• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Dienstag, 28.03.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Sonne: Brodelnder Gasball mit Körnung

SUNRISE-Teleskop liefert spektakuläre Aufnahmen der Sonnenoberfläche

Auf der Sonne brodelt es: Gaspakete steigen auf und ab und verleihen der Sonne ihre körnige Oberflächenstruktur, die Granulation. Dunkle Flecken erscheinen und verschwinden wieder - und hinter allem stecken Magnetfelder als Motoren. Das Ballonteleskop SUNRISE hat nun Bilder geliefert, die das komplexe Wechselspiel auf der sichtbaren Sonnenoberfläche mit bisher unerreichter Detailauflösung zeigen.
Körnige Sonne: Die Aufnahmen zeigen die so genannte Granulation in vier verschiedenen Farben im nahen ultravioletten Licht.

Körnige Sonne: Die Aufnahmen zeigen die so genannte Granulation in vier verschiedenen Farben im nahen ultravioletten Licht.

Das größte Teleskop zur Erforschung der Sonne, das je die Erde verlassen hat, war am 8. Juni 2009 von der Europäischen Weltraumbasis Esrange bei Kiruna in Nordschweden aufgestiegen. Getragen von einem gigantischen Heliumballon mit einem Fassungsvermögen von einer Million Kubikmetern und einem Durchmesser von etwa 130 Metern, erreichte SUNRISE eine Flughöhe von 37 Kilometern über dem Erdboden. Die Beobachtungsbedingungen in dieser Stratosphäre genannten Atmosphärenschicht ähneln nahezu denen im freien Weltraum: So werden einerseits die Bilder durch Luftturbulenzen nicht mehr beeinträchtigt, zum anderen lässt sich die Sonne auch im ultravioletten Licht anvisieren, das sonst von der Ozonschicht verschluckt würde.

Auswertung der Daten hat begonnen


Nach dem Ablösen des Ballons landete SUNRISE am 14. Juni sicher an einem Fallschirm auf Somerset Island, einer großen Insel im kanadischen Territorium Nunavut an der Nordwestpassage, dem Seeweg durch das Nordpolarmeer zwischen Atlantik und Pazifik. Die Auswertung der insgesamt 1,8 Terabyte an Beobachtungsdaten, die das Teleskop während seines fünftägigen Flugs aufzeichnete, hat gerade erst begonnen. Doch die ersten Ergebnisse versprechen, dass die Mission das Verständnis der Sonne und ihrer Aktivität einen großen Schritt voranbringen wird.

Magnetische Strukturen erstmals im Detail


Interessant ist vor allem der Zusammenhang zwischen Magnetfeldstärke und Helligkeit kleinster magnetischer Strukturen. Da das Magnetfeld in einem elfjährigen Aktivitätszyklus variiert, führt das vermehrte Auftreten dieser Grundbausteine zu einer Zunahme der solaren Gesamthelligkeit - mit der Folge eines erhöhten Wärmeeintrags auf die Erde. Besonders ausgeprägt ist die Schwankung der Sonnenstrahlung im ultravioletten Licht. Dieses erreicht nicht den Erdboden, sondern wird in der Ozonschicht verschluckt und heizt sie auf. Während des Flugs in der Stratosphäre hat SUNRISE zum ersten Mal die hellen magnetischen Strukturen auf der Sonnenoberfläche in diesem wichtigen Spektralbereich zwischen 200 und 400 Nanometer Wellenlänge untersucht.


Direkte Beobachtung statt theoretischer Modelle


„Dank seiner exzellenten optischen Qualität konnte das Instrument SUFI die sehr kleinen magnetischen Strukturen mit hohem Intensitätskontrast abbilden, während das Instrument IMaX gleichzeitig das Magnetfeld und die Strömungsgeschwindigkeit des heißen Gases in diesen Strukturen und ihrer Umgebung aufzeichnete", erklärt Achim Gandorfer, Projektwissenschaftler für SUNRISE am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung.

Die beobachteten physikalischen Prozesse sind bisher nur durch aufwendige Computermodelle simuliert worden. "Diese Modelle können nun dank der Daten von SUNRISE auf eine solide experimentelle Grundlage gestellt werden", so Professor Manfred Schüssler, Sonnenforscher am MPS und Mitbegründer der Mission. Das Teleskop ist ein Gemeinschaftsprojekt des Max-Planck- Instituts für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau mit Partnern in Deutschland, Spanien und den USA.
(Max-Planck-Gesellschaft, 05.11.2009 - NPO)
 
Printer IconShare Icon