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Mittwoch, 13.12.2017
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Magersüchtige haben weniger graue Zellen

Kernspintomografie zeigt reduzierte Dichte in zwei Hirnregionen

Frauen mit Magersucht weisen eine deutlich reduzierte Dichte grauer Zellen in bestimmten Bereichen des Gehirns auf, die mit der Verarbeitung von Körperbildern zu tun haben. Dies ist das Ergebnis neuer Untersuchungen betroffener und gesunder Frauen im Kernspintomografen, die jetzt Bochumer Forscher durchgeführt haben.
Forschungslandschaft Gehirn

Forschungslandschaft Gehirn

Die Auffälligkeiten im Gehirn könnten die gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers bei Frauen mit Essstörungen erklären: Patientinnen nehmen sich selbst als dick wahr, obwohl sie objektiv untergewichtig sind - ein aufrechterhaltender Faktor für die Essstörung, so die Wissenschaftler im Journal „Behavioural Brain Research“.

Essgestörte schätzen sich dicker ein - Gesunde schlanker


Die Forscher um Dr. Boris Suchan von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) untersuchten für ihre Studie 15 magersüchtige und 15 gesunde Frauen ähnlichen Alters. Die Probandinnen absolvierten zunächst eine Aufgabe am Computer, bei der sie ihre eigene Figur einer von mehreren unterschiedlich schlanken Silhouette zuordnen mussten, von der sie annahmen, dass sie der eigenen Figur am nächsten kam.

Außerdem wurde dieselbe Aufgabe je zehn unabhängigen weiblichen Testpersonen gestellt, die die Fotos der Versuchsteilnehmerinnen der passenden Silhouette zuordnen sollten.


Verfälschte Selbstwahrnehmung von Magersüchtigen


Die Ergebnisse dieses Experimentes belegen nach Angaben der Forscher die verfälschte Selbstwahrnehmung der Patientinnen mit Magersucht (Anorexia Nervosa): Während sich die gesunden Kontrollpersonen tendenziell schlanker einschätzten als sie von den unabhängigen Bewerterinnen geschätzt wurden, ordneten sich die Patientinnen korpulenteren Silhouetten zu.

Dann folgte die Studie im Kernspintomografen. Hier erfassten die Wissenschaftler hoch auflösende Bilder der Gehirne der Teilnehmerinnen. Diese wurden dann in verschiedenen Analyseschritten in die Bereiche graue Substanz, weiße Substanz und Liquor – Gehirnflüssigkeit - unterteilt und im Anschluss auf Unterschiede in der Dichte der grauen Substanz untersucht.

Massive Veränderungen in zwei Hirnregionen


Da die Patientinnen durch ihre Krankheit ein geringeres Körpergewicht und einen geringeren Body-Mass-Index aufwiesen als die Kontrollpersonen, war auch das gesamte Volumen des Gehirns verringert. In zwei Regionen des Gehirns fielen jedoch besonders starke Verringerungen der grauen Zellen auf: Die eine Region wurde vor einigen Jahren als diejenige identifiziert, die vorrangig für die visuelle Verarbeitung von menschlichen Körpern zuständig ist (Extrastriate Body Area).

Die zweite Region mit verminderter Dichte grauer Substanz befand sich im oberen, hinteren Teil des Schläfenlappens. Auch diese Gehirnregion wird mit der Verarbeitung von Körperbildern in Verbindung gebracht. „Diese Ergebnisse, die wir in dieser Studie zum ersten Mal gesehen haben, könnten eine Erklärung für das gestörte Körperbild von Anorexie-Patienten sein“, so Suchan.

Viele offene Fragen


Einige offene Fragen bleiben dennoch zu klären: „Ob es sich bei den Auffälligkeiten des Gehirns um eine Prädisposition handelt, die die Entstehung einer Essstörung begünstigt, oder um Veränderungen, die erst durch die Krankheit auftreten, müssen weitere Studien zeigen“, erklärt Suchan.
(idw - Ruhr-Universität Bochum, 06.01.2010 - DLO)
 
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