Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 20.03.2010
Nanofilter beschleunigt Datenübertragung
Federn von Kolibris als Vorbilder in der Natur
Gegenwärtig lassen sich in leistungsfähigen Glasfasernetzen Datenmengen um zehn Gigabit - das sind zehn Milliarden logische Zeichen - pro Sekunde und Kanal übermitteln. Und schon bald werden Datenmengen vieler Terabit (ein Terabit sind 1000 Gigabit) pro Sekunde keine Utopie mehr sein. Forscher der Universität Kassel haben optische Filter im Nanomaßstab entwickelt, die dabei helfen können, große Datenmengen, zum Beispiel Bilder, Musik und Filme, sehr schnell und zeitgleich für verschiedene Sende- und Empfangsgeräte, wie Computer, Telefon oder Fax, in einer einzigen Glasfaser zu übertragen.

Verschlüsselung in Infrarot-Lichtsignalen verschiedener Wellenlängen
Glasfaser
Glasfaser
© PNNL
Die zu versendenden Daten werden dazu in Infrarot-Lichtsignale verschiedener Wellenlängen verschlüsselt und zeitgleich nebeneinander in nur einer Glasfaser übertragen. Auf der Empfängerseite der Faser ordnet ein optischer Filter die in den Lichtwellen verborgenen Informationen den unterschiedlichen Empfangsgeräten zu. Der Filter, den die Kasseler Wissenschaftler entwickelt haben, besteht aus mehreren spiegelnden Membranen, die parallel zueinander angeordnet sind.

In Abhängigkeit von ihrem Abstand, der nur wenige hundert Nanometer beträgt (ein Nanometer ist der milliardste Teil eines Meters), ist der Filter nur für Lichtstrahlen einer ganz bestimmten Wellenlänge durchlässig. Wird eine elektrische Spannung an die winzige Konstruktion angelegt, lässt sich der Abstand der Membrane nanometergenau verändern und der Filter ganz gezielt auf bestimmte Lichtwellenlängen einstellen.

Bisher ist es den Kasseler Wissenschaftlern gelungen, den Abstand der Membrane bei einer Spannungsänderung von nur 3,2 Volt um insgesamt 142 Nanometer zu variieren - mit einer Abweichung von nur 0,4 Nanometern. Mit dieser Leistung halten die Wissenschaftler um Prof. Hillmer zur Zeit zwei internationale Rekorde. Rund um die Nanotechnologie haben die Forscher schon 15 Patente eingereicht.

Vorbilder in der Natur
Vorbilder für die optischen Filter finden sich in der Natur. Dort sind es winzige Gitterstrukturen, zum Beispiel in den Federn von Kolibris, die einfallende Lichtwellen einer bestimmten Wellenlänge reflektieren und verstärken, andere auslöschen. Das Gitter, das wie ein optischer Nanofilter wirkt, zerlegt das einfallende Licht spektral, Licht unterschiedlicher Wellenlängen wird in verschiedene Richtungen reflektiert.

Abhängig vom Einfallswinkel des Lichts überlagern sich die Lichtwellen so, dass für einen bestimmten Winkel das Licht einer Farbe verstärkt und alle anderen Farben ausgelöscht werden. Das Gefieder erscheint so für verschiedene Lichtquellenpositionen in unterschiedlichen, herrlich schillernden Farben. Ähnliche Farbeffekte kann man auch bei Pfauen und Vögeln aus der Familie der seltenen Trogone, bei Rosenkäfern und exotischen Schmetterlingen sowie bei Opalen beobachten.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Glasfaser, Datenmengen, Nanotechnologie, Terabit, Kolibris
Weitere News zum Thema
Photonen auf Irrwegen (09.02.2010)
Physiker entwickeln ein Experiment, um die Zufallsbewegung von Quantenteilchen zu untersuchen
Mobile Mikroskope blicken ins Gehirn (09.11.2009)
Winziges Laser-Rastermikroskop kann Hirnaktivität bei frei umherlaufenden Tieren aufzeichnen
Physik-Nobelpreis für „Meister des Lichts“ (06.10.2009)
Auszeichnung für die Glasfaser-Kommunikation und CCD-Sensor
Gefangene Elektronen leben länger (18.08.2009)
Erste Messung der Lebensdauer angeregter Elektronen in Quantenpunkten
Glasfaser als Lichtspeicher (30.07.2009)
Mikroresonator für verschiedene Lichtfrequenzen in einem Bauteil
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Nanotechnologie
Baukastenspiele im Reich des Allerkleinsten
Computer der Zukunft
Rechnen mit Quanten, Licht und DNA
Zoom aufs Atom
Reise in den Mikrokosmos
News des Tages
Auch Affen halten Winterschlaf
Wissenschaftler untersuchen Nahtstellen der Erde
Koffeinfreie Kaffeepflanzen entdeckt
Nanofilter beschleunigt Datenübertragung
Keramik statt Eisen: Neuer Hochleistungswerkstoff entwickelt
Detektor analysiert DNA-Chips
Bücher zum Thema
Nanotechnologie und Nanoprozesse
Einführung, Bewertung von Wolfgang Fahrner
Projekt Zukunft
Die Megatrends in Wissenschaft und Technik von Hans-Jürgen Warnecke
Darwin im Reich der Maschinen
Die Evolution der globalen Intelligenz von George Dyson
Top-Clicks der Woche
1. Licht verbiegt Materie
2. Radioaktivität tatsächlich „Heizofen“ des Erdinneren
3. Super-Supernova: Weißer Zwerg sprengt Massegrenze
4. Neuer langlebigerer Akku für mobile Geräte
5. „Stein von Rosetta“ der Exoplaneten gefunden