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Samstag, 04.02.2012
Amazonas-Entwaldung auf historischem Tiefstand
WWF ruft zur Fortsetzung der Schutzanstrengungen auf
Brasilien hat einen herausragenden Erfolg im Kampf gegen die Zerstörung des Amazonas-Gebietes gemeldet. Die Entwaldung lag dort im zurückliegenden Messzeitraum auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen 1988. Das gab jetzt Präsident Luiz Inácio Lula da Silva bekannt.

Tropischer Regenwald
Tropischer Regenwald
© IMSI MasterClips
Insgesamt wurden im Zeitraum von August 2008 bis Juli 2009 aber immerhin noch 7.000 Quadratkilometer (km2) Amazonaswald abgeholzt. Das sind jedoch nur knapp halb so viel wie im Vorjahr und nur ein Viertel des historischen Höchststands von 1995, der bei 29.000 km2 lag.

Meilenstein bei der Rettung des Amazonas?
„Das sind äußerst ermutigende Nachrichten für die Umwelt, die Menschen vor Ort und nicht zuletzt für das Weltklima“, bewertete Roberto Maldonado, Amazonasexperte und Projektkoordinator des WWF für die Region, die neuen Zahlen. „Natürlich ist die Entwaldung des Amazonas noch immer dramatisch, aber die neusten Zahlen können ein Meilenstein bei der Rettung des Amazonas sein“.

Entwaldungsfront gebremst
Ein besonderer Erfolg ist im WWF-Projektgebiet im Nationalpark Juruena im Bundesstaat Mato Grosso zu verzeichnen. Der Nationalpark half in Mato Grosso, die voranrückende Entwaldungsfront zu bremsen und die Entwaldungsrate von 12.000 Quadratkilometern im Jahr 2004 auf 1.000 in diesem Jahr zu drücken, so die Natur- und Umweltschutzorganisation.

Allerdings gibt es nach Auffassung des WWF noch lange keinen Anlass zur Entwarnung in Brasilien. Im neben dem Amazonas gelegenen Cerrado-Waldgebiet etwa wurden im gleichen Zeitraum 20.000 km2 Trockenwald zerstört. Der WWF ruft die Brasilianische Regierung deswegen dazu auf, die Anstrengungen im Amazonasgebiet, aber auch in den anderen Regionen Brasiliens fortzuführen und den Trend zu konsolidieren.

Eine der größten Herausforderungen ist nach Angaben der Umweltschützer die Bekämpfung der illegalen Entwaldung, die unter Missachtung gültiger Gesetze stattfindet. Sie muss, so fordert der WWF, bis zum Jahr 2015 gestoppt werden.

Nur ein kurzes Strohfeuer?
„Niemand darf sich auf diesen guten Zahlen ausruhen, sonst sind sie am Ende nichts als ein kurzes Strohfeuer“, so Maldonado. „Der Schutz des Amazonas muss mit allen Kräften weiter betrieben werden. Dafür müssen vor allem die Eigentumsverhältnisse in Amazonien geklärt, neue Schutzgebiete ausgewiesen und die nachhaltigen Forstwirtschaft stärker gefördert werden“.

Der WWF warnt insbesondere davor, Gesetze zum Schutz des Amazonas wieder auszuhebeln. Das war in den zurückliegenden Monaten vor allem von der brasilianischen Agrarlobby immer wieder versucht worden.

Walderhalt wichtig für Klimaschutz
Die aktuellen Zahlen weisen aus Sicht des WWF kurz vor Beginn der Klimakonferenz in Kopenhagen darauf hin, welch große Rolle Walderhalt beim Klimaschutz spielt.

„Die großen Waldnationen wie Brasilien müssen für ihre Bemühungen und den Erhalt ihrer Wälder entschädigt werden, da dadurch große Mengen CO2 eingespart werden“, so Guénola Kahlert, Expertin für Wald und Klima beim WWF. „Deswegen muss in Kopenhagen die Grundlage für einen Finanzierungsmechanismus gelegt werden, bei dem die Industrienationen den großen Waldnationen helfen, eine wirtschaftliche Entwicklung ohne Waldzerstörung voranzutreiben“.
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