Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 11.02.2012
Deutscher Zukunftspreis für Thrombose-Tablette
Frank Misselwitz, Dagmar Kubitza und Elisabeth Perzborn ausgezeichnet
Bundespräsident Horst Köhler hat in Berlin den mit 250.000 Euro dotierten Deutschen Zukunftspreis 2009 an Dr. Frank Misselwitz, Dr. Dagmar Kubitza und Dr. Elisabeth Perzborn verliehen. Die Forscher von Bayer Schering in Wuppertal konnten sich mit ihrem Projekt „Thrombosen verhindern - eine Tablette kann Leben retten“ gegen zwei Konkurrenten durchsetzen, die die Jury ebenfalls für die Endrunde nominiert hatte.

Die drei siegreichen Forscher
Die drei siegreichen Forscher
© Bundespräsidialamt / Deutscher Zukunftspreis / Bayer Schering Die drei siegreichen Forscher
Der Deutsche Zukunftspreis wurde 1997 ins Leben gerufen. Mit dem Preis würdigt der Bundespräsident Menschen, die mit ihren Innovationen Antworten auf aktuelle Herausforderungen für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft liefern.

In den Industrieländern sind Thrombosen - Blutgerinnsel, die die Gefäße verstopfen - eine der häufigsten Todesursachen. Die drei ausgezeichneten Forscher und ihre Teams fanden nach Angaben der Jury eine wirkungsvolle und unkomplizierte Therapie gegen diese gefährliche Erkrankung. Sie haben ein neuartiges Medikament entwickelt, das sich durch einen sehr effizienten Wirkmechanismus auszeichnet und das von den Patienten in Tablettenform eingenommen werden kann.

Wirkstoff Rivaroxaban senkt das Thromboserisiko
Grundlage dieser Innovation ist der bei der Bayer Schering Pharma identifizierte Wirkstoff Rivaroxaban, der selektiv und gezielt in die biochemischen Abläufe während der Blutgerinnung eingreift. Maßgeblich für die Thrombosenbildung ist das Enzym Faktor Xa, es steuert die Bildung des Enzyms Thrombin. Dieses spaltet Fibrinogen zu Fibrin – dem „Klebstoff“ der Blutgerinnung.

Indem er die Aktivität des Faktor-Xa-Enzyms hemmt, verringert der Wirkstoff Rivaroxaban das Thromboserisiko. Wichtig ist, dass er die Blutgerinnung nicht völlig verhindert, sodass der Körper weiterhin Blutungen, etwa nach einer Verletzung oder einer Operation, stoppen kann.

Einfache Anwendung
Rivaroxaban hat in Studien nicht nur eine höhere Wirksamkeit gezeigt als die bisherige Standardtherapie – bei vergleichbarem Sicherheitsprofil –, der Wirkstoff ermöglicht auch eine einfachere Anwendung: Die Patienten können ihn einmal täglich als Tablette einnehmen, während konventionelle Präparate für die Kurzeitanwendung gespritzt werden müssen. Auch eine regelmäßige Kontrolle des Blutbildes, zum Bespiel während der oralen Langzeit-Standardtherapie, sowie eine Anpassung der Dosis an Alter, Körpergewicht und Geschlecht des Patienten sind bei einer Behandlung mit Rivaroxaban nicht erforderlich.

Zwei weitere Projekte in der Endausscheidung
Neben dem Projekt „Thrombosen verhindern“ waren noch zwei weitere in die Endausscheidung um den Deutschen Zukunftspreis 2009 gekommen. Bereits die Nominierung ist eine hohe Auszeichnung: Wer die Jury überzeugt, gehört zum „Kreis der Besten“, zu den innovativsten Köpfen Deutschlands. Von Bundespräsident Horst Köhler wurden für ihre Leistungen mit einer Urkunde ausgezeichnet:

Hans-Jürgen Wildau und sein Team der BIOTRONIK SE & Co. KG, Berlin
mit dem Projekt „Botschaften von Herzen - Schrittmacher sendet E-Mail an Arzt“

und
Professor Volker Wittwer, Peter Schossig
Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE, Freiburg,
Ekkehard Jahns
BASF SE Ludwigshafen
mit dem Projekt „Mit kleinen Kugeln gegen den Klimawandel – Energieeffizienz und Komfort durch intelligente Baustoffe“ .
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Forschung, Wissenschaft, Medikamente, Tabletten, Wirkstoffe, Thrombose, Blutgerinnung, Herz, Klimawandel, Energieeffizienz
Weitere News zum Thema
Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt (10.02.2012)
Einzigartige Lebensformen im Wostoksee waren seit 15 Millionen Jahren isoliert
Kaltwasserkorallen als Anpassungskünstler? (10.02.2012)
Können Kaltwasserkorallen der Versauerung des Meerwassers standhalten?
Ozeanerwärmung lässt Seeelefanten tiefer tauchen (09.02.2012)
Wärmeres Waser zwingt Robben zu verändertem Verhalten
Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig (09.02.2012)
Hamburger Forscher sammeln neue Erkenntnisse für einen optischen Quantencomputer
Modellvergleich soll Klimafolgen besser abschätzen (08.02.2012)
Besseres Fundament für Weltklimabericht 2014
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Viren als Therapeuten
Vitamine
Solarenergie
Klimaforschung
Dossiers zum Thema
Arzneimittelforschung
Mit Hightech auf der Suche nach Naturwirkstoffen
Lebenselixier Blut
„Ein ganz besondrer Saft“
Solarenergie
Das Öl der Zukunft
Klimawandel
Bringt der Mensch das irdische Klima aus dem Gleichgewicht?
Klimawandel in Deutschland
Wie verändert sich unser Klima bis 2100?
Erneuerbare Energien
Welche Zukunft haben die "Ressourcen der Zukunft"
Von der Green IT zum Green Building
Neue Stromspar-Strategien in Technik und Architektur
News des Tages
Gleiche „Tonleitern” in Musik und Sprache
Heißer „Neptun” umkreist Sonnen-Double
Gewaltige Supernova in Mini-Galaxie entdeckt
Deutscher Zukunftspreis für Thrombose-Tablette
Nordatlantik: CO2-Aufnahme überrascht Forscher
Immunzellen besitzen eine innere Uhr
Bücher zum Thema
Tabletten, Tropfen und Tinkturen
Medizin im Alltag von Cornelia Bartels, Heike Göllner und Jan Koolman
Die Geschichte der Medizin
Von der Antike bis zur Gegenwart von Bernt Karger-Decker
Der kleine Medicus
von Dietrich H. W. Grönemeyer
Phänomen Mensch
Körper, Krankheit, Medizin von Andreas Sentker und Frank Wigger
Globaler Wandel
Die Erde aus dem All von Stefan Dech, Rüdiger Glaser und Robert Meisner
Sonnige Aussichten
Wie Klimaschutz zum Gewinn für alle wird von Franz Alt
Erneuerbare Energie
von Thomas Bührke und Roland Wengenmayr
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Jeder Vierte stirbt an Krebs
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes