Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 11.02.2012
Rätsel der Titanseen geknackt
Umlaufbahn verantwortlich für asymmetrische Verteilung
Die Seen auf dem Saturnmond Titan sind ungewöhnlich asymmetrisch verteilt – sie häufen sich auf der Nordhalbkugel. Warum, erklären jetzt Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Nature Geoscience“. Demnach ist die Exzentrizität der Saturnumlaufbahn und damit auch die des Titan für diese Verteilung verantwortlich.

Nördliche und südliche Hemisphäre des Titan
Nördliche und südliche Hemisphäre des Titan
© NASA / JPL / Caltech / University of Arizona/Cassini Imaging Team Nördliche und südliche Hemisphäre des Titan
Radar-Aufnahmen der Cassini-Sonde, die seit 2004 im Saturnsystem unterwegs ist, enthüllten schon vor einiger Zeit die Existenz von flüssigkeitsgefüllten Seen auf der durch dichte Wolken verhüllten Titanoberfläche. Sie enthalten kein Wasser sondern Ethan und Methan – bei niedrigen Temperaturen flüssige Kohlenwasserstoffe. Überraschend war dabei, dass es in den hohen Breiten der Nordhalbkugel rund 20 Mal mehr solcher Seen gibt als im Südpolargebiet. Viele von ihnen erscheinen darüber hinaus nur halb gefüllt oder leer.

Topographie oder saisonale Unterschiede?
Aus dieser Asymmetrie schlossen Wissenschaftler zunächst auf fundamentale Unterschiede der beiden Hemisphären: „Es musste etwas an der Nordpolarregion gegenüber der südlichen anders sein, beispielsweise in Bezug auf die Topographie, so dass die flüssigen Niederschläge in einer Hemisphäre eher einsickerten oder abflossen als in der anderen“, erklärt Oded Aharonson, Professor für Planetenkunde am California Institute of Technology (Caltech) die bisherigen Auffassungen. Doch weitere Untersuchungen haben keinerlei Hinweise auf solche Unterschiede ergeben.

Auch eine weitere Theorie wirft Probleme auf. Nach ihr könnten saisonale Mechanismen verantwortlich sein: Alle 15 Erdjahre wechseln die Jahreszeiten von Sommer zu Winter und umgekehrt auf den jeweiligen Halbkugeln. Wenn es im Winter mehr Niederschläge gibt als im Sommer, könnte dies die unterschiedliche Seenhäufigkeit erklären. Doch weil die Seen im Norden mehrere hundert Meter tief sind, würden 15 Jahre nicht ausreichen, um sie zu füllen oder aber austrocknen zu lassen.

Auch würde dies nicht erklären, warum es im Norden auch drei Mal so viel leere Seen gibt wie im Süden. „Wie bewegt man ein Loch im Boden“, fragt Aharonson. „Saisonale Mechanismen können für einen Teil des globalen Transports des flüssigen Methans verantwortlich sein, aber das ist nicht die ganze Geschichte.“

Exzentrische Saturnbahn
Aharonson und seine Kollegen vom Caltech konzentrierten sich in ihrer Studie daher auf einen anderen Aspekt: die Exzentrizität im Orbit des Saturn und damit auch des Titan. Ähnlich wie auch die Erde umkreist der Ringplanet die Sonne nicht auf einer perfekten Kreisbahn sondern auf einer Ellipse. Deswegen sind der Saturn und sein Trabant Titan während des Titan-Südsommers um zwölf Prozent näher an der Sonne als während des Nordsommers. Als Folge sind letztere lang, aber mild, während die Südsommer heiß und kurz verlaufen.

Verantwortlich für globale Methanverteilung
Nach Ansicht der Forscher beeinflussen diese Unterschiede die relativen Niederschlagsmengen und die Verdunstungsraten der beiden Halbkugeln entsprechend unterschiedlich. „Wir schlagen vor, dass in dieser Konfiguration die Differenz zwischen Niederschlag und Verdunstung in beiden Halbkugeln während der entsprechenden Jahreszeiten nicht gleich ist“, so Aharonson. „Dadurch gibt es einen Netto-Transport von Methan vom Süden in den Norden und dieses Ungleichgewicht führt zu einer Akkumulation des Methans – und damit der Bildung von mehr Seen – auf der Nordhalbkugel.“

Diese Situation könnte sich allerdings in einigen zehntausend Jahren wieder ändern. Denn ähnlich wie auch bei der Erde verändern sich die orbitalen Parameter im Laufe der Zeit. „Auf der Erde sind diese Variationen, als Milankowich-Zyklen bekannt, mit der globalen Verteilung des Wassers in Form von Gletschern verbunden und damit auch für die Zyklen der Eiszeiten verantwortlich. Auf dem Titan gibt es langfristige Klimazyklen im globalen Transport von Methan, die Seen bilden und Seebecken formen. In beiden Fällen finden wir Hinweise auf diese Prozesse eingebettet in die Geologie der Himmelskörper.“
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Saturn, Titan, Mond, Sonnensystem, All, Kosmos, Universum, Methan, Seen, Hemisphären
Weitere News zum Thema
Auch Zwerggalaxien sind Kannibalen (09.02.2012)
Astronomen beobachten, wie sich ein kleines Milchstraßensystem ein noch kleineres einverleibt
Rätselhafter Gasring um Stern entdeckt (19.01.2012)
Astronomen identifizieren ungewöhnliches Phänomen bei V1052 Cen
Milchstraße: Millionen Planeten mit zwei Sonnen? (13.01.2012)
Entdeckung neuer Doppelstern-Planeten deutet auf große Häufigkeit hin
Planeten überlebten Todeskampf ihres Sterns (22.12.2011)
Gasriesen wurden von sich ausdehnendem Roten Riesenstern verschlungen
Eris ist eine Zwillingsschwester des Pluto (28.10.2011)
Sternbedeckung liefert wichtige Informationen über den fernen Zwergplanet
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Saturnmond Titan
Planeten
Rätselhafter Merkur
Außenseiter Pluto
Rückkehr zum Mond
Der Rote Planet
Dossiers zum Thema
Rätsel Titan
Saturntrabant unter orangefarbenem Schleier
Besuch beim Herrn der Ringe
Sonde Cassini auf Tour im Saturnsystem
Mars - das Update
Neue Ergebnisse der aktuellen Mars-Missionen
Außenseiter im Sonnensystem
Pluto – ein Kleinplanet mit Geheimnissen
Rätsel Merkur
Den Geheimnissen des innersten Planeten auf der Spur
Venus
Kaprizen einer Diva
Am Puls der Sonne
Schallwellen verraten solare Geheimnisse
Rückkehr zum Mond
Neuer Run auf den Erdtrabanten
News des Tages
Rätsel der Titanseen geknackt
40.000 Universen auf einen Streich
Polymere fischen radioaktive Isotope
Wie sich HIV vermehrt
Goldklümpchen verraten Arsen
Sedimentkerne enthüllen Meeresspiegel-Wippe
Ameisenlöwe ist Insekt des Jahres 2010
Bücher zum Thema
Die Planeten
von David McNab und James Younger
Space Odyssey
Mission zu den Planeten
Das Universum
"Die Schöpfung" und "Die Sterne"
Der Weltraum
Planeten, Sterne, Galaxien von Heather Couper & Nigel Henbest
Was zu entdecken bleibt
Über die Geheimnisse des Universums, den Ursprung des Lebens und die Zukunft der Menschheit von John R. Maddox
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Jeder Vierte stirbt an Krebs
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes