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Samstag, 11.02.2012
Portugal: Römervilla im Acker entdeckt
Archäologen erforschen römische Besiedlung im Süden des Landes
Auf einem unscheinbaren Acker im Süden Portugals nahe der Kreisstadt Silves haben Jenaer Archäologen eine sensationelle Entdeckung gemacht: Nur knapp 20 Zentimeter unter der Erdoberfläche sind sie auf Reste einer römischen Villa gestoßen. Bisher war über die Geschichte der Römer in diesem Teil der ehemaligen römischen Provinz Lusitania kaum etwas bekannt.

Massive Mauern
Massive Mauern
© Dennis Graen / FSU Massive Mauern
„Man kannte nur einige Villen entlang der Küste, aber es existierte keine einzige Fundstelle dieser Art im Hinterland“, sagt Dennis Graen vom Lehrstuhl für Klassische Archäologie der Universität Jena. Ein portugiesischer Kollege von der Gemeindeverwaltung in Silves hatte die deutschen Forscher auf den Acker aufmerksam gemacht. „Er hatte dort an der Oberfläche vereinzelte Keramikscherben und Mosaiksteinchen gefunden, die Hinweise auf eine Herkunft aus der Römerzeit lieferten“, erzählt Graen.

Grundriss eines Gebäudetraktes entdeckt
Zusammen mit Kollegen von der Universität Hamburg und einem Dutzend Jenaer Studierender machte sich Graen im September 2009 daran, das Gebiet an der Algarve genauer zu untersuchen. Mit geomagnetischen Messungen verschafften sich die Wissenschaftler einen ersten Überblick über den Untergrund. Dabei entdeckten sie den Grundriss eines dreiflügligen Gebäudetraktes. Bei der Grabung entpuppte er sich als massive, quaderverkleidete Außenmauern, die die teilweise noch sehr gut erhaltenen Innenmauern umschließen.

Restaurierte Amphore
Restaurierte Amphore
© FSU Restaurierte Amphore
Erdrückende Hinweise für römische Besiedlung
„Zusammen mit Keramiken und Münzen, die wir im Fundament des Gebäudes gefunden haben, deutet alles auf eine Besiedlung in der Zeit vom ersten vorchristlichen Jahrhundert bis ins 5. Jh. n. Chr. hin“, so Grabungsleiter Graen.

Dabei sind die Hinweise darauf, dass es sich um eine römische Besiedlung handeln muss, beinahe erdrückend: Reich verzierte Keramikscherben aus dem damaligen Gallien und Nordafrika, bronzene Gewandspangen, Reste von Wandmalereien, tausende Mosaiksteinchen, Amphoren und Münzen mit dem Abbild des Kaisers Konstantin.

Kein Kerngebiet der Römer
„Der Fund ist äußerst erstaunlich, da die Gegend nicht als Kerngebiet der Römer gilt“, berichtet Graen. Ob es sich tatsächlich um römische Siedler oder aber um einen einheimischen Volksstamm handelte, der nach römischem Vorbild lebte, wollen die Forscher in den nächsten Jahren herausfinden. Dafür werden sie weitere Grabungen in der näheren Umgebung durchführen. Doch zunächst hoffen sie, weitere Teile der entdeckten Villa freilegen zu können.

„An der jetzigen Fundstelle haben wir eine Menge Tierknochen und Handwerkszeug wie Teile eines Webstuhls und einer Getreidemühle gefunden“, so Graen. Sogar Reste eines Beils und einer Messerklinge aus der Jungsteinzeit förderten die Wissenschaftler bei ihrer Grabung zutage. Alles deute darauf hin, dass es sich um den Nutztrakt des Gebäudes handelt.

Auf der Suche nach dem „Wohnzimmer“
„Bei den nächsten Grabungen werden wir hoffentlich auf den vermutlich hochwertiger ausgestatteten Wohntrakt stoßen“, sagt der Archäologe optimistisch. Dort erhoffen sich die Altertumsforscher mehr Informationen über die Herkunft und soziale Stellung der einstigen Bewohner. Schon jetzt vermuten die Jenaer Forscher, dass der Besitzer eher wohlhabend gewesen sein muss.

„Geborgene Reste von Fensterglas, Fragmente von bemaltem Wandputz, Mosaiksteinchen und Hinweise auf eine isolierende Wandverkleidung, vielleicht für eine Art Badeanlage, waren nicht alltäglich und deuten ganz klar in diese Richtung“, ist Graen überzeugt. Aufschluss werden die Grabungen im kommenden Jahr geben.
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