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Nordseeküste wird "durchleuchtet“
Forscher führen Kartierung des Untergrundes durch
Die Kartierung des Untergrundes an der Nordseeküste steht im Mittelpunkt neuer geophysikalischer Messungen, die jetzt von Geowissenschaftler in den Gebieten Jever und Nordenham durchgeführt werden. Dazu wird eine zehn Meter lange Elektromagnetik-Sonde eingesetzt, die von einem Hubschrauber an einem Kabel in 40 Meter Höhe über den Grund geschleppt wird.
Wattboden
Wattboden
© Andreas Heitkamp
Die Messkampagne der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und des Leibniz-Instituts für Angewandte Geophysik (LIAG) dauert voraussichtlich noch bis zum 04. Dezember 2009. Die Forscher hatten bereits in 2008 und im Frühjahr 2009 erste Flüge durchgeführt. Ziel der aktuellen Messungen ist es deshalb, die Lücke zwischen den Messgebieten Esens und Bremerhaven zu schließen.

Ziel: Geomagnetfeld und natürliche Oberflächenstrahlung messen
Neben der geplanten Kartierung des Untergrundes bis zu Tiefen von 150 Meter hat die Befliegung das Ziel, das Geomagnetfeld und die natürliche Oberflächenstrahlung zu untersuchen. Dazu befinden sich in der Sonde und im Hubschrauber Sende- bzw. Empfangssysteme. Die elektromagnetischen Messdaten geben nach Angaben der BGR Aufschluss über die Leitfähigkeitsstruktur im Untergrund. Da Süß- und Salzwasser unterschiedliche Leitfähigkeiten besitzen, ist es möglich, Trink-, Brack- und Salzwasser sehr gut zu unterscheiden.

Geologische Struktur des Geländes untersucht
Ein Magnetometer in der Sonde nimmt Daten auf, die Aufschluss über die geologische Struktur des Geländes geben. Ein Laser-Höhenmesser bestimmt die Topographie unter der Flugstrecke. Diese Daten dienen, so die Wissenschaftler, der Erkundung des Bodens, der Grundwasserleiter und der natürlichen Versalzungsstrukturen.

Die Nordseeküste ist unter Aspekten wie Klimawandel und Küstenschutz von besonderem Interesse für die Wissenschaftler. Nordseeinseln, Wattenmeer und Deichregionen sind durch Sturmfluten und langfristigen Meeresspiegelanstieg besonders gefährdet. Auf Grundlage der Messflüge erhoffen sich die Forscher der BGR und des LIAG Aufschlüsse zur besseren Identifizierung der Küsten- und Landbereiche, die durch Meeresspiegelanstieg oder Sturmfluten gefährdetet sind.

Verhältnisse im Untergrund enthüllt
Die Küstenregion hinter den Deichen ist zudem durch natürliches Salzwasservordringen geprägt. Jede Veränderung wirkt sich auf die Ausbreitung des Salzwassers im Untergrund aus und kann Trinkwasservorkommen gefährden. Die aerogeophysikalischen Messungen verhelfen den Geologen und Wasserversorgern zu einem klaren Verständnis der Verhältnisse im Untergrund. Auf diese Weise können vorbeugende Maßnahmen noch gezielter getroffen werden, so die Forscher.

In einem nächsten Schritt soll diese Befliegung unter Mitwirkung der Bundesländer auf weitere Teile Deutschlands ausgedehnt werden. Die dabei entstehenden dreidimensionalen Datenbestände sind nach Angaben der Wissenschaftler vielfältig nutzbar und von bleibendem Wert für Forschung und Landesplanung.
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