• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Montag, 25.09.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Gehirnaktivität entlarvt Wortbrecher

Physiologische Grundlagen von gebrochenen Versprechen entdeckt

Ein internationales Wissenschaftlerteam hat die gehirnphysiologischen Grundlagen von gebrochenen Versprechen entdeckt. Die Gehirnaktivierungsmuster lassen sogar eine Prognose zu, ob jemand sein Wort brechen wird, berichten die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Neuron“.
Forschungslandschaft Gehirn

Forschungslandschaft Gehirn

Das Versprechen ist eine der ältesten spezifisch menschlichen Verhaltensweisen, die Kooperationen, Vertrauen und Partnerschaft fördert. Obwohl Versprechen meistens nicht gesetzlich bindend sind, basieren viele soziale und ökonomische Tausch-Situationen im täglichen Leben darauf.

Den gehirnphysiologischen Grundlagen auf der Spur


Allerdings können solche Versprechen nicht nur gehalten, sondern auch gebrochen werden. Tatsächlich sind materielle Anreize zu betrügen in der menschlichen Gesellschaft allgegenwärtig und folglich können Versprechen in jeder sozialen und ökonomischen Tauschsituation auch missbraucht werden, um seinen Interaktionspartner zu betrügen. Geschäftsleute, Politiker, Diplomaten, Anwälte und Privatpersonen verhalten sich nicht immer nur ehrlich, wie insbesondere jüngste Finanzskandale auf dramatische Weise aufgezeigt haben.

Trotz der Allgegenwärtigkeit von Versprechen im menschlichen Leben wissen wir allerdings kaum etwas über die gehirnphysiologischen Grundlagen dieses Phänomens. Um diese Lücke zu schließen, haben der Neurowissenschaftler Thomas Baumgartner von der Universität Zürich und die Ökonomen Ernst Fehr, ebenfalls Universität Zürich, und Urs Fischbacher von der Universität Konstanz im Gehirn-Scanner ein soziales Interaktionsexperiment durchgeführt. Dabei hat der Bruch eines Versprechens sowohl zu finanziellen Vorteilen für den Versprechensbrecher als auch zu finanziellen Nachteilen für den Interaktionspartner geführt.


Erhöhte Aktivität im Gehirn


Die Ergebnisse der Studie zeigen nach Angaben der Forscher, dass der Bruch eines Versprechens mit einer erhöhten Aktivität in Gehirnregionen einhergeht, die in Emotions- und Kontroll-Prozessen eine wichtige Rolle spielen. Dieses Gehirnaktivierungsmuster lässt darauf schließen, dass der Bruch eines Versprechens beim Versprechensbrecher einen emotionalen Konflikt aufgrund der Unterdrückung der ehrlichen Antwort auslöst.

Im wichtigsten Ergebnis der Studie konnten die Forscher zeigen, dass „verräterische“ Gehirnaktivierungsmuster uns sogar erlauben, eine Prognose über zukünftiges Verhalten abzugeben. Zwar unterscheiden sich Versuchspersonen, die ein Versprechen letztlich halten und solche, die es brechen, zum Zeitpunkt der Versprechensabgabe nicht - beide versprechen hoch und heilig, das Versprechen zu halten. Doch die Gehirnaktivierung entlarvt die späteren Versprechensbrecher bereits schon zu diesem Zeitpunkt.

Übeltäter überführen


Wie der Neurowissenschaftler Baumgartner erklärt, weisen diese Ergebnisse darauf hin, dass Gehirnmessungen bösartige Absichten schon zu einem Zeitpunkt enthüllen können, bevor die unehrliche oder betrügerische Tat tatsächlich begangen worden ist. „Ein solcher Befund lässt folglich die Spekulation zu, dass Gehirnmessungen in (ferner) Zukunft nicht nur verwendet werden können, um Übeltäter zu überführen, sondern vielmehr vielleicht sogar mithelfen können, betrügerische und kriminelle Machenschaften zu verhindern - eine Vision, die im Science- Fiction-Film ‚Minority Report‘ bereits Realität geworden ist.“

„Wir haben wichtige Elemente der neuronalen Grundlage von gebrochenen Versprechen entdeckt“, erklärt der Ökonom Ernst Fehr. „Im Lichte der Bedeutung von Versprechen im alltäglichen, zwischenmenschlichen Zusammenleben eröffnen uns diese Ergebnisse die Aussicht, die gehirnphysiologische Basis von prosozialem und insbesondere antisozialem Verhalten im Allgemeinen besser ergründen und verstehen zu können.“
(idw - Universität Zürich, 10.12.2009 - DLO)
 
Printer IconShare Icon