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Dienstag, 07.02.2012
Raucherkinder sind häufiger hyperaktiv
Studie belegt erhöhtes Risiko für Verhaltensauffälligkeiten
Kinder, die während ihrer frühen Entwicklung Tabakrauch ausgesetzt sind, können bis zum Alter von etwa zehn Jahren Verhaltensauffälligkeiten entwickeln. Dies haben jetzt Wissenschaftler im Rahmen der so genannten GINI-Plus-Studie herausgefunden.

Rauchen und die Folgen
Rauchen und die Folgen
© National Cancer Institute
Besonders negativ macht sich danach der Einfluss des Tabakrauches während der Schwangerschaft bemerkbar, schreiben die Forscher des Helmholtz Zentrums München zusammen mit Kollegen der Universität München in der Fachzeitschrift „Environmental Health Perspectives“.

Höheres Risiko für Verhaltensauffälligkeiten
„Wir konnten zeigen, dass Kinder, die während der Schwangerschaft und den ersten Lebensjahren Tabakrauch ausgesetzt sind, im Schulalter gehäuft Verhaltensauffälligkeiten entwickeln“, sagt Dr. Joachim Heinrich vom Institut für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München. Dabei macht es für die kindliche Entwicklung einen Unterschied, ob das Kind erst nach der Geburt oder schon während der vorgeburtlichen Entwicklung mit Tabakrauch konfrontiert wurde.

Kinder, die ausschließlich vor der Geburt durch Tabakrauch belastet wurden, haben der Studie zufolge ein 1,9-fach erhöhtes Risiko, Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln. Die Gefahr bei Kindern, die erst nach der Geburt Tabakrauch exponiert waren, war immer noch um den Faktor 1,3 erhöht.

Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsdefizite und Beziehungsstörungen
Kinder, die sowohl vor als auch nach der Geburt in einer Raucherumgebung aufwuchsen, hatten nach Angaben der Wissenschaftler sogar ein 2-fach erhöhtes Risiko für Verhaltensauffälligkeiten. Dazu zählen unter anderem Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsdefizite, oder Störungen in der Beziehung mit Gleichaltrigen. Die Ergebnisse der Studie wurden sorgfältig mit der sozialen Lage der Familien abgeglichen. Ein Zusammenhang mit prekären Familienverhältnissen konnte, so die Forscher, ausgeschlossen werden.

In der GINI-plus-Studie begleiten und befragen Heinrich und seine Kollegen eine große Geburtenkohorte. Die Studie schließt 5.991 Kinder ein, die zwischen 1995 und 1998 geboren wurden. Umfangreiche Folgestudien werden sich anschließen.

„Der Wert unserer Studie liegt nicht zuletzt in dem prospektiven Untersuchungsansatz und der umfassenden Befragung zu möglichen Belastungen der Ungeborenen, Säuglinge und Kinder zu verschiedenen Zeiten“, berichtet Heinrich. Dies ermögliche es, die Auswirkungen vor- und nachgeburtlicher Rauchbelastung differenziert zu entschlüsseln.

Nikotingehalt im Urin überprüft
Zur Absicherung ihrer Ergebnisse aus den Befragungen kontrollierten die Wissenschaftler im Rahmen ihrer Erhebung auch den Gehalt an Nikotin in der Raumluft sowie Cotinin, ein Abbauprodukt von Nikotin, im Urin der teilnehmenden Kinder. „Die Übereinstimmung mit den Daten aus den Fragebögen lag bei über 93 Prozent“, fasst Simon Rückinger, Erstautor der Studie, zusammen.

Die Ergebnisse machen nach Angaben der Wissenschaftler deutlich, dass Tabakrauch auch auf die Verhaltensentwicklung von Kindern wesentlichen Einfluss nimmt. Dabei spielt der Einfluss während der Schwangerschaft eine größere Rolle als die Belastung der Kinder nach dieser sensiblen Entwicklungsphase. Aber auch allein der Aufenthalt von Kindern in verrauchten Räumen ist mit einem erhöhten Risiko für Verhaltensauffälligkeiten verbunden.
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