktur befürchten Experten zudem unter anderem Seuchen und Infektionen.

Schlimmste Katastrophe alles Zeiten


Schon jetzt ist die Lage in der Hauptstadt verzweifelt. „Das ist die schlimmste Katastrophe, die Haiti je erlebt hat. In Port-au-Prince liegen überall Tote auf den Straßen. Die Krankenhäuser sind vollkommen überfüllt“, berichtet der Nothilfekoordinator der Caritas Haiti, Joseph Jonidès Villarson. Und noch immer graben Helfer – zum Teil mit bloßen Händen - in den Trümmern nach weiteren Verschütteten. Doch die Suche wird zu einem Wettlauf mit der Zeit. Es besteht nur noch wenig Hoffnung Überlebende zu finden. Erste Massenbegräbnisse sollen nach Behördenangaben bereits stattgefunden haben.

Von Soforthilfe aus dem In- und Ausland für die Betroffenen kann zudem keine Rede sein. Zwar landen auf dem teilweise zerstörten Flughafen von Port-au-Prince immer wieder Maschinen. Doch die Hilfsgüter gelangen nicht zu den Menschen. Es fehlt an Transportmöglichkeiten und sogar Benzin ist knapp. Viele Verletzte harren deshalb noch immer in den Straßen der Stadt aus ohne behandelt oder versorgt worden zu sein.


Viele Kinder betroffen


Nach Angaben von UNICEF befinden sich unter den unzähligen Verletzten viele Kinder. Sie brauchen medizinische Hilfe, sauberes Wasser, Nahrung und Schutz. Viele Kinder sind darüberhinaus verzweifelt und stehen unter Schock.

„Wir müssen jetzt alles tun, um Hunderttausende Kinder in Haiti vor einer zweiten Katastrophe durch Hunger und Krankheiten zu schützen“, sagt Regine Stachelhaus, Geschäftsführerin von UNICEF Deutschland. Bereits vor der Naturkatastrophe waren rund ein Viertel der Kinder unterernährt und sind jetzt besonders gefährdet. Etwa die Hälfte der betroffenen Bevölkerung ist unter 18 Jahren; die meisten leben in extremer Armut.

Mit Flugzeugen und per Schiff schafft UNICEF große Mengen Hilfsgüter ins Katastrophengebiet auf Haiti. Heute Nacht wurden mit einer Rot-Kreuz-Maschine 10.000 Plastikplanen, 4.600 Wasserkanister, 5,5 Millionen Wasseraufbereitungstabletten, Medikamente gegen Durchfall, Kommunikationsausrüstung, zwei mobile Lagerhallen sowie Zelte und Erste-Hilfe-Pakete nach Port-au-Prince gebracht.

EU-Kommission stellt drei Millionen Euro zur Verfügung


Unterdessen hat auch die EU-Kommission angekündigt, den Erdbebenopfern in Haiti drei Millionen Euro für erste Hilfe zur Verfügung zu stellen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zeigte sich tief betroffen und sagte der haitianischen Bevölkerung zudem weitere Unterstützung innerhalb der internationalen Rettungsaktionen zu. Insbesondere der Dienst für humanitäre Hilfe der EU-Kommission (ECHO) und das europäische Beobachtungs- und Informationszentrum für den Katastrophenschutz (MIC) arbeiten derzeit an einem koordinierten Katastrophenschutzeinsatz der EU. So sollen weitere Rettungsdienste mobilisiert werden, die der notleidenden Bevölkerung des Inselstaats zugute kommen, darunter Medikamente, Decken und frisches Wasser.

Catherine Ashton, Kommissionsvizepräsidentin und Hohe Beauftragte für die EU-Außenpolitik, hatte unmittelbar nach Bekanntwerden des schweren Erdbebens ein EU-Notfall- und Krisentreffen einberufen. „Wir werden alle verfügbaren Instrumente mobilisieren, um die Bewohner Haitis in dieser schweren Zeit zu unterstützen“, sagte sie.

Expertenteams im Krisengebiet angekommen


Inzwischen sind die von der Kommission angekündigten europäischen Expertenteams im Krisengebiet angekommen. Sie werden die Lage vor Ort prüfen und erste Rettungseinsätze so schnell wie möglich beginnen. Die Ankunft weiterer Such- und Rettungsmannschaften aus Belgien, Luxemburg, Frankfreich, Großbritannien und Island wird im Laufe des Tages erwartet. Medizinische Ausrüstung und mobile Feldkrankenhäuser stehen dabei im Mittelpunkt. Medizinische Teams aus Frankreich, Belgien und Italien haben sich auf den Weg gemacht.

Zudem erreichen weitere Hilfsangebote der EU-Mitgliedstaaten darunter Deutschland das europäische Beobachtungs- und Informationszentrum für den Katastrophenschutz, das den gemeinschaftlichen Zivil- und Katastrophenschutz der EU organisiert. Insgesamt haben die Regierungen weltweit mittlerweile hunderte Millionen Dollar Hilfe für Haiti zugesagt.

Unser Special zum Erdbeben in Haiti finden Sie hier
(Welthungerhilfe/Malteser Hilfsdienst/UNICEF/EU-Kommission, 15.01.2010 - DLO)
 
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