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Samstag, 01.11.2014
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Wie viel Blutzucker darf man haben?

Das Risiko für Typ-2-Diabetes steigt bereits im Normalbereich des Blutzuckers

Seit Jahren streiten Mediziner um den Grenzwert des Blutzuckers, der den Übergang von gesund zu krank markiert. Jetzt hat eine große Studie ergeben, dass das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, bereits bei Nüchtern-Blutzucker-Werten ansteigt, die eigentlich als völlig normal gelten. Würde man diesen Wert als Grenze nehmeen, gäbe es allerdings zu viele falsch-positive Ergebnisse. Die Diabetesexperten befürworten daher ein Beibehalten des aktuellen Grenzwerts von 100 Milligramm pro Deziliter.

Blutzuckerspiegel-Messgerät mit Zubehör

Typ-2-Diabetes, auch als Altersdiabetes bekannt, ist eine Stoffwechselerkrankung, bei welcher der Körper das selbstproduzierte Insulin nicht ausreichend nutzen kann. Dadurch wird der Blutzuckerspiegel erhöht. Ein Typ-2-Diabetes entwickelt sich schleichend über Jahre, wobei Gefäße und Augen bereits frühzeitig geschädigt werden können. Eines der wichtigsten Früherkennungszeichen ist der Blutzuckerspiegel im nüchternen Zustand. Liegt er zu hoch, ist dies oft ein Hinweis auf mangelnde Insulinnutzung und damit Diabetes. Aber ab wann ist der Blutzuckerspiegel krankhaft?

Wie viel Blutzucker ist noch gesund?


Bereits vor sechs Jahren hatte die Amerikanische Diabetes Gemeinschaft empfohlen, den Grenzwert für einen gestörten Nüchtern-Blutzucker von 110 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) auf den derzeit gültigen Wert von 100 mg/dl zu senken. Dabei orientiert sich der aktuelle Wert an bisherigen Forschungsergebnissen.Seit der Neuregelung im Jahr 2003 ist jedoch ein Streit unter den Experten entbrannt. Einige Mediziner halten den neuen Wert für zu niedrig, um Diabetes-Risikopersonen gezielt zu identifizieren. Wiederum andere plädieren dafür, jeglichen Schwellenwert zu streichen.

Um zur Klärung dieser Streitfrage beizutragen, werteten die Wissenschaftler um Hans-Georg Joost, dem wissenschaftlichen Direktor des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE), die Daten einer 589 Personen umfassenden und nach dem Zufallsprinzip ausgewählten Teilgruppe der Potsdamer EPIC-Studie aus. Die EPIC-Sudie ist eine prospektive, 1992 begonnene Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC- Studie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit 519.000 Studienteilnehmern beteiligt. Alle Personen der Teilgruppe waren zum Zeitpunkt der Blutentnahme nüchtern. In einem Beobachtungszeitraum von sieben Jahren erkrankten 153 der
Personen an einem Typ-2-Diabetes.

Risikoanstieg schon bei Normalwerten


Die Auswertung ergab, dass es einen Zusammenhang zwischen den Nüchtern-Blutzucker-Werten und dem Diabetesrisiko gab, allerdings war diese nicht linear. Überraschend daran: Der Anstieg des Diabetesrisikos begann bereits im Normalbereich - ab einem Nüchtern-Blutzucker-Wert von 84 mg/dl.
„Ein Wert, über dem das Diabetesrisiko deutlich ansteigt, könnte einen sinnvollen Schwellenwert darstellen. Würde man allerdings den Wert von 84 mg/dl als Grenzwert verwenden, so wäre der Anteil der Menschen, die fälschlicherweise als Risikoperson eingestuft würden, mit 86,8 Prozent zu
Hoch“, erklärt Matthias Schulze von der Technischen Universität München, Erstautor der Studie.

Aktueller Grenzwert bestätigt


„Der Wert wäre damit ungeeignet, um Hoch-Risiko-Personen zu identifizieren. Dagegen werden beim ehemaligen Schwellenwert von 110 mg/dl mehr als die Hälfte der Neuerkrankten nicht erkannt", so Schulze weiter. Nach der vorliegenden Studie liegt der statistisch optimale Cut-off bei einem Wert von 102 mg/dl. Dieser Wert kommt dem derzeitigen Grenzwert von 100 mg/dl sehr nahe. „Eine Klassifizierung nach dem derzeit festgelegten Grenzwert erscheint uns daher günstiger zu sein, um nicht zu viele Personen mit einem erhöhten Risiko von vornherein von Interventionsmaßnahmen auszuschließen", erklärt Schulze.

„Es geht uns nicht darum, einen großen Teil der Bevölkerung für 'krank' zu erklären, sondern darum, die notwendige Prävention sinnvoll anzuwenden", kommentiert Hans-Georg Joost. "Da unsere Daten auch nahe legen, dass eine genauere Risiko-Differenzierung über einen weiten Wertebereich des Nüchtern-Blutzuckers möglich ist, sollte jeder präventiven Maßnahme eine ärztliche, detaillierte Risikobestimmung vorangehen." Die Forscher publizierten ihre Daten in der Fachzeitschrift Diabetic Medicine.
(Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, 28.12.2009 - NPO)

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