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Freitag, 10.02.2012
Schon die alten Ägypter hatten Arterienverkalkung
Untersuchung von Mumien enthüllt Arteriosklerose als verbreitete Erkrankung schon vor 3.500 Jahren
Arteriosklerose – die Verhärtung und Verengung der Blutgefäße - ist keine „Errungenschaft“ der modernen Zivilisation, ganz im Gegenteil: Schon die alten Ägypter litten unter dieser Erkrankung, die zu Herzinfarkten und Schlaganfall führen kann. Das zeigt die Untersuchung vor mehreren 3.500 Jahre alten ägyptischen Mumien, die jetzt im „Journal of the American Medical Association“ (JAMA) erschienen ist.

Mumie Esankh im CT-Scanner
Mumie Esankh im CT-Scanner
© Dr. Michael Miyamoto / UC San Diego Mumie Esankh im CT-Scanner
Pharao Merenptah, der von 1213 bis 1203 vor Christus lebte, starb mit rund 60 Jahren. Im Alter litt er, dass ergaben Untersuchungen der Mumie schon vor einigen Jahren, an Arthritis, Arteriosklerose und Zahnverfall. Aber wie verbreitet war speziell die Arterienverkalkung unter den Ägyptern damals? War der Pharao ein Einzelfall oder glichen die Verhältnisse sogar den heutigen, wo die Arteriosklerose zu den großen Volkskrankheiten zählt?

Mumien-Adern im Computertomografen
Gregory Thomas, Professor für Kardiologie an der Universität von Kalifornien in Irvine und ein Team von ägyptischen und amerikanischen Kardiologen wollten es genauer wissen. Sie wählten 20 Mumien aus dem Bestand des Ägyptischen Museums in Kairo aus und scannten sie Anfang des Jahres mit Hilfe eines Computertomografen. Besondere Aufmerksamkeit richteten die Forscher dabei auf das Gefäßsystem der einbalsamierten Leichen.

Das Ergebnis: Neun der 16 Mumien, bei denen noch Herz und Arterien zu erkennen waren, litten tatsächlich an Arteriosklerose. Deutlich war eine Verkalkung an der Wand der Arterien zu sehen oder war als Kalkrest zurückgeblieben entlang der Bahn, wo sich früher einmal die Ader befunden hatte. Bei einigen Mumien fanden die Wissenschaftler Verkalkungen in bis zu sechs verschiedenen Adern.

Verbreitet Arteriosklerose im Alter
Mit Hilfe von Skelettanalysen stellten die Wissenschaftler anschließen das genaue Alter der Mumien zum Zeitpunkt ihres Todes fest, sowie – für die Mehrheit von ihnen Namen und Stellung zu ihren Lebzeiten. Es zeigte sich, dass von den acht Ägyptern, die mit mehr als 45 Jahren gestorben waren, sogar sieben an Arteriosklerose litten – Frauen wie Männer gleichermaßen. Unter den acht in jüngerem Alter Gestorbenen fanden sich dagegen nur bei zwei Mumien Anzeichen für eine Verkalkung.

Hoher gesellschaftlicher Rang
Alle Mumien, deren Identität bekannt war, hatten zu ihren Lebzeiten einen hohen sozioökonomischen Status, meist dienten sie am Hofe des Pharao oder waren Priester und Priesterinnen. Die älteste der untersuchten Mumien war „Lady Rai“. Sie arbeitete um 1530 vor Christus als Kindermädchen der Königin Ahmose Nefertiri. Damit lebte sie rund 300 Jahre vor Moses und 200 Jahre vor König Tutenchamun. Was sie und die anderen damals gegessen haben, verraten die Mumien nicht, doch Ägyptologen wissen, dass bei Hofe eine fleisch- und fettreiche Kost durchaus üblich war.

„Wir wissen zwar nicht, ob die Arteriosklerose den Tod der in der Studie untersuchten Mumien verursacht hat, wir können aber bestätigen, dass damals viele unter dieser Krankheit litten“, so Thomas. „Die Ergebnisse deuten auch darauf hin, dass wir über die modernen Risikofaktoren hinaus schauen müssen, um die Krankheit völlig zu verstehen.“
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