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Samstag, 27.05.2017
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Rätsel der „Blauen Nachzügler” gelöst

Ungewöhnlicher Sternentyp entsteht durch Kollision oder Massetransfer in Doppelsternsystemen

„Blaue Nachzügler” sind heißer, blauer und massereicher als ihre Mitsterne in Kugelsternhaufen. Jetzt haben gleich zwei Astronomenteams in „Nature“ das Geheimnis dieser Sonderlinge gelüftet: Sie entstehen in Doppelsternsystemen, wenn entweder zwei Sterne zusammenstoßen oder aber einer dem anderen Masse absaugt. Damit sind beide bisher existierende Hypothesen zu ihrem Ursprung korrekt.
Blaue Nachzügler im Kugelsternhaufen M30

Blaue Nachzügler im Kugelsternhaufen M30

„Blaue Nachzügler”, im Englischen auch “Blue Stragglers” genannt, sind Sterne in Kugelsternhaufen, die heißer und massereicher sind als Sterne mit gleicher Leuchtkraft. Als Nachzügler gelten sie, weil sie aus dem üblichen Schema der Sternenentwicklung herausfallen. Während normalerweise alle Sterne in einem Kugelsternhaufen das gleiche Alter besitzen, erscheinen sie deutlich jünger und blauer als ihre Alters- und Gewichtsgenossen. Zur Ursache dieses Phänomens gab es bisher zwei Hypothesen: Sie könnten durch die Kollision und Verschmelzung zweier normaler Sterne plötzlich einen enormen Massezuwachs erfahren haben. Oder aber sie entstanden in einem Doppelsternsystem durch den Transfer von Material von einem zum anderen Partner.

M30: zwei getrennte Populationen von Nachzüglern


Jetzt haben gleich zwei in „Nature“ erschienene Studien unabhängig voneinander belegt, dass beide Mechanismen an der Bildung der Blauen Nachzügler beteiligt sind. Astronomen um Francesco Ferraro von der Universität von Bologna beobachteten zwei deutlich voneinander verschiedenen Populationen von Blauen Nachzüglern im Kugelsternhaufen M30 in der Konstellation Steinbock. Sie entdeckten Hinweise dafür, dass die leicht rötlichere Variante Teil eines Doppelsternsystems ist und durch Massentransfer entstand. Die bläulicher leuchtenden Nachzügler dagegen bildeten sich durch Kollisionen.

NGC 188: 76 Prozent Doppelsterne


Robert Mathieu und Aaron Geller von der Universität von Wisconsin untersuchten derweil Blaue Nachzügler in einem offenen Kugelsternhaufen in unserer Galaxie, NGC 188. Er ist mit fünf Milliarden Jahren einer der ältesten offenen Sternhaufen der Milchstraße und umfasst rund 5.000 Sterne. Sie stellten fest, dass die Blauen Nachzügler in diesem Cluster zu 76 Prozent aus Doppelsternsystemen bestehen – das ist dreimal mehr als für normale Sterne üblich. Aus dieser Beobachtung und einigen ungewöhnlichen Eigenschaften der Umlaufbahnen der Doppelsterne, schließen die Astronomen, dass die meisten oder alle Nachzügler in NGC 188 aus Mehrsternsystemen entstanden – und dies sowohl durch Massetransfer als auch durch Kollisionen.


Beide Forscherteams belegen damit, dass nicht eine sondern beide Hypothesen für die Entstehung dieser seltsamen Sternenform korrekt sind.
(Nature, 30.12.2009 - NPO)
 
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