Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Sonntag, 21.03.2010
Elektronische Nasen als Sprengstoff-Schnüffler
HAMLeT soll Sicherheitspersonal auf Verdächtige aufmerksam machen
Ein neues intelligentes System soll künftig dabei helfen, Sprengstoff aufzuspüren. Die empfindlichen elektronischen Nasen, die Fraunhofer-Forscher entwickelt haben, nehmen die Geruchsfährte des Sprengstoffs auf. Das System verknüpft die Daten dann mit den Bewegungen der Menschen - und entlarvt Verdächtige.

Pass-Kontrolle am Flughafen
Pass-Kontrolle am Flughafen
© GFDL Pass-Kontrolle am Flughafen
Hunderte von Menschen drängen sich am Flughafen durch den langen Korridor zwischen Terminal A und B. Unter die Menge haben sich zwei Terroristen gemischt. In ihren Jackentaschen tragen sie kleine Behälter mit Chemikalien - Einzelkomponenten für einen Sprengstoff.

Um die Sicherheit der Fluggäste zu gewähren, wird der Besucherstrom jedoch nicht nur von Kameras beobachtet, sondern auch von Sensoren beschnüffelt. Die chemischen Nasen sind in der Korridorwand versteckt. Trägt jemand Sprengstoff daran vorbei, schlägt der Geruchssensor Alarm.

Sensornetzwerk „schnüffelt“ Verdächtigen hinterher
Ein Wachtposten sieht die Warnung auf einem Überwachungsschirm. Zum jetzigen Zeitpunkt kann er zwar noch nicht bestimmen, welche der Personen gefährliche Chemikalien bei sich haben. Doch das Sensornetzwerk „schnüffelt“ den Verdächtigen hinterher.

Dieses Szenario haben Forscher vom Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE in Wachtberg mit Hilfe eines Prototyps nachgestellt. HAMLeT nennen die Wissenschaftler das Sicherheitsassistenzsystem, kurz für „Hazardous Material Localization and Person Tracking“.

HAMLeT entlarvt potenzielle Terroristen
„HAMLeT soll das Sicherheitspersonal auf Verdächtige aufmerksam machen“, sagt Wolfgang Koch vom FKIE. Ein Netzwerk aus hochempfindlichen Geruchssensoren verfolgt die Spur des Sprengstoffs: Auf den Chips der Sensoren befinden sich zum Beispiel Schwingquarze. Diese elektronischen Nasen fangen chemische Moleküle ein und verändern dabei ihre Schwingfrequenz - für jede Substanz in einer charakteristischen Art und Weise.

Genaues Lagebild
Eine weitere Komponente, die Sensordatenfusion, sorgt dafür, dass die Spur des Sprengstoffs mit der richtigen Person in Verbindung gebracht wird. Deshalb ist ein zweites Sensornetzwerk notwendig, das den Weg der Personen nachvollzieht. Dafür verwenden die Forscher Laserscanner, die ermitteln, wann und wo sich eine Person aufhält.

„Die eigentliche Leistung von HAMLeT besteht darin, sämtliche Daten zusammenzuführen und zu einem genauen Lagebild zu verarbeiten“, erklärt Koch. Hinter dieser Sensordatenfusion stecken komplexe Algorithmen. Mit ihrer Hilfe liefert HAMLeT ein genaues Abbild der Personenströme und ordnet gefährliche Stoffe den Personen zu.

Erste Tests erfolgreich
Mittlerweile ist es den Forschern am FKIE bereits gelungen, bei einem Versuch fünf „Terroristen“ mit verstecktem Sprengstoff zu entlarven. Derzeit arbeiten die Wissenschaftler daran, die Algorithmen des Prototyps zu verfeinern und die Fehlalarm-Rate zu senken.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Geruchssensor, Sprengstoff, Flughafen, Terroristen, Hightech, Intelligenz, HAMLeT, Chemikalien, Laserscanner
Weitere News zum Thema
Wie Düfte Partner anlocken (24.11.2009)
Forscher legen neue Erkenntnisse zur Pheromonkommunikation bei Säugetieren vor
Forscher züchten Eber ohne Geruch (23.04.2009)
Schmackhaftes Schweinefleisch bald auch ohne Kastration?
Bauanleitung für eine molekulare Nase (05.02.2007)
Forscher betten Geruchsrezeptoren in künstliche Membranen ein
Roboter: Schnüffeln mit verteilten Rollen (20.12.2006)
Wissenschaftler entwickeln ein Multirobotersystem für die Geruchslokalisierung
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Hightech
Kluge Klamotten
Dossiers zum Thema
Sicherheit durch Hightech
Wie Forscher Attentätern, Viren und Kriminellen den Kampf ansagen
Intelligente Kleidung
Hightech-Textilien auf dem Vormarsch
Lebensretter aus Silizium und Stahl
Roboter im Katastropheneinsatz
Künstliche Intelligenz
Wenn Maschinen zu denken beginnen...
Tausendfache Geruchsfänger
Wie das Riechsystem Informationen verarbeitet
News des Tages
Sternentanz endet mit kosmischer Katastrophe
Auch Quantenteilchen zittern
Protein macht Hirn-Stoßdämpfer einsatzbereit
Arme Kinder atmen schlechtere Luft
Zelle: Rätsel um Eiweißmaschinerie gelöst
Elektronische Nasen als Sprengstoff-Schnüffler
Shampoos unter Spannung
Bücher zum Thema
Projekt Zukunft
Die Megatrends in Wissenschaft und Technik von Hans-Jürgen Warnecke
Welt der Elemente
von Hans-Jürgen Quadbeck- Seeger
Maschinen mit Bewusstsein
Wohin führt die künstliche Intelligenz? von Bernd Vowinkel
Das Maiglöckchen-Phänomen
Alles über das Riechen und wie es unser Leben bestimmt von Hanns Hatt und Regine Dee
Die Welt hinter den Dingen
von Ludwig Schultz und Hermann- Friedrich Wagner
Menschmaschinen
Wie uns die Zukunftstechnologien neu erschaffen von Rodney Brooks
Homo sapiens: Leben im 21. Jahrhundert
Was bleibt vom Menschen? von Ray Kurzweil
Top-Clicks der Woche
1. Licht verbiegt Materie
2. Radioaktivität tatsächlich „Heizofen“ des Erdinneren
3. Super-Supernova: Weißer Zwerg sprengt Massegrenze
4. „Stein von Rosetta“ der Exoplaneten gefunden
5. Neuer langlebigerer Akku für mobile Geräte